Ausgrabung der Gartenanlage im Norden des Taltempels der Knickpyramide, Foto: Josuah Pinke, DAI-Kairo, Lizenz: CC-BY-NC-ND

Ausgrabung der Gartenanlage im Norden des Taltempels der Knickpyramide, Foto: Josuah Pinke, DAI-Kairo, Lizenz: CC-BY-NC-ND

Dahschur – einst ein blühender Garten?

Auf dem trockenen und felsigen Plateau von Dahschur, dort, wo unter anderem die beiden berühmten Pyramiden des Pharaos Snofru stehen, soll einst ein blühender Garten gewesen sein? Das jedenfalls deuten Funde an, die das Deutsche Archäologische Institut (DAI) Kairo kürzlich in der Nähe des Taltempels der Knickpyramide machte.

In Dahschur gibt es noch viel zu entdecken. Da es bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts als Militärgebiet ausgewiesen war, haben dort weniger Grabungen stattgefunden, als in den anderen Nekropolen des antiken Memphis. Nur Ahmed Fakhry in den 1950er Jahren und später Prof. Rainer Stadelmann, damaliger Direktor des DAI Kairo, haben dort Expeditionen geleitet und u.a. auch einige Grabkomplexe gefunden. Fakhry war es auch, der erstmals auf ein Ziegelbauwerk gestoßen war, das er in das Mittlere Reich datierte. Stadelmann hatte vermutet, es könne ein Lager- oder Priesterhaus gewesen sein. Neueste Erkenntnisse widersprechen dem aber.

Moderne Techniken in der Archäologie

Seit einigen Jahren führt das DAI wieder umfassende Ausgrabungen in Dahschur durch. 2012 und 2013 durchgeführte Untersuchungen des von Fakhry gefundenen Komplexes mit Hilfe eines Magnetometers ergaben, dass dieses Gebäude älter als der Taltempel der sog. Knickpyramide sein müsste und deutlich größer ist, als zunächst angenommen. Außerdem fand man Spuren einer Siedlung mit rechtwinkligen Wegen. Aus Sicherheitsgründen konnte das DAI-Team 2014 nur etwa 1 Monat lang in Dahschur arbeiten. Vorrangiges Ziel war es dabei, diesen Gebäudekomplex im Norden des Taltempels zu untersuchen und soviel archäologische Informationen wie möglich zusammenzutragen, sagte Projektleiter Felix Arnold der Ahram Weekly.

Magnetometrische Messungen im Wadi zur Knickpyramide

Magnetometrische Messungen im Wadi zur Knickpyramide, (Hintergrund: Rote Pyramide), Foto: Nicole Alexanian, DAI-Kairo, Lizenz: CC-BY-NC-ND

Trotz der nur kurzen Feldsaison 2014 von gerade einmal 4 Wochen gelang es, etwa die Hälfte des Areals freizulegen. Unter einer 10-15cm dicken Schicht aus Flugsand stieß man dabei nicht nur auf Fakhrys Gebäude sondern auch auf Überreste eines großen Gartens. Etwa 350 Pflanzen standen einmal dort auf einem etwa 55 x 80 m großen Areal, das von einer 5m dicken Umfassungsmauer umschlossen war. Die Pflanzen waren entlang der Mauer in nebeneinander liegenden, geraden Reihen angeordnet, zwischen denen ein System aus Bewässerungskanälen verlief. Im Zentrum des Gartens befand sich ein freier Bereich von etwa 30 x 50 m.

Hunderte von Bäumen

Die parallel angeordneten Pflanzgruben sind etwa 50-100 cm groß und haben einen Abstand von 2,20 – 2,40 m zueinander. An der Westseite allein standen 4 Reihen mit je 26 Bäumen. Einige Reste der Wurzeln dieser Bäume sind im heißen Wüstensand erhalten geblieben. Daraus schließen die Forscher, dass der Garten einmal mit Palmen, Sykomoren und Zypressen bepflanzt war. Es handelt sich hier um den ersten Fund von Zypressen in Ägypten, betont Arnold. All diese Bäume wurden hierher umgepflanzt, also nicht in diesem Garten herangezogen. Leider wuchsen sie hier dann auch nur wenige Jahre, bevor der Garten anscheinend wieder aufgegeben wurde.

Das Gebäude im Garten

Auf dem etwas erhöhten Südende des Gartens stand das Ziegelgebäude, das Fakhry entdeckt hatte. Nur Reste seiner Fundamente sind erhalten. Es war ca. 34 x 25 m groß und ebenfalls von einer dicken Umfassungsmauer umgeben. Mauern dieser Dicke baute man nur für Könige, wie man von den frühdynastischen Grabkomplexen in Abydos und Stadttempeln in Bubastis weiß.

Der südliche Teil des Gebäudes besteht aus drei Eingangsbereichen, im nördlichen Teil gab es einen Innenhof. Hinter dem Haupteingang lag eine Säulenhalle, an den Wänden gab es tiefe Gruben, vielleicht für Opfergefäße. Ein weiterer rechteckiger Raum hatte eine Vertiefung in der Mitte. Er diente vielleicht als Waschraum oder zur rituellen Reinigung, meint Arnold.

Das Gebäude wurde mehrfach erneuert und umgebaut. So wurde ein ganzer Flügel mit mehreren Räumen angebaut, wofür ein Teil des Gartens weichen musste. Man baute den Fußboden einfach über die Pflanzen hinweg.

Funktion des Komplexes noch unklar

Was jedoch genau der Zweck des Gebäudekomplexes samt Garten war, ist bislang noch unbekannt. Da es allerdings zu Lebzeiten des Königs gebaut und vermutlich nur über den kurzen Zeitraum von wenigen Jahren genutzt wurde, könnte es entweder ein Tempel zu Ehren des Königs oder evtl. der Vorgänger des Taltempels gewesen sein, der später in der Nähe errichtet wurde. Da dieser für die Ewigkeit gedacht war, wurde er aus Kalkstein, und nicht aus Lehmziegeln, gebaut.

Das Ziegelgebäude kann jedenfalls in die Mitte der Regierungszeit Snofrus datiert werden. Es könnte somit aus der Zeit stammen, als mit dem Bau der Knickpyramide begonnen wurde (8. Regierungsjahr). Vielleicht wurde es so lange genutzt, bis im 15. Jahr der Taltempel fertig gestellt war.

Der Garten wurde nach Norden hin erweitert, neue Reihen mit Pflanzen angelegt. In diesem Teil sind die Wurzeln einiger Büsche erhalten geblieben. Wieviel des ursprünglichen Gartens auch später in Gebrauch blieb, ist unklar, es gibt aber Hinweise, dass alte gegen neue Pflanzen ausgetauscht wurden.

Obwohl also noch viele Fragen hinsichtlich Sinn und Zweck des Gartens und der Gebäude offen sind, so wird hier doch eine ganz neue Facette sichtbar, die man im Areal um Pyramiden herum so noch nirgendwo entdeckt hat. Vielleicht gibt es solche Bauwerke auch in der Nähe anderer Taltempel. Wenn ja, müssen sie erst noch gefunden werden.


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