Die Nordwand
Faksimile von Tuts Grab

Scans aus den USA sollen keine geheimen Kammern in Tutanchamuns Grab zeigen

Es ist schon ein paar Wochen her, da rückte ein Team amerikanischer Experten in Zusammenarbeit mit der National Geographic in Tutanchamuns Grab, um mit ihren Radargeräten die Messergebnisse des letzten Jahres zu überprüfen. Nach dem Messungen ließ sich der damals frisch ins Amt eingesetzte Khaled El Enany zu keiner konkreten Aussage hinreißen und alle wunderten sich, warum die Auswertung der Ergebnisse so lange dauern.

Den Grund könnte einer der amerikanischen Radarexperten nennen: In Tutanchamuns Grab gibt es laut den neuen Messergebnissen keine geheimen Kammern.


Dean Goodman, ein Geophysiker, der die von vielen Experten benutzte GPR-SLICE Software entwickelt hat, durfte die neuen Daten aus dem Grab analysieren und fand keine Hinweise auf versteckte Hohlräume

Auf Nachfrage der LiveScience entgegnete Goodmann, dass er eine ausführliche Stellungnahme vorbereitet hat aber dass er mit der National Geographic Society eine Geheimhaltungsvereinbarung abgeschlossen hätte. Während die National Geographic also selbst über Goodmanns Beobachtungen berichtete, bekommt er nun einen Maulkorb verpasst, denn die Genehmigung ausführlich über seine Beobachtungen zu berichten wurde ihm dann letztendlich nicht mehr erteilt. Der Grund ist eine Vereinbarung mit der National Egopgraphic Society und dem Antikenministerium, die die Medienfreigabe nicht erlaube.

Antikenminister lehnt Ergebnisse ab

Die LiveScience will aber aus anderen Quellen, die natürlich anonym bleiben wollen, die Bestätigung erhalten haben, dass die neuen Scans keine geheimen Hohlräume in Tutanchamuns Grab zeigen.

Der Antikenminister, der nach den amerikanischen Scans noch sagte, dass die Ergebnisse nicht im Widerspruich zu den dersten gestanden hätten, soll die Ergebnisse aus den USA abgelehnt haben, wie die Livescience weiter schreibt. Weitere Daten sollen aus anderen Radar- und Fernerkundungsmethoden gewonnen werden

Alles nur „heiße Luft“

Lawrence Conyers, ein Professor der Universität Denver, der ein Buch über Bodenradar (GPR) in der Archäologie verfasst hat, fragt sich, welche anderen geophysikalischen Methoden das sein sollen. Die bereits verwendete GPR-Methode ist in der Archäologie erst einmal die naheliegenste, andere seien viel weniger aussagekräftig. Wenn der Bodenradar nichts anzeigt, ist dort auch nichts, so Conyers. Für ihn ist das alles nur „heiße Luft“.

Wie sicher sind die Daten aus Japan?

Auf die im vergangenen Jahr aufgenommen Rohdaten des Japaners Watanabe, der im Gegensatz zu den Amerikanern seine positiven Ergebnisse auf der Tutanchamun-Konferenz am vergangenen Wochenende präsentieren durfte, warten andere Wissenschaftler bisher vergeblich.

Nach mehr als 40 Jahren Arbeit mit dem Radar wäre sein Equipment zu einem so hohen Grad individuell angepasst, dass die Daten keiner mehr auslesen könnte, so seine Begründung. Er sei sehr traurig, wenn jemand seine Ergebnisse überprüfen möchte, aber er hat keinerlei Zweifel. Er vertraue seinen Daten komplett.

Alte Geräte verwendet

Einige seiner Kollegen haben ihn dafür kritisiert, dass er „koden-brand“ Maschinen, die seit zwei Jahrzehnten nicht mehr auf dem Markt sind, für die Untersuchung in Tuts Grab benutzt hat.

Watanabe hatte auf seinem Radargerät nicht nur Hohlräume, sondern auch Metall und organisches Material erkennen können.

Viele Gräber dank Watanabe gefunden

Izumi Shimada, ein Anthropologe der Southern Illinois Universität, der in der Vergangenheit schon mit Watanabe zusammengearbeitet hat, sagte der National Geographic, dass er schon immer eine kontroverse Figur in Japan gewesen ist.

