Eine Auswahl an Topfbestattungen von Kindern und Säuglingen aus der prädynastischen Epoche bis zur Frühzeit. Entdeckt in der Nekropole von Adaïma, Ägypten. Bild mit freundlicher Genehmigung: "Adaima excavation. Crubezy & Midant-Reynes, IFAO"

Waren ägyptische Topfbestattungen ein Symbol der Wiedergeburt?

Einbalsamierung und Mumien – damit verbinden wir den Glauben an das ewige Leben der alten Ägypter. Doch nicht jeder konnte sich eine teure Mumifizierung leisten. Die armen Menschen mussten ihre lieben Verstorbenen im Wüstensand begraben. Kinder, Säuglinge und Fötusse sind im alten Ägypten häufig in Töpfen bestattet worden. So genannte Topfbestattungen galten lange Zeit als Begräbnisse der Ärmsten in der Bevölkerung Ägyptens. Dem sei mitnichten so, wie eine neue Studie von Ronika Power der Cambridge Universität und Yann Tristant der Macquarie Universität in Australien belegt. Vielmehr seien die Töpfe Symbole der Wiedergeburt gewesen, in denen auch Erwachsene und Wohlhabende ihr neues Leben nach dem Tod antreten konnten.

Der Fötus im Mutterleib oder im Ei

Die Verstorbenen wurden in den Gefäßen in einer „fötalen“ oder „schlafenden“ Position gelegt, so wie ein Fötus im Mutterleib oder in einem Ei. Die Töpfe könnten die alten Ägypter an Eier erinnert haben, so Power und Tristant in einem Artikel, der in der Journal Antiquity veröffentlicht wurde. Sie zogen den Vergleich zu den inneren Sarkophagen, in denen der Verstorbene gebettet wurde und die von den alten Ägyptern manchmal auch mit einem Ei assoziiert wurden.   Damit liegt der Schluss nahe, dass die Töpfe für die alten Ägypter Symbole des Mutterleibs oder eines Eis waren, wo der Verstorbene in einem Leben nach dem Tod wiedergeboren wird.


Obwohl sich die beiden Forscher sicher sind, dass die Töpfe eine klare Verbindung zu Schwangerschaft und (Wieder-)geburt besitzen, betonen sie, dass weitere Forschungen vonnöten sind, um die Bedeutung der Topfbestattungen im alten Ägypten näher zu untersuchen.

Weitere Funde von dem Friedhof in Adaïma, Ägypten. Die Töpfe sehen Eiern sehr ähnlich.
Bild mit freundlicher Genehmigung: „Adaima excavation. Crubezy & Midant-Reynes, IFAO“

Keine „Müllentsorgung“

Weil insbesondere kleine Kinder, Säuglinge und Föten in Töpfen, die auch schon im alltäglichen Leben zum Einsatz kamen, beigesetzt wurden, wurde diese Art der Bestattung bei einigen Forschern bisher als reine „Müllentsorgung“ runtergespielt, so Power und Tristant. Aber in einem wiederverwendeten Haushaltsgegenstand bestattet zu sein muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass Föten, Babies und Kinder, die so beigesetzt wurden, für die alten Ägypter nichts weiter als Abfall waren. Alte Kulturen haben viele Dinge wiederverwertet und sogar wohlhabende Menschen wurden manchmal in bereits benutzten Gräbern oder Sarkophagen bestattet.

Wenn ein Objekt nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck einsetzbar war, wurde es nicht gleich entsorgt, sondern eher repariert, zweckmäßig oder symbolisch umgewandelt, aufbewahrt für eine zukünftige Wiederverwendung oder zerbrochen, um in einem anderen Objekt erneut benutzt zu werden, so Power und Tristant.

Topfbestattungen auch für Erwachsene

Und nicht nur Kinder wurden in den Töpfen begraben, sondern auch viele Erwachsene. Topfbestattungen fanden sich den ganzen Nil entlang. In mindestens vier Stätten wurden auch Erwachsene während der gesamten griechisch-römischen Epoche der ägyptischen Geschichte (332 v. Chr. – 395 n. Chr.) so bestattet. In fünf Stätten, unter anderem in der Steinbruch-Stadt Gebel el-Silsila wurden sogar nur Topfbestattungen mit Erwachsenen gefunden und keine mit Kindern.

Topfbestattungen waren nicht nur eine Begräbnisform für arme Menschen

Auch muss nach Power und Tristant die allgemein Meinung, man hat nur arme Leute so bestattet revidiert werden. In einem Fall wurde ein Säugling, der zwischen Ende des Alten Reiches und Anfang des neuen Reiches bestattet wurde (ungefähr um 2181 v. Chr.) in einem Topf mit vielen teuren Perlen gefunden, sieben davon waren sogar mit Gold überzogen.

Dass die Topfbestattungen nicht nur etwas für Arme waren, bestärkt die beiden Forscher noch in ihrer Meinung, dass die Art der Bestattung eine hohe Symbolkraft hatte. Es gibt sogar einige wenige Vergleiche mit der Gebärmutter als Topf oder Gefäß in ägyptischen Schriftrollen und Reliefs. In einem Relief in einer Kapelle in der Nekropole von Sakkara singen Tänzer über die Geburt: „Sieh den Topf, entferne was darin ist“

Für die beiden Forscher sind die Töpfe Symbole des Lebens par excellence. Die alten Ägypter konnten sich damit den Übergang zu einem Leben nach dem Tod ermöglichen. Es fällt schwer, eine andere mögliche Erklärung dafür zu finden, sind sich die beiden Forscher sicher.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentar schreibenBitte sei höflich. Wir wissen das zu schätzen

Dein Kommentar