4600 Jahre alte Pyramide in der „Provinz“ freigelegt

Einen ungewöhnlichen Fund (siehe Nachtrag unten) haben Archäologen in der Nähe der antiken Siedlung von Edfu gemacht. Sie fanden eine Stufenpyramide, die über 4600 Jahre alt ist und damit sogar um einige Jahrzehnte älter als die Großen Pyramiden von Gizeh.

Die Pyramide war einst 13 Meter hoch und ist eine von sieben so genannten „Provinz-“ Pyramiden, die entweder von Pharao Huni (ca. 2635-2610 v. Chr.) oder Snofru (ca. 2610-2590 v. Chr.) erbaut wurden. Im Laufe der Zeit wurden die Steinblöcke der Pyramide abgetragen und die Witterung hat der Pyramide ebenfalls Schaden hinzugefügt, so dass sie heute nur noch 5m hoch ist.

„Provinz-„Pyramiden

Die „Provinz-„Pyramiden, die im Mittleren und südlichen Ägypten zu finden sind, geben der Wissenschaft noch einige Rätsel auf. Sie befinden sich in der Nähe von großen Ansiedlungen, haben keine inneren Kammern und waren nicht für Bestattungen vorgesehen. Sechs der sieben Pyramiden haben fast identische Dimensionen, so auch die neu entdeckte Pyramide von Edfu, die genau 18,4 x 18,6 Meter misst.
Vielleicht hatten sie nur eine symbolische Bedeutung und sollten die königliche Macht auch noch im Süden des Landes demonstrieren.


Greogory Marourard vom Chicago Oriental Institut, das an der Edfu-Pyramide arbeitet, ist sich sicher, dass die Ähnlichkeit mit den anderen Provinzpyramiden kein Zufall sein kann. An der östlichen Seite der Pyramide fand sein Team die Überreste einer Anlage, in der anscheinend Essen geopfert wurde – was sich als wichtiger Hinweis herausstellen könnte, warum die alten Ägypter solche Pyramiden erbaut haben.

Inschriften und Kinderfriedhof

An der Außenfassade der Pyramide fanden die Archäologen Hieroglyphen in Form von Graffiti. In der Nähe der Inschriften wurden im Sand die Überreste von Babys und Kindern ausgegraben, die am Fuße der Pyramide bestattet worden sind. Die Forscher vermuten aber, dass der Friedhof erst viel später angelegt wurde und die Pyramide ursprünglich nicht für Bestattungen vorgesehen war.
Die Inschriften zeigen eine Buchrolle, einen sitzenden Mann, ein vierbeiniges Tier, ein Schilfblatt und einen Vogel. Die Hieroglyphen sind sehr grob und stammen sicher von dem Kinderfriedhof. Eine Inschrift lautet wahrscheinlich „Leiterin des Hauses“ und könnte zur Mutter eines dort begrabenen Kindes gehören.

Einwohner glaubten an Grab eines Scheichs

Obwohl die Forscher schon länger von der Existenz dieser Pyamide wussten, startete das Team des Chicago Oriental Instituts erst in 2010 mit den Ausgrabungen, so Marouard auf einem Vortrag in Toronto. Die Pyramide war unter einem Berg von Sand, modernem Müll und Überresten, die der Abtragung der Blöcke im Laufe der Jahrhunderte geschuldet sind, verschwunden.

Die Pyramide sah daher gar nicht pyramidenförmig aus und wurde von den Anwohnern sogar als das Grab eines Scheichs, eines lokalen muslimischen Heiligen, angesehen. Erst als die Forscher das Monument reinigten, erkannten sie es als Pyramide.

Bau wurde mit großer Sorgfalt und Können durchgeführt

Sie bestand ursprünglich aus drei Stufen und wurde mit Sandstein-Blöcken und Lehmmörtel gebaut. Der Kern bestand aus senkrecht gestellten Blöcken mit zwei Lagen Blöcken drum herum. So entstand der Eindruck, dass es sich um drei Stufen handelt.

Vom Baustil her ist sie ähnlich der Stufenpyramide des Djoser in Sakkara. Die Bautechnik, die angewendet wurde, ähnelt der der Pyramide in Meidum, die ebenfalls entweder von Huni oder Snofru erbaut wurde. Sie war ursprünglich auch erst eine Stufenpyramide, bevor sie als richtige Pyramide weitergebaut wurde.

Der Bau wurde mit großer Sorgfalt und Können durchgeführt, besonders was die Anordnung der wichtigsten Blöcke betrifft, so Marouard. Die Pyramide wurde auf felsigem Untergrund und mit in der Gegend vorkommenden Baumaterialien errichtet. Der Sandsteinbruch wurde im Jahr 2011 nur 800m nördlich der Pyramide entdeckt.

Gefahr für die Pyramide

Auch hier besteht leider große Gefahr für die Pyramide wegen eines modernen Friedhofs und dem Wachstum der naheliegenden Stadt. Dank des gespendeten Geldes vom „American Research Center“ in Ägypten und dem „National Endowment for the Humanities“ konnte zumindest ein Zaun gebaut werden.

Warum wurde die Pyramide so früh aufgegeben?

Schon zu Zeiten der Regierung Pharao Cheops‘ (ca. 2590-2563 v. Chr.) scheinen die Pyramide und die dortigen Opferungen aufgegeben worden zu sein. Das wäre schon 50 Jahre nach ihrer Erbauung. Vielleicht glaubte man, die 7 kleinen Pyramiden im Süden nicht mehr zu brauchen, nachdem der Bau von Cheops‘ großer Pyramide in der Nähe der Hauptstadt Memphis begonnen worden war. Oder Cheops sah den Süden als politisch gesichert an und sah daher keine Notwendigkeit mehr für Darstellungen der königlichen Macht, mutmaßt Marouard. Vielleicht konzentrierte Cheops aber auch einfach nur alle verfügbaren Ressourcen für sein Mammutprojekt, wie auch Papyri zu dokumentieren scheinen, die erst kürzlich in Wadi al-Jarf, einem antiken Hafen am Roten Meer, gefunden wurden.

Alles noch einmal auf Englisch, dafür aber mit einigen Fotos, findet ihr bei LiveScience

Ergänzung vom 6.2.14: Da die Aussage des LiveSience-Artikels missverständlich ist, stellt das Oriental Institute der Chicago University in einer E-Mail an uns klar, dass die Pyramide kein neuer Fund sondern schon seit den 70er Jahren bekannt ist. Die Mitarbeiter des Edfu-Projekts aus Chicago waren allerdings die Ersten, die 2011 die Stätte reinigten und dabei die Original-Erscheinung der Pyramide wieder sichtbar machten. Seit dieser Zeit führt die Mission Restaurationsarbeiten auf der gesamten Anlage durch.

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