In der Nekropole von Tell Quesna hat die dort grabende ägyptische Mission eine neue Grabanlage entdeckt, in der sie vor allem viele Grabbeigaben, wie Tonwaren, Perlen und Amulette fand. Ganz besonders ist der Fund von insgesamt 560 Ushebtis aus ägyptischer Fayence.
Die archäologische Stätte Tell Quesna liegt im Bezirk Menufiya, der sich nördlich von Kairo befindet. Die dortige Nekropole wurde 1991 entdeckt und gilt als wichtigster nicht-königlicher Friedhof des Nildeltas. Begräbnisse aus verschiedenen Epochen bis hin zur griechisch-römischen Zeit wurden hier in den letzten 35 Jahren gefunden.
Die nun entdeckte Grabanlage bestand aus einer zentralen Halle, von der mehrere Grabkammern abgingen. Da die erhaltenen Eingänge zu diesen Kammern gewölbt sind, vermuten die Forschenden, dass auch die Grabkammern einst wohl gewölbte Decken hatten.
In einigen Kammern wurden menschliche Überreste in unterschiedlichen Erhaltungsgraden gefunden. Viele Individuen wurden in der Osiris-Position, also mit gekreuzten Armen, bestattet. Eine genaue zeitliche Datierung wurde noch nicht vorgenommen, aber der Fund gehört wohl in die Spätzeit oder die griechisch-römische Periode.
Besonders ist in diesem Fall, dass so viele Grabbeigaben gut erhalten geblieben sind. Darunter die bereits erwähnten 560 Ushebtis, die anscheinend alle in nur einer Grabkammer gefunden wurden. Obwohl unterschiedlich in Form und Größe, stellen alle die traditionelle Osiris-Figur dar. Einige sind sogar mit Sprüchen aus dem Totenbuch beschriftet.
Weiter wurde eine große Sammlung von Amuletten zusammengetragen, von denen einige aus Halbedelsteinen gefertigt sind. Dargestellt sind das Udjat- oder Horusauge, der Tjt- oder Isisknoten oder auch ägyptische Gottheiten. Die unterschiedlichen Amulette versprachen nach altägyptischem Glauben Schutz, Stärke oder Wiedergeburt.
Der Fund einer großen Anzahl an blauen und grünen Fayence-Perlen lässt die Archäologinnen und Archäologen glauben, dass sie wohl Teil eines Totennetzes waren, das einem der Bestatteten über den Leichnam gelegt worden war.
Auch eine große Anzahl an Tonwaren wurde gefunden, darunter Teller, Schalen, Amphoren und zwei Keramiklampen. In einigen der Tongefäße wurden noch Rückstände der Substanzen entdeckt, die einst darin enthalten waren. Die Forschenden erhoffen sich daraus neue Rückschlüsse auf die Begräbnisriten der damaligen Zeit.
Missionsleiter Nermin El-Morsi teilte außerdem mit, dass auch Keramiken von der griechischen Insel Rhodos gefunden wurden. Darunter ist auch eine Amphore, deren Henkel noch die Herkunftsbezeichnung trägt. Dieser Fund ist ein Beweis für den aktiven Handelsaustausch zwischen Ägypten und dem Mittelmeerraum in der altägyptischen Spätzeit.
Ein ganz besonderer Fund ist auch der ungewöhnliche Brauch, dass bei einer Bestattung Teller neben den Armen und ein Tongefäß zwischen den Oberschenkeln eines Toten platziert worden waren. Eine Erklärung für diese Praxis haben die Forschenden noch nicht.







Vielen Dank für die stets sehr interessanten Infos zu neuen Funden.
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