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Schädel, der König Sanacht (3.Dyn.) zugeschrieben wird. Foto: John Garstang 1903

War Pharao Sanacht ein Riese?

Einige wenige Keramikfragmente und Felsbilder belegen, dass es im Alten Reich, genauer gesagt in der 3. Dynastie, ca. 2700 v.Chr., einen Pharao mit dem Horusnamen Sanacht gab. 1901 fand man in dem Mastabagrab K2 bei dem mittelägyptischen Dorf Beit Khallaf, nahe Abydos, Teile einer Mumie, die man diesem Pharao Sanacht zuordnete. Der Mann war mit 187 cm erheblich größer als seine Mitmenschen und daher vielleicht der erste belegte Fall von Riesenwuchs, meinen Forscher, die den Fall nun noch einmal statistisch auswerteten.

Zunächst einmal muss gesagt werden, dass es in dieser Sache doch einige Unwägbarkeiten gibt. Erstens weiß man heute nicht genau, wo die Überreste der Mumie abgeblieben sind; man kann sie also nicht mehr mit den technischen Möglichkeiten der Jetztzeit erneut untersuchen. Zweitens wird heute angezweifelt, ob es sich tatsächlich um die Gebeine eines Pharaos oder „nur“ um die eines Adligen handelt, die man vor über 100 Jahren fand und die angeblich ins Ägyptische Museum Kairo gebracht wurden.

Abnormität fiel schon den Ausgräbern auf

Die Ausgräber unter der Leitung des britischen Archäologen John Garstang waren sich jedenfalls sicher, dass das Grab K2 einem Pharao namens Hen-Nekht, später korrigiert auf Sa-Nekht (Sanacht), gehörte. Garstang beschrieb den Fund sehr genau und hielt auch die Maße des Schädels und der langen Knochen fest. Den Schädel beschreibt er als außerordentlich massiv und groß; aus der Länge der Beinknochen errechnete er eine Lebendgröße von ca. 186 cm und schreibt dazu, dass Sanacht seine Zeitgenossen damit um mehr als 20 cm überragt haben muss.


Selbst Ramses II. ein Winzling im Vergleich

Ein Forscherteam um den Schweizer Ägyptologen Michael E. Habicht wertete nun die Fotos und Aufzeichnungen des damaligen Fundes erneut aus. Dabei verglichen sie die Skeletteile Sanachts (bzw. der Person, die man für Sanacht hält) zum einen mit anderen männlichen Skeletten des alten Ägypten und zum anderen mit denen von Königen, die insgesamt etwas größer als die Normalbevölkerung waren.
Sogar Ramses II., der mit 175 cm als der körperlich größte Pharao des Neuen Reiches gilt und der damit ca. 9 cm größer als der „Durchschnittskönig“ und 12 cm größer als der „Durchschnittsägypter“ des Neuen Reiches war, hätte klein ausgesehen im Vergleich mit dem 1500 Jahre älteren Mann aus Grab K2.

Akromegalie und Gigantismus

Die neue statische Auswertung zeigt, dass die Länge der Beinknochen weit außerhalb der Norm liegt. Die Gesichtsmerkmale dagegen, z.B. die Nasenlänge oder die Höhe der oberen Gesichtshälfte, sind kaum größer als die von Vergleichsgruppen, lediglich der Kieferbogen scheint etwas mehr vergrößert. Das Krankheitsbild Akromegalie, bei dem neben der Körperlänge auch die vorspringenden Gesichtsmerkmale wie Kinn, Nase und Ohren vergrößert wären, schließen die Forscher daher eher aus. Riesenwuchs dagegen, auch Gigantismus genannt, bei dem alle Körperteile relativ gleichmäßig vergrößert sind, halten sie hier für sehr wahrscheinlich. Beide Krankheitsbilder sind in einer Überproduktion des Wachstumshormons Somatotropin begründet.

