Einige Bilder von heute und von der Bergung der Statue. Fotos: Antikenministerium

Koloss aus Heliopolis ist doch nicht Ramses II.

Kaum war ein Teil des Kolosses aus dem tiefen Schlamm geborgen, kamen die Hieroglyphen zum Vorschein. Und die hießen nicht Ramses II., sondern Psammetich I. Die in zwei Teile zerbrochene Statue im Kairoer Stadtteil Mataria lag zwar an Ort und Stelle, wo Ramses aus der 19. Dynastie einst seinen Tempel hatte, doch gehörte sie höchstwahrscheinlich dem Pharao aus der 26. Dynastie. Einer von fünf Königstiteln auf dem Rücken der Statue konnte als der von Psammetich I. entziffert werden.

Auch wenn es nicht der große Ramses ist, ist es immerhin die größte Statue aus der Spätzeit die je in Ägypten entdeckt wurde. In der Antike war sie ursprünglich über 9m hoch und aus Quarzit, das in Al-Gebel Al-Ahmar im heutigen östlichen Kairo abgebaut wurde.


Quarzit ließ auch einen bekannten deutschen Ägyptologen stutzig werden. In der deutschen Presse äußerte Jan Assmann bereits kurz nach dem Fund Zweifel an Ramses II. Eine Statue von der Qualität aus Quarzit wäre gänzlich untypisch für den großen Pharao, der in jedem Winkel des Landes Statuen aufstellte und daher mehr auf „billige“ Massenproduktion setzte.

Dr. Dietrich Raue von der deutschen Grabungsmission erklärte, wie schwer es gewesen sei, die zwei zerbrochenen Teile der Statue zu bergen (die Bergung mit einem Schaufelbagger wurde im Netz teilweise heftig kritisiert). Sie lagen mitten in einem Wohngebiet 2-3m unter dem Grundwasserspiegel.

Beide Teile der Statuen und einige andere kürzlichen Funde im antiken Heliopolis wurden heute in einer großen Parade ins Ägyptische Museum Kairo am Tahrir Platz gebracht (auch hier gab es einige logistische Probleme, da der Laster nicht durch das Tor des Museums passte…). Später sollen sie, wie bereits angekündigt, ins Grand Egyptian Museum nach Gizeh gebracht werden. Unter den anderen Artefakten ist ein Relief von Ramses II. mit ausgestrecktem rechten Arm vor einer Göttin, die dank weiterer gefundener Blöcken als Göttin Mut identfiziert werden konnte.

Es soll jetzt weiter gegraben werden in Mataria, wobei es sehr schwierig sein wird, die noch fehlenden Beine des Kolosses zu finden. Wenn sie denn dort überhaupt noch liegen, werden sie laut Raue wahrscheinlich unter einem Häuserblock zu finden sein. Zumindest zur Zeit ist es also eher unwahrscheinlich, dass die Beine von Psammetich I. geborgen werden können.

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