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Taltempel des Niuserre in Abusir ausgegraben

In der Nekropole von Abusir, an der archäologischen Stätte Abu Ghurab, hat das dort grabende italienische Team eine Struktur aus dem Alten Reich entdeckt. Es handelt sich um den Taltempel des Sonenheiligtums von König Niuserre aus der 5. Dynastie, dessen Regierungszeit auf etwa 2455 bis 2420 v.Chr. datiert wird. Der Sonnentempel von Niuserre liegt ganz im Norden der Nekropole Abusirs.

Lageplan der Nekropole Abusirs mit dem Sonnenheiligtum des Niuserre oben links. Gemeinfrei, via Wikimedia

Die italienische Mission unter der Leitung von Massimiliano Nuzzolo von der Universität Turin und Rosanna Pirelli, Universität Neapel, hat in dieser Saison über die Hälfte des Taltempels freigelegt. Bisher hatte man angenommen, dass es sich bei diesem Taltempel mehr oder weniger um ein großes, von einer Mauer umgebenes Tor handelte, das am Anfang des Aufwegs zum Sonnentempel stand. Nun stellte sich aber heraus, dass die Grundfläche dieses Taltempels über 1000 qm groß war.

Foto: Tourismus- u. Antikenministerium Ägypten
Rekonstruktion des Sonnentempels des Niuserre in Abusir. Zeichnung von Ludwig Borchert. Gemeinfrei, via Wikimedia

Sonnenheiligtümer waren Tempel zu Ehren eines Gottes des Sonnenkultes, von denen es in der altägyptischen Götterwelt mehrere gab, z.B. Aton, Re, Chepre, Harmachis oder Atum, um nur einige zu nennen. Aus Inschriften weiß man, dass alleine in der 5. Dynastie sechs solcher Sonnenheiligtümer von verschiedenen Königen gebaut wurden. Nur zwei davon hat man aber bislang entdeckt, nämlich die des Userkaf und des Niuserre, beide in Abusir. Ähnlich wie bei Pyramiden, hatten auch Sonnenheiligtümer einen Taltempel, von dem aus ein Aufweg zur höher gelegenen Kultstätte führte.

Bei der Pressekonferenz zur Vorstellung dieses Fundes betonte Mohamed Ismail Khaled, Generalsekretär des Supreme Council of Antiquities, dass es der deutsche Ägyptologe Ludwig Borchert war, der um 1900 das Sonnenheiligtum des Niuserre ausgegraben hatte, dass danach aber ein zu hoher Grundwasserspiegel weitere Grabungsarbeiten über ein Jahrhundert lang verhindert hätten.

Kartusche des Niuserre. Foto: Tourismus- u. Antikenministerium Ägypten

Mit den diesjährigen Grabungsarbeiten konnte nun der Eingang freigelegt werden, der unter 1,20 m Nilschlamm versteckt war. Dahinter wurde teilweise noch der originale Boden entdeckt. Auf einer massiven, steinernen Türschwelle fanden die Archäologinnen einen in Hieroglyphen geschriebenen Kalender, der die religiösen Feste des Tempels benennt. Hier findet sich auch der Name des Erbauers, König Niuserre, in einer Namens-Kartusche.

Weiter fand das Team bei seinen Arbeiten die Basis einer Kalksteinsäule sowie Teile einer Granitsäule, die wohl einst Teil der Säulenvorhalle war. Daneben wurden auch Segmente der seitlichen Steinverkleidung gefunden, die den Gang zwischen dem Eingang und dem Aufweg zum Heiligtum zierte. Einige Elemente, wie Türrahmen mit dem oberen Türsturz aus Granit, konnten noch intakt und an ihrem originalen Platz ausgegraben werden.

Die Arbeiten ergaben auch Hinweise darauf, dass es eine abfallende Rampe gab, die den Taltempel wohl einst mit dem Nil oder einem seiner damaligen Arme verband. Ein weiterer interessanter Fund sind die Reste einer Steintreppe, die einmal auf das Dach führte. Sie lässt die Forschenden vermuten, dass es im nordwestlichen Teil des Tempels wohl noch einen zweiten Eingang gab.
Unter den sonstigen Artefakten, die bei den Grabungsarbeiten gefunden wurden, sind u.a. auch zwei hölzerne Spielsteine des altägyptischen Brettspiels Senet.

Foto: Tourismus- u. Antikenministerium Ägypten

Weiter fand man unzählige Keramikscherben aus dem gesamten Zeitraum des Alten Reiches bis hin zur 1. Zwischenzeit, aus der tatsächlich die meisten Fundstücke stammen. Erste Auswertungen ergaben, dass der Sonnentempel, nachdem er seine Bedeutung als Kultplatz verloren hatte, wohl während der 1. Zwischenzeit von der damaligen Bevölkerung auch als Siedlung genutzt und bewohnt wurde.

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