Der älteste paläontologisch belegte Fall von Akromegalie ist ein Fund aus New Mexico, USA, der vermutlich mehr als 10.000 Jahre alt ist. Die „nur“ 5000 Jahre alten Gebeine aus dem Mastabagrab K2 sind aber vermutlich der älteste belegte Fall von Gigantismus – egal, ob es sich hier nun tatsächlich um die Überreste des Königs Sanacht oder nur um einen Würdenträger der 3. Dynastie handelt.

Mehr zu Körpergrößen von Königen findet ihr in diesem Artikel:
Körpergröße als Indikator für Inzucht im alten Ägypten?.

Copyright: Griffith Institute, University of Oxford

Tutanchamuns Campingliege – Eine Mischung aus edlem Design und ausgefeilter Technik

Geht ein Pharao auf Reisen, will er es komfortabel haben. Auf den Boden schlafen kommt natürlich nicht in Frage. Aber ein sperriges und schweres Bett auf eine lange Reise mitnehmen auch nicht. Also erfanden die Ägypter ein Klappbett, das sowohl praktisch als auch komfortabel ist. So ein Klappbett fand 1922 Howard Carter in dem Grab von Tutanchamun und es ist in vielen Dingen einzigartig. Forscher haben dieses Bett nun zum ersten Mal näher untersucht.

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Eine Katze unter dem Stuhl ihres Frauchens. Archäologisches Museum in Florenz, Neues Reich, 18. Dynastie

Prägten die alten Ägypter das Wesen unserer Katzen?

Viele werden die Antwort auf die Frage wahrscheinlich erst einmal mit ja beantworten. Galt doch Ägypten viele Jahre lang als das Land, wo unsere Schmusetiger den ersten Kontakt mit Menschen hatten. Nirgendswo sonst sieht man eine so intensive Beziehung zwischen Mensch und Katze wie im Land am Nil, wo wir Katzen auf zahlreichen Grabwänden, Statuen und Amuletten sehen und sie sogar als Göttin Bastet verehrt wurde. Schon um das Jahr 1950 v. Chr.  finden wir die erste Abbildung einer Katze: Mit starrem Blick auf eine sich nähernde Ratte ist sie in dem Grab des Gouverneurs Bakhet III. in Beni Hassan verewigt.

Doch die Sicht der Dinge änderte sich im Jahr 2004 als Archäologen auf ein Grab auf Zypern stießen. Hier lag ein Mensch zusammen mit einer Katze, die beide um 9500 v. Chr. bestattet wurden. Der Schluss, den die Forscher daraufhin zogen: Katzen lebten schon mit Menschen zusammen noch bevor das pharaonische Ägypten begann. Eroberten die Katzen also gar nicht von Ägypten aus die Welt?

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Zehenprothese einer Mumie aus einem thebanischen Grab, frühes 1. Jahrtausend v. Chr., Ägypt. Museum Kairo. © Universität Basel, LHTT. Foto: Matjaž Kačičnik

Prothetik im alten Äypten: große Zehenkunde

Ein internationales Forschungsteam hat die 3000 Jahre alte Holzprothese eines großen Zehs, die man an einer altägyptischen Mumie gefunden hatte, mit neuesten wissenschaftlichen Methoden erneut untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um eine hervorragende Arbeit handelt, sowohl was die Ästhetik angeht, als auch die verarbeiteten Materialien und vor allem die Alltagstauglichkeit der Prothese. Sie zeugt vom großen Wissen und Können der altägyptischen Mediziner und Kunsthandwerker.

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Die Mumie von Ahmose (18. Dynastie) im Luxor-Museum

Erbgut der Ägypter hat sich in 1500 Jahren verändert

Eine neue Studie deutscher Forscher belegt, dass die Genome altägyptischer Mumien mehr mit Menschen im Nahen Osten und an der östlichen Mittelmeerküste zu tun haben, die heutigen Ägypter aber mehr mit den Menschen des südlichen Afrikas verwandt sind. Demnach hat sich der Genpool der Ägypter in den letzten 1500 Jahren stark verändert.

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