Scan: Interspectral

Überraschung: Große Kroko-Mumie enthält viele kleine

Diese 3m lange Krokodilmumie war schon immer eine der schönsten und interessantesten Tiermumien des niederländischen Reichsmuseums für Altertümer in Leiden. Nun wird sie durch einen Überraschungsfund sogar zum Star der Kollektion und zum Besuchermagneten, denn sie enthält gar kein großes Krokodil, sondern zwei kleine – und nach neuesten Erkenntnissen dazu auch noch ca. 50 Baby-Krokodile.

Die Absicht: ein modernes Besuchererlebnis

Eigentlich ging es bei den 2015 durchgeführten neuen Scans um etwas ganz Anderes: Man wollte den Museumsbesuchern ermöglichen, die Krokomumie virtuell zu entpacken. Bereits 1996 hatte ein CT-Scan zutage gefördert, dass es sich nicht um ein großes sondern um zwei kleinere, noch jugendliche Krokodile handelte, die die Mumifizierer so geschickt hintereinandergelegt hatten, dass von außen der Eindruck eines riesigen Krokodils erweckt worden war. Diese ungewöhnliche Krokodilmumie Schicht für Schicht entpacken zu können und dabei auf zwei Krokodilskelette zu stoßen, sollte für die Besucher ein ungewöhnliches Erlebnis sein.


Langsam enthüllt sich die Krokodilmumie im hochauflösenden Scan. Scan: Interspectral

Langsam enthüllt sich die Krokodilmumie im hochauflösenden Scan. Scan: Interspectral

Nanu? Da zoom ich doch mal ran!

Dafür musste die Mumie mit einem ganz neuen 3D-Scanverfahren untersucht werden. Die schwedische Firma Interspectral, spezialisiert auf Visualisierungsverfahren, erstellte aus den neuen Scandaten dann die 3D-Bilder, die man für die einzelnen Entpackungsschritte brauchte. Einer der Techniker sah ein ungewöhnliches Detail, wollte es näher betrachten und zoomte sich dafür immer dichter heran – bis er plötzlich erkannte, dass es sich um ein winziges Krokodilskelett handelte!

Und es blieb nicht bei diesem einen Babyskelett. Mehrere Dutzend Skelette von Babykrokodilen tauchten bei entsprechend hoher Auflösung auf. Sie wurden anscheinend zusammen mit den beiden größeren, jugendlichen Krokodilkörpern mumifiziert und allen zusammen wurde dann unter Verwendung weiterer Materialien zum Ausstopfen, wie Holz, Pflanzen und Leinen, die Form eines Riesenkrokodils gegeben.

Viele kleine Babykrokodile (in blau). Scan: Interspectral)

Viele kleine Babykrokodile (in blau). Scan: Interspectral

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

Bisher vermutete man, dass man vielleicht zu der Zeit, als man diese große Krokomumie – vermutlich zu Ehren des Gottes Sobek – anfertigen musste, einfach kein großes Krokodil „zur Hand“ hatte und deshalb einfach zwei kleinere Körper hinereinander gelegt hatte. Nachdem man nun die ca. 50 zusätzlich mitmumifizierten Krokodilbabies entdeckt hat, könnte es allerdings auch sein, dass man absichtlich Krokodile aus verschiedenen Entwicklungsstadien einbalsamierte, um den Kreislauf des Lebens oder den Vorgang der Verjüngung für das jenseitige Leben darzustellen.

Viele kleine Babykrokodile im Detail. Scan: Interspectral

Viele kleine Babykrokodile im Detail. Scan: Interspectral

Museumsbesuch in Leiden lohnt sich

Besucher des Reichsmuseums für Altertümer in Leiden können nun jedenfalls seit dem 18. November 2016 eine interaktive, virtuelle Autopsie an der Mumie des Riesenkrokodils und der Mumie eines ägyptischen Priesters durchführen (und bis zum 17. April 2017 übrigens noch die Sonderauststellung „Queens of the Nile“ besichtigen). An einem großen Touchscreen können sie Schicht für Schicht hinter die Binden der Mumien gucken, die mit eingewickelten Amulette bestaunen und die köperlichen Merkmale der Mumien studieren. Alle Objekte können gedreht und in 3D aus allen Richtungen betrachtet werden.
Dass die Entwicklung dieses neuartigen Besuchertools zu einer neuen wissenschaftlichen Entdeckung führen würde, damit hatte allerdings keiner der Kuratoren oder Techniker vorher gerechnet.

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