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Neuer Fund in Sakkara: Totentempel, Mumien und hunderte Grabbeigaben

Vor wenigen Stunden gab das Ministerium endlich die Pressemeldung heraus, auf die wir bereits ungeduldig gewartet haben, seit vor einigen Tagen eine neue, umfangreiche Entdeckung in Sakkara angekündigt worden war. In der Nähe der Pyramide von Teti II., dem Begründer der 6. und letzten Dynastie des Alten Reiches, fand eine ägyptische Mission unter Leitung von Dr. Zahi Hawass den Totentempel einer Ehefrau Tetis, über 50 Grabschächte mit Särgen und Mumien aus dem Neuen Reich, einen hochwertig ausgestatteten Lehmziegelschrein, der mind. 24m tief in den Wüstenboden reicht, einen 4m langen Papyrus mit einem Auszug aus dem Totenbuch, eine wunderschöne, große Kalkstein-Stele und sehr viele Grabbeigaben unterschiedlichster Art. Der Fund beweist, dass in der 18. und 19. Dynastie des Neuen Reiches der damals bereits seit über 1000 Jahren tote Pharao Teti so sehr verehrt wurde, dass sich die Schönen und Reichen dieser Zeit gerne in der Nähe seiner Pyramide bestatten lassen wollten.

Totentempel der Königin Nearit

Einen Teil dieses Totentempels hatte die Mission schon in früheren Jahren gefunden, aber in dieser Grabungssaison konnte der Grundriss durch weitere Funde vervollständigt werden. So wurden auf der Südostseite des Tempels drei Lagerräume aus Lehmziegeln entdeckt, die einmal zur Aufbewahrung von Tempelzubehör wie Opfergaben und Werkzeugen dienten.
Der Name der Königin, für die dieser Totentempel erbaut wurde, wird mit „Nearit“ angegeben. Allerdings war eine Ehefrau Tetis mit diesem Namen bisher unbekannt. Leider geht aus der Pressemeldung des Antikenministeriums nichts Näheres darüber hervor, so dass im Moment für uns unklar ist, ob es sich um einen Übersetzungsfehler handelt, oder ob dies die Existenz einer bisher unbekannten Königin beweist.

Mumienmaske aus Sakkara, Neues Reich. Foto: Antikenministerium Ägypten

Gräber aus dem Neuen Reich

Nachdem in den letzten Monaten ja bereits zweimal große Pressekonferenzen schier unglaubliche Mengen an Särgen mit Mumien aus der Spätzeit in Sakkara vorgestellt hatten, sind es nun schon wieder 52 Grabschächte, etwa 10-12 m tief, in denen Särge, Mumien und Grabbeigaben gefunden wurden. Diesmal sind sie allerdings aus der 18. und 19. Dynastie, also aus der Blütezeit des Neuen Reiches, die so bekannte Pharaonen hervorbrachte, wie Hatschepsut, Thutmosis III., Ramses II. und nicht zuletzt auch Echnaton und Tutanchamun.
Die Sarkophage sind anthropoid (also in Körperform gestaltet) und mit Abbildungen von den Göttern verziert, die zu jener Zeit verehrt wurden. Ebenfalls finden sich Auszüge aus dem Totenbuch auf den Särgen, die den Toten auf ihrer Reise ins Jenseits helfen sollten.
Der Fund beweist, dass Sakkara nicht erst in der Spätzeit als Nekropole genutzt wurde, sondern schon mehr als 1000 Jahre vorher.

Luxuriöser Totenschrein

Ganz außergewöhnlich ist die Entdeckung einer Kapelle bzw. eines Totenschreins aus Lehmziegeln, der vermutlich auch in die Zeit des Neuen Reichs gehört. Da der oberirdische, offene Hof mit besonders hochwertigen, polierten und glänzenden Kalksteinfliesen ausgelegt war, muss er wohl zu einer hohen Persönlichkeit gehören, vermutet Missionsleiter Hawass. Dafür spricht auch, dass der unterirdische Schacht schon jetzt 24m tief unter die Oberfläche reicht, ohne dass die am Ende vermutete Grabkammer bislag erreicht wurde. Hawass glaubt, dass diese Bestattung wohl nicht von Grabräubern gefunden wurde und man daher bald ein ungeplündertes und vollständig erhaltenes Grab dort finden werde.

Kalksteinstele des Kha-Ptah

Eine wunderschöne und hervorragend erhaltene Stele aus einem der 52 oben erwähnten Grabschächte zeigt im oberen Register den Verstorbenen, einen Mann namens Kha-Ptah – seines Zeichens Aufseher der königlichen Streitwagen – der mit seiner Frau Mutemwija vor dem Totengott Osiris steht.

Kalksteinstele des Kha-Ptah. Foto: Antikenministerium Ägypten

Im unteren Register sitzt das Ehepaar vor seinen Kindern; eine Tochter mit einer Lotosblüte vor der Nase sitzt auch unter ihrem Stuhl. Interessanterweise hatte dieser hohe Beamte eine seiner Töchter nach der Ehefrau des großen Ramses II. benannt, also Nefertari. Und seinen Sohn nannte er Chaemwaset, nach dem vierten Sohn des großen Pharaos, den er wohl sehr verehrt haben muss.

Grabbeigaben und sonstige Funde

In so vielen Gräbern finden sich natürlich eine Menge an Grabbeigaben. So wurden Statuen gefunden der Götter Sokar, Ptah und Osiris, Mumienmasken aus Holz, kleine Götterschreine z.B. für Anubis, den Gott der Mumifizierung, die bronzene Streitaxt eines Heerführers und viele Tafeln, auf denen die Verstorbenen dargestellt sind. Auch eine Anzahl von Brettspielen, wie das bekannte Senet, wurden gefunden, mit denen sich die Toten im ewigen Leben wohl die Zeit vertreiben wollten. Die Ewigkeit kann schließlich lang werden…

Senetspielbrett aus dem Neuen Reich. Foto: Antikenministerium Ägypten

Ein besonderer Fund ist auch ein Papyrus, der 1m breit und ganze 4m lang ist und das 17. Kapitel des Totenbuches enthält. Der Verstorbene, für den diese Grabbeigabe gedacht war, hieß Pw-Kha-Ef. Sein Name findet sich auch auf seinem Holzsarg sowie auf einigen Ushebtis.

Anubis-Box mit Fayence-Ushebtis. Foto: Antikenministerium Ägypten

Einige der Mumien wurden von Dr. Sahar Selim bereits medizinisch untersucht. Wie die Spezialistin für Computermedizin feststellte, litt eine der Mumien an Brucellose, einer bakteriellen Infektion, die durch Tiere übertragen wird. Weitere Untersuchungen an den Mumien sollen folgen, um noch mehr über die Lebensumstände, Krankheiten und vielleicht auch die Todesursachen der Verstorbenen in Erfahrung zu bringen.

In seiner unnachahmlichen Art betonte Zahi Hawass, dass diese Funde sehr bedeutend seien und dabei helfen werden, die Geschichte des Neuen Reiches in Sakkara neu zu schreiben. Wir vermuten, dass auf dem neu geschriebenen Geschichtsbuch dann auch sein Name stehen soll. 😉

2 Gedanken zu „Neuer Fund in Sakkara: Totentempel, Mumien und hunderte Grabbeigaben“

  1. …was er dann, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, nicht selber geschrieben han, sonder hat schreiben lassen…

  2. Es ist immer wieder unglaublich was noch immer gefunden wird. Es ist immer wieder spannend jeden Sonntag etwas Neues zu entdecken. Freue mich schon auf die nächste ??? Und immer wieder Sakkara.

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