Vorbereitung des Mumienscans durch eine Siemens-Partnerin. Foto: Norbert von der Groeben / Stanford University School of Medicine

Ägyptische Mumie mit Sand im Kopf

Ein in der vergangenen Woche an der kaliforischen Stanford Universität durchgeführter CT-Scan einer Mumie brachte ein unerwartetes Ergebnis: Nicht nur, dass das Gehirn im Schädel belassen wurde, es findet sich dort auch eine weitere, dunkle Masse, die vermutlich Sand oder Sediment ist. Dass dies eine Verunreinigung ist, die während der Mumifizierung versehentlich geschah, glauben die Forscher nicht. Dass es aber absichtlich gemacht wurde und es sich hier um ein bisher noch unbekanntes Mumifizierungsverfahren handelt, dafür steht der Beweis auch noch aus.

Wer war die Mumie?

Die Mumie stammt aus der „Legion of Honor“-Kollektion des Fine Arts Museums in San Francisco. Durch die radiologische Untersuchung erhoffte man sich mehr Aufschlüsse über diese Mumie, von der man bisher nur vermutete, dass es sich um eine Frau handelte, die vielleicht vor etwa 3.200 Jahren in Mittelägypten lebte, vermutlich in der Stadt Asyut auf dem Westufer des Nils.


Der Sarkophag mit der Mumie war im späten 19. Jh. von Ägypten in die neue Welt gebracht worden. Auf dem Sarkophag ist die Tote in gewöhnlicher Alltagskleidung abgebildet. Demnach entstammte sie nicht der Oberschicht. Da im 19. Jh. allerdings der Verkauf von Mumien ein großes Geschäft war und dabei nicht immer sorgsam mit den antiken Stücken umgegangen wurde, kann nicht mit Gewissheit gesagt werden, ob Mumie und Sarkophag wirklich zusammengehören.

Johnathan Elias vom Akhmim Mummy Studies Consortium, Renée Dreyfus, Museumskuratorin und Kerstin Müller, Radiologie-Lehrkraft in Stanford, vor den Scanbildern. Foto: Norbert von der Groeben / Stanford University School of Medicine

Johnathan Elias vom Akhmim Mummy Studies Consortium, Renée Dreyfus, Museumskuratorin und Kerstin Müller, Radiologie-Lehrkraft in Stanford, vor den Scanbildern. Foto: Norbert von der Groeben / Stanford University School of Medicine

Keine wertvollen Schmuckstücke eingewickelt

Der erste Blick auf die Bilder zeigt auch, dass es keinerlei Amulette in den Binden der Mumie gibt. Lediglich eine Metallklammer wurde entdeckt, die vermutlich ein Museumskurator zur Fixierung der Leinenbinden verwendet hat. Auch dies spricht dafür, dass es sich bei der Toten nicht um eine reiche Frau handelte. Wenn es denn überhaupt eine Frau war. Die Beckenregion ist derart eingefallen, dass eine sichere Geschlechtsbestimmung noch nicht möglich war. Jonathan Elias, Direktor des Akhmim Mummy Studies Consortiums, glaubt aufgrund der Schädelform aber dennoch, dass es sich um eine junge Frau handelt.

Neue Mumifizierungstechnik?

Beim Auftauchen der ersten Bilder zeigte sich Jonathan Elias erstaunt. Man habe es in dieser Form noch nie bei einer Mumie gesehen, dass fremdes Material zusätzlich zum im Schädel verbliebenen Gehirn eingebracht worden war, erklärte er den Anwesenden. Vielleicht hatte ein Mumifizierer mit einer neuen Technik experimentiert.

Dass das Gehirn nicht entfernt wurde spricht jedenfalls dafür, dass die Mumie in die Zeit des Neuen Reiches, ca. 16.-11. Jahrhundert v.Chr., gehört. In späteren Zeiten wurde das Gehirn immer entfernt, meint Elias.

Weitere Bilder, Videos und weiterführende Links findet ihr im Artikel der LiveScience, den diese ganz unwissenschaftlich mit dem frei übersetzten Titel „Mysteriöse ägyptische Mumie hat Matsch in der Birne“ versehen hat. 🙂

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4 Kommentar(e)

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  • Ulrich Langner

    Ich stelle mir gerade vor, den ersten Mumifizierern ist das Gehirn immer ausgelaufen. „Später“ wußten sie sich dann richtig zu behelfen.

  • Jolly Thews

    Anscheinend hatte der Mumfizierer hier gar nicht versucht, das Gehirn herauszuholen. Zumindest schienen beim ersten Blick auf die Bilder das Gehirn und auch die Nasenknochen noch heil. Eine Theorie, wie der Sand dann in den Schädel gekommen ist, scheint aber keiner der Forscher bislang geäußert zu haben. Vielleicht gibt es ja nach der genauen Auswertung der Bilder noch einmal eine Pressemeldung. Wir passen auf…

  • Anne Hesmer

    Gibt es da inzwischen neue Ergebnisse?

  • Jolly Thews

    Ich habe eben noch mal die Seiten der Stanford University gecheckt und konnte dort keine neuen Untersuchungsergebnisse zu dem Fall finden. Auch in der Live Science hatte es keine neuen Meldungen dazu gegeben.

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