Ein Team von ägyptischen und chinesischen Archäologen haben in Karnak / Luxor eine überraschende Entdeckung gemacht. In der Nähe des Month-Tempels fanden die Archäologen einen bisher unbekannten heiligen See.
Der See erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 50 Quadratmetern und wurde in der Antike künstlich angelegt. Laut den Archäologen war er bisher in keinem archäologischen Archiv verzeichnet.
Zusammen mit dem bereits bekannten heiligen See des Month-Tempels bildet die Entdeckung eine einzigartige Anordnung von zwei heiligen Seen, die innerhalb der Mauern des Karnak-Tempelbezirks in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet sind, so Jia Xiaobing, der chinesische Leiter des Projekts.
Der neu entdeckte See befindet sich westlich des Maat-Tempels innerhalb der Umfriedung des Month-Tempels und war der Göttin Maat geweiht. Er wurde mit wiederverwendete Sandsteinenblöcken sowie Treppen aus Sandstein entlang der östlichen Mauer errichtet. Sein Zugang wurde aus Lehmziegeln. erbaut
Laut Hend Aly, ägyptisches Mitglied des Projekts und Inspektor am Month-Tempel, führen die Treppen entlang der östlichen Mauer hinunter zum Grund des Sees und wurden vermutlich von den Priestern der Antike zum Wasserholen genutzt.
Die oberen Ränder des Sees, besonders die Südseite, wurden mit roten Ziegeln, Lehmziegeln und Sandstein verstärkt. Besonders auffällig ist ein Sandsteinblock, der in die Treppe integriert wurde und vermutlich aus dem ursprünglichen Tor des Maat-Tempels aus der 25. Dynastie stammt. Dieses Tor wurde später in der 30. Dynastie durch eine neue Sandsteinkonstruktion ersetzt.
Laut Jia wurde der heilige See mehrfach instandgesetzt – von der 30. Dynastie bis in die Römerzeit. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels könne das Fundament der Struktur jedoch nicht durch Ausgrabungen freigelegt werden, so Jia weiter.
Die Entdeckung ist bisher einzigartig in der ägyptischen Archäologie. Es sei nicht nur der Umstand, dass ein zweiter heiliger See entdeckt wurde, so Jia, sondern es ist auch der bisher einzige, der durch wissenschaftliche Ausgrabungen freigelegt wurde.
Heilige Seen waren ein wesentlicher Bestandteil der altägyptischen Tempelarchitektur. Sie wurden ausschließlich für rituelle Zwecke, wie Waschungen, verwendet.
Weitere Funde
Die Archäologen, die seit acht Jahren in diesem Areal graben, entdeckten in dem Gebiet zudem Dutzende Überreste von Kuhkiefern und wiederverwendeten Steinblöcken aus der Spätzeit (747–332 v. Chr.).
Jenseits des heiligen Sees wurden im Bereich der Osiris-Kapelle drei weitere Kapellen entdeckt, die ebenfalls dem Gott Osiris gewidmet waren, so Jia. Hier wurden Dutzende von Osiris-Statuetten aus den verschiedensten Materialien gefunden. Auch Fragmente, die sich auf die „Gottesgemahlin des Amun“ beziehen, wurden hier entdeckt.
Die Gottesgemahlin des Amun bezeichnete einen bedeutenden Titel im Alten Ägypten, der vom Neuen Reich bis zur 26. Dynastie existierte und von Frauen aus dem königlichen Umfeld getragen wurde. Mit dem Titel war ein priesterliches Amt im Amun-Kult verbunden. In der Regel handelte es sich bei den Titelinhaberinnen um Königinnen oder um die ältesten Töchter des jeweils regierenden Pharaos.
Die Tempelanlage von Karnak besteht aus drei von Mauern umgebenen Bereichen, dem Bezirk des Amun, dem Bezirk des Month und dem Bezirk der Mut. Der Month-Tempel liegt direkt nördlich des großen Amun-Tempels von Karnak . Er umfasst etwa 150 × 156 Meter (Gesamtfläche 2,34 Hektar).

