Vom Ladenhüter zum Edel-Exponat? – Statue des Senenmut identifiziert

Seit über 100 Jahren steht im Manchester Museum der stark beschädigte untere Teil einer Sitzstatue, die man bisher keiner Person zuordnen konnte. Campbell Price, Kurator des Museums, ist nun überzeugt, dass die Statue Senenmut darstellt, den höchsten Beamten unter der Pharaonin Hatschepsut.

Das Fragment wurde zwischen 1894 und 1907 bei Ausgrabungen am Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari gefunden. Es ist etwa 50 x 30 cm groß und stellt den unteren Teil einer sitzenden Figur dar. Trotz erheblicher Schäden lassen sich an den Seiten, dem Boden und über den Knien Teile von Inschriften erkennen.

Rätselhaft

Es ist nicht ganz klar, ob die Statue jemals komplett fertiggestellt wurde oder ob die Arbeiten daran noch nicht ganz beendet waren. So lassen sich immer noch Reste der roten Hilfslinien finden, an denen die Inschriften ausgerichtet wurden. Andererseits waren einzelne Hieroglyphen blau gefärbt, was man wohl nur nach der Fertigstellung der Zeichen machte.


Aufgrund der Hieroglyphen am Boden der Statue lautete die bisherige Identifizierung im Museumskatalog „Priester des Amun, Userhat“, vermutlich Mittleres Reich. Price hatte sich aber immer schon gefragt, womit ein einfacher Priester des Amun eine solche Statue verdient hatte. Normalerweise wurde diese Ehre nur den hochrangigsten Beamten zuteil.

Mit deutscher Hilfe

Erst als im letzten Herbst Prof. Rainer Hannig von der Marburger Universität zu Besuch in Manchester war, ergab sich eine neue Sichtweise. Hannig erwähnte, dass die Hieroglyphen auch anders gelesen werden könnten, nämlich als „Priester des Amun-Userhat“, was der Name der göttlichen Barke des Amun in Karnak war. Und es gibt nur einen einzigen Mann, von dem bekannt ist, dass er diesen Tiel trug: Senenmut. Angesichts der Tatsache, dass das Fragment ja tatsächlich am Totentempel der Hatschepsut gefunden wurde, stellte Price weitere Untersuchungen in diese Richtung an. Er verglich nun die anderen auf der Figur erwähnten Titel „Adliger“, „Gouverneur“ und „Aufseher der Month-Priester“. Und siehe da: All diese Titel sind tatsächlich für Senenmut überliefert.

Würfelhocker Senenmuts mit Neferure
Würfelhocker, Senenmut mit Neferure. Ägyptisches Museum Berlin. Foto: Andreas Praefcke

Als nächstes fiel auf, dass sich im Schoß des Sitzenden irgendetwas hervorzuheben scheint. Außerdem sind keine Hände auf den Schenkeln oder Knien zu sehen. Es könnte sich also um eine weitere Statue handeln, die Senenmut mit Hatschepsuts Tochter Neferure zeigt, eingehüllt in einen Umhang. Bislang sind sieben Darstellungen von Neferure und ihrem Erzieher Senenmut bekannt, darunter auch die sogenannten „Würfelhocker“, die in verschiedenen Ägyptischen Museen, z.B. auch in Berlin, zu sehen sind. Die Statuen strahlen so viel Liebe und Intimität aus, dass viele vermuten, Senenmut sei nicht nur Neferures Erzieher sondern auch ihr Vater gewesen.

Weiblicher Auftraggeber?

Drittes und wohl stärkstes Indiz dafür, dass es sich um eine Statue Senenmuts handelt, ist, dass laut der Inschriften die Statue nicht von einem König sondern von einer Gottesgemahlin in Auftrag gegeben wurde. Diese Variante der Ehrenformel findet sich bisher nur auf einer einzigen anderen Statue, die 1903 von dem fanzösischen Ägyptologen George Legrain im „Cachette“ von Karnak gefunden wurde. Und auch sie stellt Senenmut dar.

Insgesamt waren bisher 25 Statuen von Senenmut bekannt. Die Hoffnung des höchsten Beamten zur Zeit Hatschepsuts, durch die Vielzahl seiner an verschiedensten Orten aufgestellten Statuen dem Vergessen ein Schnippchen schlagen zu können, hat sich also bewahrheitet. Campbell Price ist sich sicher, dass das stark beschädigte Fragment, das seit über 100 Jahren unerkannt im Manchester Museum lag, Teil einer 26. Statue Senenmuts ist.

Die beiden Fotos oben stellen andere Sitzstatuen von Senenmut dar. Mehrere Bilder des im Bericht erwähnten Fragments und die Aussagen von Campbell Price findet ihr jedoch im Blog des Manchester Museums.

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