DIe Pyramiden von Dahshur, fotografiert 2008 aus der Internationalen Raumstation. © NASA
DIe Pyramiden von Dahshur, fotografiert 2008 aus der Internationalen Raumstation. © NASA

Satelliten zeigen drastischen Anstieg illegaler Grabungen

Wie auf Satellitenbildern aus dem All klar zu sehen ist, haben Plünderer in den letzten Jahren die mangelhafte Sicherheitslage in Ägypten massiv ausgenutzt und tausende von Löchern in den Sand gegraben, um illegal nach Antiquitäten zu suchen. Sarah Parcak, die von der Presse als „Space-Archäologin“ gefeiert wurde und die inzwischen angehende Professorin für Anthropologie an der Universität von Alabama (USA) ist, hat nun eine Studie vorgelegt, in der sie erschreckende Zahlen nennt.

Indy from Space gegen Plünderungen

Parcak, die sich in Anlehnung an Indiana Jones auf Twitter „@indyfromspace“ nennt, begann ursprünglich damit, auf Satellitenbildern unbekannte antike Strukturen zu suchen und hatte damit auch einigen Erfolg. Seit einigen Jahren schaut sie aber auch zunehmend verzweifelt auf die stetig wachsende Anzahl von illegalen Grabungslöchern in der Nähe von archäologischen Stätten, die auf den Satellitenbildern eben auch zu sehen sind.


Für insgesamt 1100 archäologische Stätten in ganz Ägypten haben Parcak und ihre Mitstreiter jetzt die Satellitenbilder von 2002 bis 2013 ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass es bereits vor dem sogenannten arabischen Frühling und der Revolution 2011 in Ägypten zu einem Anstieg der Plünderungen gekommen war. Dieser erste signifikante Anstieg fand nach 2008 statt, als die globale Rezession auch für die Tourismusbranche und somit auch für die ägyptische Bevölkerung drastische wirtschaftliche Einbußen mit sich brachte.

Jährlich 38000 neue Grabungslöcher

Im Jahr 2008 zählte das Team auf den Satellitenbildern „nur“ 3.247 illegale Grabungslöcher, in den beiden Jahren 2009/10 kamen ca. 34.500 dazu und seit 2011 sind es sogar jährlich etwa 38.000 neue Löcher. Als Beispiel wird die Stätte der Pyramide des Amenemhet III. in Dahshur genannt. 2009 gab es dort noch gar keine Zeichen von illegalen Grabungen und im Mai 2011 waren es auch erst etwa ein Dutzend Löcher. Im September 2012 aber war die Gegend bereits großflächig mit Löchern übersät. Parcak und ihre Mitarbeiter haben sich diese Stätte vor etwa einem Jahr auch persönlich angesehen und vor Ort festgestellt, dass manche Grabungslöcher über 10m tief sind.

Daneben zeigen die Bilder auch die fortschreitende Besiedelung, die dafür verantwortlich ist, dass Häuser, Friedhöfe und landwirtschaftliche Flächen immer dichter an die archäologischen Stätten heranrücken. Das erleichtert es den Plünderern, dicht genug an die Tempel und Gräber heranzukommen und erschwert es den Sicherheitskräften, sofern es überhaupt welche gibt, die Stätten zu schützen.

Anstieg der Antikenauktionen

Was passiert nun mit den Stücken, die von den Plünderern dort gefunden werden? Dieser Frage ging David Gill von der Universität im britischen Suffolk nach. Er stellte fest, dass der Gesamtwert aller ägyptischen Antiquitäten, die beim Auktionshaus Sotheby’s versteigert wurden, im Jahr 2002 noch $3 Mio. betragen hatte, während es 2010 dagegen $13 Mio. waren. Der Zusammenhang zur Zunahme der illegalen Grabungen ist für Parcak und Gill offensichtlich. Gill verlangt daher rigorosere Kontrollen aller Auktionsgüter.

1 Mio. Dollar Preisgeld

Vor wenigen Tagen gewann Sarah Parcak den TED-Preis 2016. Die nicht-kommerzielle Organistion TED hat es sich zur Aufgabe gemacht, außergewöhnliche Ideen zu unterstützen, die die Welt verbessern können. Der Preis ist mit $1 Mio. dotiert und soll die Preisträger inspirieren „to think big“.

Sarah Parcak weiß genau, wofür sie das Preisgeld verwenden wird: Sie will eine allgemein zugängliche Plattform aufbauen, mit deren Hilfe sich Jedermann an der Auswertung von Satellitenbildern beteiligen kann. Eine globale Armee von interessierten Hobby-Archäologen, die gemeinsam auf die Suche nach unentdeckten archäologischen Stätten gehen – das ist ihr Traum. Den Namen für diese Plattform hat sie auch schon gefunden: Global Xplorer.

Ein PDF zu ihrer Studie findet ihr hier

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5 Kommentar(e)

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  • mckracken

    Naja im Umkreis dieser Pyramiden dürfte die Trefferquote wohl eher gering sein. (die Pyramiden selbst wurden alle längst in der Antike gründlich geplündert)

    Viel schlimmer wiegt da schon zutagegefördertes das einfach aus den schlechtbewachten Magazinen gestohlen wird. (Sakkara) Hoffentlich hacken die nicht bald Grab Reliefs raus wie schon in Mittel-Ägypten passiert. (Minya und Umgebung ist Fundamentalisten Hochburg)

  • mckracken

    Wobei mir gerade einfällt das das Grab der Prinzessin Merert
    (Amenhemat III) relativ intakt in der jüngeren Geschichte gefunden wurde. (Nebenpyramide?)

    Ein sehr schönes Pektoral ist in Kairo zu sehen.

  • Jolly Thews

    Die Trefferquote muss immerhin so groß sein, dass es sich lohnt, dort zu suchen. Das zeigen die Satellitenbilder in der Studie auf Seite 192 doch recht eindrucksvoll.

  • mckracken

    ich denke gegraben wird weil die Leute dort Pyramiden sehen und sich wer weiss was dabeidenken. Ob man da auch was findet abgesehen von Tonscherben, sei dahingestellt.

  • Hans Jendler

    Unfassbar im nächsten Sommer muss ich mich wohl auf in die Wüste machen und nach Schätzen graben, oder ?:) Ne mal Spaß bei Seite die Satellitenbilder sind echt eindrucksvoll.
    Liebe Grüße,
    Hans

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