Fotos: Nefer

Insiderbericht: Mumienscan in Hildesheim

Entstanden aus einer Zusammenarbeit mit dem Roemer- und Pelizaeus-Museum, ist das Hildesheimer St. Bernward Krankenhaus inzwischen geübt im Umgang mit Mumien. 24 Mumien hat man bisher bereits untersucht. Nun wurden dort gerade erneut drei ägyptische Mumien mit dem Computertomographen gescannt. Eine dieser Mumien reiste sogar aus Schottland an, die beiden anderen von der Hildesheimer Uni hatten es nicht ganz so weit.

Die Untersuchung der etwa 2400 Jahre alten Mumie aus Schottland zeigte, dass diese eine Einbalamierung der allerhöchsten Kategorie erhalten hatte. Ihr Körper war u.a. mit 50 Schichten allerfeinstem Leinenstoff umwickelt, ihr Körper mit einem Gemisch aus Harz und vermutlich Nilschlamm behandelt worden. Nun will man das Gesicht der Frau rekonstruieren, das dann in der Ausstellung „Pharao“ in Rosenheim zu sehen sein soll.


Das rekonstruierte Gesicht von Idu. Foto: Daniela Rutica

Aktuell wird im Roemer- und Pelizaeus-Museum gerade der mittels einer digitalen Gesichtsrekonstruktion erschaffene Kopf des Idu ausgestellt, eines hohen ägyptischen Beamten, der vor etwa 4200 Jahren lebte. (Nefer hat in einem weiteren Artikel über die Erlebnisse mit Idu berichtet). Seine Mumie gilt als die am besten untersuchte Mumie des Alten Reiches – nicht zuletzt dank der Hildesheimer Wissenschaftler. Aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen mit Mumienuntersuchungen will man Hildesheim in der Zukunft zu einem bedeutenden Mumienforschungszentrum machen. Internationale Anfragen für neue Untersuchungen gäbe es bereits zur Genüge, heißt es.

Zufällig macht gerade ein Mitglied der selket.de-Familie dort ein Praktikum und war bei den Untersuchungen dabei. Hier ihr Erlebnisbericht:

Mumien im CT – Erste Geheimnisse werden gelüftet – Ein Erlebnisbericht

Am 1.2. 2017 war für mich speziell, ein besonderer Tag. Kurz zu meiner Person, ich bin Nefer, die Steinschneiderin, die für den Selket-Shop die Amulette herstellt. Jaaa… und auf der Suche nach neuen Motiven, mit einem Schuss an Glück und Hilfe, bin ich an ein herrliches Praktikum im Roemer-und Pelizaeus-Museum in Hildesheim gekommen.

Aber nun zum eigentlichen Geschehen…..

Ich hatte das riesen Glück, an diesem besagten Tag, eine CT- Untersuchung von insgesamt vier Mumien zu erleben. Los ging es mit dem Museums-Bulli, in dem schon zwei Mumien geladen waren. Zumindest zwei der menschlichen Mumien. Die dritte war ein kleiner Marder. Wir waren zu dritt und fuhren zum Haus und Werkstatt des Mumienrestaurators Klocke. Dieser Mann ist sehr bekannt, er restauriert Mumien für Museen, aber auch direkt vor Ort, in Ägypten. Dort lernt er die ägyptischen Archäologen an, wie sie dort in den Museen aber auch im Grab direkt ihre Mumien konservieren können. Jedenfalls war das die erste Information, die ich über ihn an diesem Tag erfuhr. Aus seiner Werkstatt holten wir die vierte Mumie mit ihrem Sarg. Und zurück ging es zum Museum, um dort den Sargdeckel abzuliefern, der in einem seperaten Kasten aufbewahrt war. Meine Aufgabe war es, den Marder zu „hüten“.
Es ist ein seltsam witziges Gefühl, eine Mumie auf dem Schoß liegen zu haben.

Die eingepackte Marder-Mumie. Foto: Nefer

Im St. Bernward Krankenhaus angekommen, empfingen uns bereits die Fernseh-Teams. Die Kuratoren, eine weitere Spezialistin, weitere Praktikanten und natürlich die Museumsdirektorin, Frau Schulze kamen zu Fuß nach, denn das Museum ist ja nur ein Steinwurf von dem Krankenhaus entfernt.
Vor dem Hintereingang wurden die wichtigen Persönlichkeiten erst einmal mit Mikrofonen versehen und los ging es dann: Der Transport der ersten Mumie und dem Marder ins Innere des Krankenhauses

In den CT-Räumlichkeiten war im Nu alles mit Menschen vollgestopft. Mit gebannten Blicken schauten alle auf die ruhigen Hände des Mumienspezialisten Klocke, der den Deckel der Transportkiste öffnete. Eine 2400 jahre alte Mumie mit dem Namen Tacha, kam zum Vorschein.

