Bild: Antikenministerium Ägypten

Tanis: Archäologen entdecken Tempel-Quader aus der Zeit Ramses II.

In Tanis (heutiges Ṣān al-Ḥaǧar) haben Archäologen einen Quader aus der Zeit Ramses II. entdeckt. Der Block aus rotem Granit zeigt den Pharao opfernd vor einem Gott.

Mostafa Waziri, Generalsekretär der Altertümerverwaltung meinte, dass schon viele ausländische Missionen in Tanis gegraben hätten. Dennoch wären nicht alle Teile der Hauptstadt der 21. Dynastie archäologisch erforscht worden. Der Fund soll nun das Antikenministerium dazu ermutigt haben, ein umfassendes Entwicklungsprojekt an dieser Stelle zu beginnnen. Die Monumente sollen restauriert und die Stätte zu einem Open Air Museum umgewandelt werden.

Der Ägyptologe und Autor Joachim Willeitner schickte uns noch folgende Beobachtungen zu dem Fund:

„Natürlich ist der Fund keine „Stele“ (Anm.: die Ahram Online schreibt von einer Stele in ihrem Artikel) , sondern ein Quader, der aufgrund seiner Motive (Opferszenen) aus einem Tempel stammt. Für die Deutung als Architekturteil und nicht als Stele spricht schon, dass er auf zwei Seiten reliefiert ist und die schmalere der beiden Reliefseiten auch noch um die Darstellung des opfernden Ramses zu ergänzen ist, der hier einst vor Atum (Tracht und Götterbart) stand. Das Gesamtmotiv ist somit für eine „Stele“ viel zu dick.

Auf dem oberen Bild (rechter Bildrand) ist auch deutlich zu erkennen, dass diese schmälere Fläche nicht senkrecht zum Boden, sondern abgeschrägt verläuft. Dieses Relief stammt also von einer pylonartig geneigten Wand der Frontseite eines Tempels, und zwar von einer Rückwand (bspw. vor dem Ausgang in den Tempelhof ?). Einen Pylon im klassischen Sinn möchte ich aufgrund des offensichtlichen Materials Rosengranit ausschließen. Bei einem Obelisken müsste auch die andere Bildfläche geböscht sein (trotz des schrägen Blickwinkels zeigt das obere Bild eine Begrenzungslinie hinter dem Atum, die parallel zur Schnittkante der anderen Fläche verläuft, anders als die Linie am rechten Rand der größeren Relieffläche).

Auf jeden Fall gehört der Quader zu einem Portal an der Hauptachse des Tempels, da sonst (bspw. Zugang in einen seitlichen Nebenraum) seine Frontseite nicht geböscht wäre. Der Quader war seiner Reliefanordnung zufolge unmittelbar rechts vom Ausgang in die davor liegende Tempelhalle (Propylon ?) oder den vorgelagerten Hof verbaut, denn auf ägyptischen Tempelreliefs tritt der opfernde König immer in den Tempel ein, während die das Opfer empfangenen Götter in Richtung Ausgang blicken. Anders formuliert: der Quader war also, wenn man im Tempel in Richtung Allerheiligstes ging, auf der linken Seite eines Portals verbaut, und dort am hinteren Ende der Passage. Dazu passt auch das schmälere Relief, einst seitlich des Durchgangs: Atum geht vom Portal weg und der zu ergänzende Ramses bewegt sich zum Portal hin.

Da alle Steinquader in Tanis während der 3. ZwZt. von woanders her dorthin verschleppt worden sind, dürfte sich der Tempel, aus dem der Quader ursprünlich stammte, einst entweder in Pi-Ramesse (wahrscheinlich aus Piramesse zur selben Zeit verschleppte Architekturteile Ramses‘ II. sind ja auch in Bubastis gefunden worden) oder (wegen der bevorzugten Darstellung des Atum, die aber auch Überlieferungszufall sein kann) in Heliopolis befunden haben.“

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