Foto: Daniela Rutica

Film-Mumien und Praktikanten – Eine Begegnung mit Idu II.

Schon vor ein paar Tagen hat unsere Nefer über ihr Praktikum im Roemer-Pelizaeus-Museum in Hildesheim berichtet. Sie war vor Ort als drei der Mumien gescannt wurden. Nun möchte sie uns auch über ihre Begegnung mit dem Beamten Idu berichten und uns Einblicke hinter die Kulissen eines Museumsalltags geben.

Man hat schon viel an Mumienfilmen gesehen.
Mumien die als böse Monster umherstreifen und mutige Museumsmitarbeiter die mit Abenteurern gegen die Bandagierten kämpfen. … Oder der Job des Museums-Wachpersonals wird in Szene gesetzt, als er die plötzlich lebendigen Exponate beschützen muss (Die Mumie und Nachts im Museum). So zumindest weiß die Filmindustrie die Mumien und die Museumsarbeit dem Publikum schmackhaft zu machen. Aber die Realität ist weitaus weniger waghalsig und dennoch interessant.


Ich hatte die Ehre, als Praktikantin im Roemer-und Pelizaeus-Museum für vier Wochen zu arbeiten. Und dabei erlebte ich doch sehr interessante Dinge.

Zum Beispiel machte ich Bekanntschaft mit der Mumie Idu II. Wie man mir sagte, „wohnt“ Idu schon seit fast 100 Jahren im RPM und ist dort fester Bestandteil der Museumssammlung. Sein Sarg und seine Grabbeigaben sind dort schon seit einiger Zeit ausgestellt. Idus Mumie gehört zu den wenigen Mumien des Alten Reiches und zu den am meisten untersuchten. Obwohl der kleine Mann schon teils skelettiert ist, war er in der Mumienausstellung von 2016 der Star des Museums.

Wahrscheinlich hätte der Beamte Idu nie zu Lebzeiten damit gerechnet dass er 4000 Jahre später, der Star eines Museums werden würde und nun seine eigene Dauerausstellung erhält. Aber dem ist so.

Der aus Kunststoff mittels neuster forensischer Methoden hergestellter Rekonstruktionskopf, zog mich in seinen Bann. Wann immer ich an ihm während meiner Arbeit vorbei ging, habe ich dieses Gesicht bewundert. Mit seiner geraden, kräftigen Nase, den etwas müden aber ausdrucksstarken Augen und der dezenten Schminke wird Idu als sehr eindrucksvoller Mann von ( ich schätze mal) ca. 50 Jahren gezeigt. Auch die sehr sorgfältig gearbeitete Perücke lässt das Gesicht des Idu erhaben wirken. Wie ein Mann, der von seinem Beruf Ahnung hatte und wusste, was er tat. Für mich ist es spannend, in die Gesichter der Mumie und der dazu gehörigen Gesichtsrekonstruktion zu blicken und sich vorzustellen, wer diese Person wohl einmal war.

Sehr interessant ist es auch, welche ganzen Arbeitsschritte dahinter stecken, bis so eine Ausstellung fertig ist. Dinge , die der Besucher nicht zu sehen bekommt: Angefangen mit dem Planen der Standorte für die Grabbeigaben bis zum Liegeplatz der Mumie … Zu den Vorbereitungen einer Ausstellung gehören die Abstimmung der „Hintergrundfarben“, die Beleuchtung und natürlich die Herstellung der Sockel, Vitrinen und Ständer. Viele Hände und Köpfe arbeiten an so einer Ausstellung und mag sie noch so klein sein. Selbst die Herstellung des Kopfes mit der Perücke lag in den Händen von zwei Spezialistinnen. (Der Bildhauerein Konstanze Thomas-Zach und der Ägyptologin Daniela Rutica) Aber zum Beginn meines Praktikums, waren der Kopf und die Perücke schon längst fertig gestellt.

Den „Vitrinenganges“ fertigten auch mehrere helfende Hände an. Zum Schluss kam dann die Mumie dazu, die seit Ende der Mumienausstellung wieder in ihrer Transportkiste ruhte.
Aber nun liegt der Idu mit weichen Leinenballen zu seiner linken und zu seinen Füßen, hinter Glas, und seine Gesichtsrekonstruktion schaut mit einem aufmerksamen Blick in die Augen der Besucher, die ihn im RPM besuchen möchten.

Nefer

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3 Kommentar(e)

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  • Ernst Günther

    Dank an Neferfür die anschauliche Schilderung! ergü

  • Anne Hesmer

    Bitte. Mir hat es dort sehr viel Spaß gemacht und wollte meine Erlebnisse nicht vorenthalten. Die Erforschung der Geschichte und die Museen leben nunmal von Besuchern und interessierten Lesern. Es ist unbeschreiblich , wenn man zum ersten Mal in seinem Leben vor echten Mumien steht.
    Automatisch versuche ich mir vorzustellen wie der jenige vorher ausgesehen haben mag. Und wie er wohl vom Charakter war.

    Auf ihre eigene Art sind sie irgendwie niedlich. Diese kleinen Hände und Füße. Die männlichen Mumien sind oftmals gerade mal ein zwei cm größer als ich. Und sie sind nicht gruselig oder böse.

    Mu.ien sind für mich stumme Erzähler ihrer Zeit. Und die eine oder andere sind sogar Lebensretter…. 😉

  • Marina

    Sehr interessant finde ich dies alles! Schon als Kind (und ich bin nicht mehr sooo jung^^) hat mich alles von/über Ägypten interessiert….

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