Modell des Kopfes von Meresanch III. © Habicht et al., Institut für evolutionäre Medizin, Uni Zürich

Meresanch III mit krankhafter Schädelform?

Bei wissenschaftlichen Untersuchungen von Schädeln königlicher Mumien fiel Forschern der Universität Zürich auf alten Fotos der Schädel von Königin Meresanch III wegen seiner ungewöhnlichen Form auf. Nähere Untersuchungen dieses Schädels legen den Verdacht nahe, dass Königin Meresanch III eine Form des Silent Sinus Syndroms gehabt haben könnte, eine seltene Schädeldeformation, bei der durch eine Abflachung der Kieferhöhle u.a. eines oder beide Augen eingesunken sein können.

Da man zunächst nur 90 Jahre alte Fotos dieses Schädels aus dem Bostoner Museum hatte, besorgten sich die Forscher auch den Ausgrabungsbericht ihres Mastabagrabes in Gizeh und erstellten aus den alten Fotos ein 3D-Modell des königlichen Kopfes. Die gewonnenen Daten verglichen Sie mit zwei anatomischen Datenbanken; eine davon ist eine Datenbank, welche die Schweizer Wissenschaftler gerade selbst erstellt, aber noch nicht publiziert haben.

Königin Meresanch III war eine Königin der 4. Dynastie des Alten Reiches. Nach dem Todesdatum in ihrem Grab starb sie am 21. Tag des Schemu im Jahr 1 des regierenden Königs. Anhand des astronomischen Datierungsmodells, das die Schweizer Forscher kürzlich selbst entwickelt haben und das auch wir Anfang dieses Jahres ausführlich hier beschrieben haben, wird dieser Todeszeitpunkt von ihnen auf das Jahr 2570 v.Chr. datiert. Damit könnte der regierende König Menkaure, griechisch Mykerinos, gewesen sein, in dessen erstem Regierungsjahr Meresanch III starb. Mykerinos baute die kleinste der drei großen Pyramiden von Gizeh.

Meresanch III war eine Tochter der Hetepheres II und somit Enkelin von Pharao Cheops. Sie wurde verheiratet mit ihrem Onkel Chephren, einem Sohn des Cheops, der ebenfalls Pharao wurde und auch eine der drei berühmten Pyramiden auf dem Gizeh-Plateau baute. Aus dieser Ehe gingen mindestens acht Kinder hervor.

Der britische Anatomie-Professor und Anthropologe Douglas Erith Derry hatte 1927 die mumifizierten Überreste der Königin aus ihrem Sarkophag entfernt. Dabei fand er den Schädel zerbrochen und restaurierte ihn. Er notierte dazu, dass der Schädel sehr breit und abgeflacht aussah, eine Schädelform, die damals allerdings nicht ungewöhnlich war. Auch ihre Mutter Hetepheres II wird mit einem ähnlich flachen Schädel im Grab der Meresanch dargestellt. Dennoch fand Derry die Schädelbreite mit 147 mm bemerkenswert.

Rekonstruktion des Schädels von Meresanch III. © Habicht et al., Institut für evolutionäre Medizin, Uni Zürich

Auch die jetzige Untersuchung am rekonstruierten 3D-Schädelmodell und der Vergleich mit den zwei Datenbanken zeigt, dass insbesondere die Breite, 147 mm, aber auch die Länge, beinahe 182 mm, des Schädels der Königin Meresanch deutlich über dem Durchschnitt der Vergleichsdatenbanken liegen. Die Kieferhöhle scheint dagegen beidseitig stark abgeflacht, wie der Forschungsbericht im Journal »Anthropologie« aufzeigt.

Es gibt mehrere Krankheitsbilder, die zu diesen Daten passen könnten, wie Thalassämie, erhöhter Hirndruck oder auch das Down Syndrom. Berücksichtigt man allerdings, dass Meresanch entweder mit Mitte 40 oder Mitte 60 Jahren (je nachdem, ob sie unter Mykerinos‘ oder Schepseskafs Regierung starb) für ihre Zeit recht alt wurde, dass sie 8 Kindern das Leben schenkte und mehrere wichtige Titel trug, können wohl Krankheiten ausgeschlossen werden, die ihre mentalen Fähigkeiten, ihre Fruchtbarkeit oder ihre Lebensspanne eingeschränkt hätten. Somit ist das seltene Silent Sinus Syndrom die wahrscheinlichste aller Krankheiten – und träfe das zu, wäre dies der älteste bekannte Fall dieses Krankheitsbildes.

Die Forscher bedauern, dass es derzeit keine Möglichkeit gibt, die sterblichen Überreste näher zu untersuchen. Sollte das einmal möglich sein, könnten sie diese Diagnose vielleicht mit weiteren Tests untermauern.

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