Sie wurde für das CT aus Aberdeen (Schottland) nach Hildesheim geschickt. Noch komplett bandagiert und mit einem Perlennetz aus dunklen Türkisen ummantelt. Sie und die anderen beiden Mumien hatten zuvor noch nie ein Krankenhaus „gesehen“. Nun war es an der Zeit, den ersten Blick unter ihre Bandagen zu werfen. Sie zeigte keinerlei Amulette und sonstigen Schmuck in ihren Binden, wohl aber eine extrem sorgsame Wickeltechnick. Man hatte sie in extrem viele Binden gepackt und sie wurde liebevoll „nachmodelliert“. Das heißt, dass man unter die Haut an vielen Stellen den Körper aufgepuscht hatte. Man könnte es so sehen, wie eine Brustverschönerung. Nur aus Bandage und nicht aus Silikon und für das Jenseits gemacht, damit der Körper auch über Jahrtausende fast lebensecht aussehe. Ihre Augen hatte man wohl in die Höhlen hinein gedrückt und unter die Lider Bandagenkugeln gestopft. Die ersten Bilder des CT zeigten, dass sie kaum noch Zähne hatte. Aber dafür war das komplette Skelett intakt und ohne Verschleiß. Dies lässt darauf hindeuten, dass sie nie wirklich arbeiten musste. Man vermutet, dass sie eine hoch angesehende Bürgerliche war. Geschätzt wird ihr Gewicht mit den ganzen Bandagen, auf ca 62 Kg. Noch nie wurde eine derart sorgfältig bandagierte Mumie entdeckt. Aber genaueres weiß ich leider noch nicht über sie.

Die zweite Mumie war wohl ein Mann. Dieser war wohl deines Bandagenschmuckes beraubt worden. Auch seinen Namen kennt man heute nicht mehr. Am Kopf fehlten einige Teile der Binden, so dass sein Kopf zum Teil entblößt war. Die Haut schimmerte bronzefarben. Und ich fand, dass sie leicht glänzte. Haare konnte ich kaum entdecken. Die erste Mumie war in einem hauchfeinen Papier eingeschlagen, der Namenlose und der dritte in Leinenlaken. Leider hatte ich bei dieser Mumie kaum eine freie Sicht auf die Monitore, so dass ich kaum Informationen dazu geben kann. Aber auch diese Mumie war sonst am Rücken gesund. Zumindest waren alle Gliedmaßen komplett. Denn manchmal wurden Leichenteile an stark verwundeten Gliedmaßen oder an Körpern, bei denen von Geburt an Teile fehlten, einfach ersetzt. Damit diese Person im Jenseits “ heile“ leben konnte.

Foto: Nefer

Aber das Highlight bildete die dritte Mumie. Sie sah so aus, wie man sich eine schöne Mumie vorstellte. Auf ihren noch kompletten Bandagen lag ein hauchdünner Halskragen mit Horusköpfen an den Enden. Die Perlen waren aufgemalt. Ich tippe auf ein hauchdünnes Blech, das bemalt wurde. Gerade mal 2-3 mm dick!

Außerdem besaß sie eine mit Blattgold versehene Totenmaske mit einer Zopfperücke. Auf der Brust des Toten fallen also die beiden Zöpfe, die nicht gebunden sind. Die Haare sind mit schwarzer Farbe wiedergegeben. Obwohl die Bemalung des Gesichtes unter dem Zahn der Zeit gelitten hat, sieht das Maskengesicht recht sanft aus. Über Bauch und Beine erstreckt sich ein ebenfalls bemaltes Blech, das die vier Söhne des Horus wiedergeben. Auch hier wurde mit äußerster Sorgfalt gearbeitet. Nach all der Zeit leuchteten mir die Farben entgegen. Ganz niedlich wirkten allerdings die Mini-Sandalen-Modelle, die unter die Füße des Toten gelehnt wurden. Selbst ich empfand sie als klein. Aber überhaupt sind die ägyptischen Mumien nach heutigem Standard recht klein. Für die, die es noch nicht wissen, sind die Menschen im Durchschnitt gerade mal 1,60m groß gewesen. Wer die 1,70m erreicht hatte, galt als groß.
Aber die Ausnahme bestätigt bekanntlich die Regel. …. Denn Ramses II. hatte fast die 1,80 m erreicht. Zumindest ungefähr. …
Wer die Mumie mit den schönen Bandagenschmuck war, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass die Forscher hoffen, unter ihren Bandagen Amulette zu finden.
Viele Geheimnisse sind noch nicht gelüftet. Und es sind mehr Fragen aufgekommen.

Die Auswertung der Bilder werden hoffentlich noch einiges ans Tageslicht bringen. Sowie die Ergebnisse zu der kleinen Mardermumie. Die zum Schluss ihren Platz auf dem CT – Tisch fand…

Das Praktikanten-Team 😉
Foto: Nefer

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  • Ernst Günther

    Das ist eine tolle Sache. Wäre auch gern dabei gewesen. Jetzt bin ich gespannt auf die Untersuchungsergebnisse und sicher, dass UNSERE SELKET sie uns nicht vorenthalten wird. Herzlichen Dank der umsichtigen Carina Felske! Ernst Günther

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