Eröffnung des Freilichtmuseums in Tanis. Foto: Antikenministerium Ägypten

Freilichtmuseum im antiken Tanis eröffnet

Mit großer Freude und einem kleinen Volksfest wurden Antikenminister Khaled El-Enany und Mostafa Waziri, Generalsekretär der Altertümerverwaltung, im nordägyptischen San al-Hagar empfangen, wo sie der Öffentlichkeit das Freilichtmuseum vorstellten, das dort während eines seit 2017 laufenden Entwicklungsprojektes für diese archäologische Stätte entstanden ist. An dieser Stelle hatte die altägyptische Stadt Tanis gestanden, die während der 21. Dynastie Hauptstadt Ägyptens war.

Foto: Antikenministerium Ägypten

Zusammen mit der Eröffnung des neuen Tel Basta Museums in Zagazig im Frühjahr 2018 sei dies nun die zweite Schwerpunktmaßnahme zur Stärkung der Region des im nördlichen Delta liegenden Sharqia Bezirks, sagte El-Enany in seiner Rede. Und Generalsekretär Waziri ergänzte, dass diese Stätte leider in der jüngeren Vergangenheit von Archäologen eher stiefmütterlich behandelt worden war und dass man deshalb in 2017 ein Entwicklungsprojekt hier gestartet habe, um alle herumliegenden Teile von Säulen und Statuen zu bergen, zu restaurieren und möglichst wieder zusammenzusetzen. Bei dieser Sicht ist allerdings auch viel Selbstlob dabei, denn es hatte im 19. und 20. Jh. durchaus einige archäologische, hauptsächlich französische, Missionen gegeben, die hier so viele Artefakte und Gräber gefunden hatten, dass Tanis auch als „Luxor des Nordens“ bezeichnet wird.

Openair-Museum in Tanis. Foto: Antikenministerium Ägypten

Allerdings hat das Ministerium mit seinen Bemühungen nun erstmals große Artefakte, die seit der Entdeckung dieser Stätte im 19. Jh. in mehreren Teilen verstreut auf und im Boden gelegen hatten, gerettet und in diesem Freilichtmuseum neu zusammengesetzt. Unter den wichtigsten Teilen, die so entstanden sind, sind zwei große Kolossalstatuen von Ramses II, zwei Obelisken und zwei große Säulen.

Nicht alle gefundenen Artefakte sind allerdings im neuen Openair-Museum verblieben. So wurden erst kürzlich in einer nächtlichen Aktion große Granitteile, die zu drei großen Obelisken gehören sollen, von San al-Hagar nach Kairo ins neue Grand Egyptian Museum (GEM) gebracht, meldete die Egypt Today. Dem neuen Freilichtmuseum reichen anscheinend zwei Obelisken…

Teile von Obelisken werden von San al-Hagar ins GEM gebracht. Foto: Antikenministerium Ägypten

Im Zuge der neuen Arbeiten fanden ägyptische Archäologen auch Tongefäße, Terrakottafiguren, Bronzewerkzeuge, Steinfragmente mit Hieroglyphen, eine kleine Widderfigur und eine Stele. Letztere stammt aus der 19. Dynastie, ist aus rosa Granit gefertigt und stellt Ramses II dar, wie er einem Gott Opfergaben reicht. Ob auch diese Dinge ins GEM gebracht wurden, sagt die Egypt Today nicht und auch in der Pressemitteilung des Antikenministeriums über die Eröffnung des Freilichtmuseums sind diese Artefakte nicht erwähnt.

Das antike Tanis war während der 19. Dynastie vermutlich aus den Trümmern der vorigen Hauptstadt Pi-Ramesse, die etwa 30 km entfernt vermutet wird, erbaut worden. Tanis war zunächst Hauptstadt des 14. atägyptischen Gaus, bevor es in der 21. Dynastie dann zur Hauptstadt von ganz Ägypten wurde.

Neben mehreren Tempeln für Amun, Mut, Chons und Horus gibt es in Tanis auch einen königlichen Friedhof mit einer Reihe von Gräbern, z.B. für die Pharaonen Psusennes I, Amenemonpe, Osorkon II and Scheschonq III. Und der Goldschatz von Tanis, der jetzt im Ägyptischen Museum Kairo zu bewundern ist, wurde ebenfalls hier gefunden.

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