Temperaturunterschiede verantwortlich für den Verfall der Pyramiden?

Der walisische Bauingenieur Peter James, der mit seiner Firma Cintec im Jahr 2011 Djosers einsturzgefährdete Stufenpyramide stabilisierte, hat seine ganz eigene Theorie, warum die Pyramiden Ägyptens einem so starken Verfall unterliegen. Ein Verfall, der schon in der Antike einsetzte und der so schwerwiegend war, dass kein Reparaturversuch dauerhaften Erfolg brachte, was letztlich dazu führte, dass die Bauwerke aufgegeben und sich selbst überlassen wurden.

Im Zuge der Restaurierungsarbeiten 2011 fand man in einigen Gewölben der Stufenpyramide nachträglich eingezogene Holzbalken, welche die alten Ägypter etwa 500 v.Chr. eingebracht hatten. Zu diesem Zeitpunkt war die vom großen Imhotep für seinen Pharao Djoser erbaute Stufenpyramide bereits mehr als 2000 Jahre alt. Schon damals müssen bestimmte Teile also einsturzgefährdet gewesen sein. Die Annahme, dass erst das Erdbeben von 1992 zu diesem gefährdeten Zustand geführt habe, stimmt also nicht, denn schon die alten Ägypter kämpften gegen den Verfall.

Bisher nahm man z.B. auch an, dass die heute weitgehend fehlende Verkleidung aus Kalkstein, welche der Knickpyramide in Dahschur und den goßen Pyramiden von Gizeh ursprünglich eine vollständig glatte und weiße Oberfläche verlieh, im Laufe der Jahre gestohlen und woanders als Baumaterial wiederverwendet wurde. Peter James glaubt das nicht. Warum fehlen der Knickpyramide dann nicht nur unten, sondern vor allem auch an der Spitze die Kalksteinplatten? Und warum gibt es dann keine Spuren vom Herablassen der oberen Platten? Und wo sind die glatten Schnitte, die man gemacht haben müsste, um gezielt größere Stücke herauszubrechen?


Laut der International Business Times hat Hochbauingenieur Peter James eine andere Erklärung für den Verfall von Ägyptens Pyramiden: thermische Bewegung! Die großen Temperatunterschiede von teilweise mehr als 40 Grad, die jeden Tag auf die Bauwerke einwirken, führen durch Ausdehnung und Zusammenziehen zu kleinsten Bewegungen, welche auf Dauer die strukturelle Integrität so stark beeinträchtigen, dass es unweigerlich zu Schäden kommen musste.

James sagt selbst, dass diese Theorie zunächst nur seine eigene Meinung widerspiegele und er sie noch nicht mit Fakten untermauern könne. Gleichzeitig liefert er aber eine zu seiner Theorie passende Erklärung dafür, warum bspw. an der älteren Knickpyramide noch fast die Hälfte der Außenverkleidung erhalten ist, während den etwas jüngeren Pyramiden in Gizeh die Kalksteinhülle fast gänzlich fehlt. Die überraschende Erklärung: weil die Knickpyramide älter ist und schlechter gebaut! Diese auf den ersten Blick widersprüchliche Erklärung begründet er so: Im Laufe der Zeit wurden die Techniken beim Pyramidenbau immer ausgefeilter. Es gelang immer besser, die Blöcke so glatt herzustellen, dass die zwischen ihnen verbleibenden Fugen immer kleiner wurden. Zusätzlich lernte man, die Übergänge der Platten für die Außenhaut immer besser zu verspachteln, so dass kaum noch Ritzen verblieben.

Heute weiß man, dass Bauwerke, die thermischen Bewegungen unterliegen, Dehnungsfugen benötigen, welche das Ausdehnen und Zusammenziehen der Materialien durch Wärme und Kälte abfangen. Je genauer und präziser nun die Pyramidenhandwerker im Laufe der Zeit arbeiteten, desto weniger Ritzen und Fugen verblieben, welche die thermischen Bewegungen aufnehmen konnten. Oder anders gesagt: Die älteren und etwas etwas unpräziser gebauten Pyramiden hatten einfach mehr Dehnungsfugen!

Über die eingangs erwähnte Rettung der nach einem Erdbeben einsturzgefährdeten Stufenpyramide von Sakkara gibt es eine Reportage aus der Zeit der Zusammenarbeit des National Geographic Channel mit der ägyptischen Antikenbehörde, damals noch vertreten durch Zahi Hawass. Wer den Film noch nicht gesehen hat, kann ihn sich im Cintec-Kanal auf Youtube noch einmal ansehen. Das englische Video ist 48 Minuten lang und hat leider keine deutschen Untertitel, dafür aber einige spektakuläre Bilder und Animationen.

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