Watanabe besitzt laut Shimada die Tendenz, zu schnell zu enthusiastisch zu sein. Außerdem sei er kein Akademiker, sondern komme aus der Industrie. Dennoch war seine Fachkompetenz für ihn unverzichtbar. Zusammen haben sie mehr als ein Jahrzehnt an der nördlichen Küste von Peru gearbeitet und dank Watanabes Radar waren seine Ausgrabungen dort mehr als erfolgreich. Sein Team fand dank seiner Radarscans viele Gräber aus der Sicán Kultur. Watanabe hat in vielen archäologischen Orten gearbeitet und Dinge gefunden, die Archäologen nicht in der Lage waren zu finden.

Beim Radar bleibe vieles menschliche Interpretation, da kann die Software noch so gut sein, so Shimada. Da ist jede Menge Subjektivität dabei.

Watanabe soll niemals derart falsch gelegen haben

Auf die geheimen Kammern in Tuts Grab und die aufkommenden Zweifel an der Richtigkeit der Daten angesprochen, meinte Shimad, dass es bisher nicht vorgekommen sei, dass Watanabe mit Vorhersagen je so falsch gelegen hätte.

Das könnte Dich auch interessieren

8 Kommentar(e)

Einen Kommentar schreiben
  • mckracken

    National Geographic? Zahi Hawass?
    Jahre lang ist da ein HAUFEN Geld in eine Richtung geflossen. (so auffällig das sich die US Behörden eingeschaltet haben)

  • Peter

    Hier scheint der bekannte amerikanismus zu greifen.

    Wir, National Geographics machen das Geschaeft. Wir sind Aegyptens Geldgeber.

    Reeves wird jetzt „totgequatscht“ dann wird seine Erlaubnis im Tal gekappt und NGG fuehrt dann Regie.
    Erstaunlich, dass deutsche Aegyptologen auch „nein“ sagen zu den Beweisen.
    Jetzt heisst es Gras darueber wachsen zu lassen und dann wird heimlich weiter gemacht.

    Man braucht doch“nur“ von unten an die Sache raangehen. Da macht man nichts kaput.
    Fussbodenmalerei habe ich dort noch nicht gesehen. 🙂

  • Sinuhe20

    Nun ja, man sollte erstmal herausfinden, wer den Auftrag überhaupt an NG vergeben hat, wahrscheinlich die aktuelle ägyptische Altertümerverwaltung (ohne Hawass). Reeves wird ja selbst von NG finanziert und die Gesellschaft hat auch genügend Interesse daran, positive Beweise für ein weiteres Vorgehen zu finden.

  • Anne Hesmer

    Hallo alle zusammen. Also ich werde auch eher skeptisch wenn ich das so lese. Wie Peter so treffend sagt…es wird mal wieder amerikanisiert. Vielleicht kommt es nur mir so vor aber…versuchen die nicht irgendwie die Lorbeeren für sich einzuheimsen? Es ist durchaus in vielen Fällen vorgekommen dass die amerikanischen Fachleute es nicht verknusen können dass mal jemand anderes auf eine mögliche heiße Spur gestoßen ist. Und nicht sie. Dann wird mal eben behauptet dass der andere unrecht hat,in der Hoffnung :Ach,die vergessen das schon und dann können wir auftrumpfen! ….Mal ganz ehrlich, der Reeves kann da einem echt Leid tun.Jetzt kriegt er es echt von allen Seiten.

  • Anne Hesmer

    Ich denke die USA haben ihre Scan-Ergebnisse nicht zufälliger Weise veröffentlicht?B-) Ich trau der Sache nicht .Auch die Sache mit Goodman und der National Geographic finde ich mehr als seltsam.

  • Hoefer

    Jetzt muss ich doch ganz ketzerisch fragen: Hat jemand schon mal die von Reeves gefunden Linien auf den Faktum Arte-Scans auf Fotos gesehen (ohne rote Übermalungen) und wie sieht es mit den Infrarot-Scans von der Nordwand aus? Also ich konnte bisher nichts dergleichen finden. Ich wundere mich die ganze Zeit, warum noch kein Bild gezeigt wurde, wo die unterschiedlichen Indizien zusammen dargestellt werden.

  • Samoth E Klew

    @Hoefer
    Die Originalscans der Wände sind auf der Internetpräsenz der Firma factum-arte unter dem nachfolgenden Link veröffentlicht (nach Öffnen ganz links Pfeil nach oben / Dreieck anklicken); die in Reeves Interpretation angeführten Vertiefungen befinden sich gut sichtbar im unteren rechten Viertel der Westwand und etwas links der Mittelsenkrechten der Nordwand, sowie etwas weniger deutlich ebendort im unteren Drittel rechts der Mittelsenrechten.
    http://www.highres.factum-arte.org/Tutankhamun/

Kommentar schreibenBitte sei höflich. Wir wissen das zu schätzen

Dein Kommentar