Abydos
Abydos (im Hintergrund der Tempel Ramses II.)

Pyramide schmückte vor 3300 Jahren ein neu entdecktes Grab in Abydos

In der Nekropole von Abydos fanden Archäologen das Grab eines Schreibers namens Haremhab. Das besondere an dem Grab: eine 7m hohe Pyramide schmückte einst den Grabeingang.
Ein Sarkophag, Knochenreste, Uschebtis und ein Herzskarabäus gehören ebenfalls zu den Funden des Archäologenteams aus Pennsylvania.

Eigentlich waren Pyramiden auf Grabstätten zu der Zeit gar nichts besonderes, wie Kevin Cahail von der Pennsylvania Universität berichtet. Vor 3300 Jahren eiferten die Eliten Ägyptens durchaus noch ihren großen Vorfahren nach, die einst die Pyramiden von Gizeh erbaut haben. Die sorgfältige Ausarbeitung der Grabstätte und die Fundstücke, machen das Grab Haremhabs zu etwas Besonderem.


Haremhabs Grab lag ursprünglich unter der Erdoberfläche. Nur die Pyramide und vielleicht noch eine kleine Mauer, muss die Stätte überragt haben, so Cahail. Aus Grabräubersicht war die auffällige Pyramide natürlich ein gefundenes Fressen. Schon in der Antike haben sich zwei Mal Grabräuber an der letzte Ruhestätte zu schaffen gemacht. Auch die Pyramide selbst ist bis auf die Grundmauern abgetragen worden. Zumindest liegt die Vermutung nahe, da weitere Steinblöcke der Pyramide nicht mehr auffindbar sind.

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Ein roter Sarkophag

Ein schön ausgearbeiteter und mit roter Farbe verzierter Sarkophag aus Sandstein liegt in der Grabkammer. Bemalt ist er mit ägyptischen Göttern und Sprüchen aus dem Totenbuch, die dem Verstorbenen einen sicheren Zugang in das Jenseits garantierten. Die Mumie des Grabinhabers lag nicht in ihrem Sarkophag, doch die Forscher fanden Teile von Skeletten von drei oder vier Männern, zehn bis zwölf Frauen und zwei Kindern.

Gehörte Haremhabs Familie zum Militär?

In der Pyramide könnte sich eine Grabkapelle befunden haben, in der die Statue oder eine Grabstele des Besitzers stand und auf deren Wänden seine Titel verzeichnet waren, vermutet Cahail. In einer weiteren Grabkammer ohne Sarkophag lagen mehrere Uschebtis, welche die Arbeiten des Verstorbenen im Jenseits erledigen sollten. „Aufseher der Stallungen, Ramesu (oder Ramses)“ steht auf einem Uschebti geschrieben. Der Titel könnte militärische Bezüge haben und Ramesu war vielleicht der Bruder oder der Vater von Haremhab. Eine Verbindung zum Militär könnte auch die sorgfältig ausgearbeitete Grabkonstruktion erklären, die sich nur angesehende Personen leisten konnten. Auch der Name könnte Programm gewesen sein, denn Ramesu (Ramses) und Haremhab hießen zwei große Militärführer, die sogar zum Pharao gekrönt wurden.

Mehr Frauen als Männer

Durch die Knochenfunde konnten die Forscher feststellen, dass mehr Frauen als Männer in dem Grab bestattet wurden. Vielleicht hatten Haremhab und Ramesu mehrere Ehefrauen, was aber eigentlich nur bei den Pharaonen üblich war. Oder das Grab war die letzte Ruhestätte von mehreren Generationen derselben Familie, in der es einfach nur mehr Frauen als Männer gab. Oder es wurde einfach viele Jahre später von fremden Menschen wiederverwendet.

Herzamulett

Ein besonders interessanter Fund ist ein Herzamulett aus roten und grünen Jaspis. Obwohl es in drei Teile zerbochen ist, schwärmt Cahail von diesem seltenen und sehr fein ausgearbeiteten Amulett, das so vielleicht sogar eines der schönsten seiner Art ist. Das Herzamulett sollte dem Verstorbenen vor dem Totengericht des Osiris helfen

Das Grab entdeckten die Archäologen schon in der Ausgrabungssaison 2013. Die LiveScience berichtet (und zeigt auch einige Bilder) anlässlich einer jährlichen Zusammenkunft des „American Research Center in Egypt“ Anfang April in Portland von der Entdeckung.

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