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Einzigartiger Wassertempel in Pelusium entdeckt

Im Nord-Sinai, an der archäologischen Stätte Tell el-Farama, wo einst das antike Pelusium war, haben ägyptische Archäologinnen und Archäologen ein Wasserheiligtum entdeckt, das dem örtlichen Gott Pelusius gewidmet war. Der Fund eines solchen Wassertempels ist einzigartig in der ägyptischen Geschichte.

Foto: Tourismus- u. Antikenministerium Ägypten

Seit mehr als sechs Jahren gräbt das Team des Obersten Rates für Altertümer (Supreme Council of Antiquities, SCA) an dieser Stelle des antiken Pelusium. Dabei stießen sie auf die Überreste einer kreisrunden Struktur, die so noch nirgends in Ägypten entdeckt worden war. Inzwischen glauben die Forschenden, dass es sich um eine heilige Stätte handelte, an der Wasserrituale durchgeführt wurden.

Foto: Tourismus- u. Antikenministerium Ägypten
Foto: Tourismus- u. Antikenministerium Ägypten

Im Zentrum des Bauwerks liegt ein rundes Becken mit etwa 35m Durchmesser. Es war wohl mit einem Nilarm verbunden und mit nährstoffreichem, schlickhaltigen Wasser gefüllt, das dem Gott Pelusius zugeordnet wurde, dessen Name vom griechischen Wort „pelos“ abgeleitet ist, das Schlamm bedeutet.

Um das Becken herum liegt ein ausgeklügeltes System von Wasserkanälen, die dem Zu- und Abfluss des Wassers dienten. Im Zentrum des Beckens gibt es eine quadratische Plattform, auf der einst vermutlich eine Kolossalstatue des Gottes Pelusius stand.

Die Forschenden vermuten, dass dieses Heiligtum über mindestens acht Jahrhunderte betrieben wurde, nämlich vom 2.Jh. v.Chr. bis in das 6.Jh. unserer Zeitrechnung. Laut Hisham El-Leithy, Generalsekretär des SCA, zeigt die Architektur dieses Heiligtums eine Synthese aus altägyptischen Traditionen, gemischt mit hellenistischen und römischen Einflüssen.

Foto: Tourismus- u. Antikenministerium Ägypten

Hisham Hussein, Leiter der Mission, erklärte, dass man 2019 zunächst nur ein Viertel der runden Struktur aus roten Ziegeln gefunden hatte und damals glaubte, dass es sich um ein Senatsgebäude handeln würde. Im Laufe der weiteren Ausgrabungen zeigte sich aber, dass hier ein viel komplexeres Gebilde lag, mit mehreren Eingängen und einem umfangreichen hydraulischen System.

Foto: Tourismus- u. Antikenministerium Ägypten

Hussein ergänzte, dass sein Team neben der archäologischen Arbeit auch viel Zeit darauf verwendet habe, diese Struktur mit ähnlichen in der hellenistischen und römischen Welt zu vergleichen. Erst dadurch sei man auf die Funktion dieses Bauwerks gekommen. Unterstützt wird diese Meinung von Jean-Yves Carrez-Maratray, Archäologe und Geschichtsprofessor an der Pariser Sorbonne Universität mit Schwerpunkt auf der ptolemäischen Periode Ägyptens, der bestätigte, dass dies sicher keine zivile Struktur sei, sondern ein religiöser Komplex, an dem vermutlich wasserbasierte Rituale durchgeführt wurden.

Der Fund zeigt nach Ansicht der Forschenden, dass das weit im Norden des ägyptischen Reichs liegende Pelusium ein vitales Zentrum für religiöse Innovation und den kulturellen Austausch der Mittelmeerländer war.

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