Darstellung einer ägyptischen Kobra im Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari

Kleopatra: Tod durch Schlangenbiss unwahrscheinlich

Wenn es um den Tod der berühmten Königin Kleopatra geht, hört man oft die Sage vom Freitod durch den Biss einer Kobra. Britische Gelehrte widersprechen dieser Version der Geschichte in einem Artikel der Onlineausgabe der Daily Mail.

Die Geschichte vom Schlangenbiss geht auf Berichte verschiedener Geschichtsschreiber zurück, deren bekanntester Vertreter wohl Plutarch (46-120 n.Chr.) ist. Er schrieb, dass in einem Korb mit Feigen eine Giftschlange in das Gemach der Königin geschmuggelt wurde, von welcher diese dann gebissen wurde. Andere Quellen besagen, die Schlange sei in einem Krug gewesen und Kleopatra habe das Tier so lange gereizt, bis die Schlange zubiss. In jedem Fall starb Kleopatra am 12. August 30 v.Chr. in ihrem Palast in Alexandria zusammen mit ihren beiden Leibdienerinnen Iras und Charmion.


Andrew Gray, Kurator für Kriechtierkunde am Museum in Manchester, mag diese Version der Geschichte nicht glauben. Kobras mit einer möglichen Länge von über zwei Metern seien einfach für zu groß, um problemlos in einem Korb versteckt werden zu können. Einen Unfall oder einen Mordanschlag schließt er ebenso aus, weil es unwahrscheinlich sei, dass eine Schlange direkt hintereinander drei Menschen beißen könne. Außerdem seien die meisten Schlangenbisse weitgehend giftlose, „trockene“ Bisse. Die Chance, nach dem Biss einer Kobra zu sterben, liege nur etwa bei 10 Prozent. Und schließlich töte das Gift auch nur sehr langsam und qualvoll. Wer Selbstmord begehen wolle, hätte sicher ein effektiveres Gift eingesetzt.

Die Ägyptologin Dr. Joyce Tyldesley, ebenfalls vom Manchester Museum, kennt viele Gerüchte, wie Kleopatra ums Leben gekommen sein soll. Sie berichtet in der Mail Online, dass ein bekannter polizeilicher Fallanalytiker, ein sogenannter Profiler, namens Pat Brown zu dem Schluss gekommen sei, dass Selbstmord nicht zum Charakter Kleopatras passe. Eher sei es wahrscheinlich, dass sie durch den damaligen römischen Herrscher Oktavian ermordet wurde. Da Oktavian selbst in der Stadt war, hatte er sicher alle Möglichkeiten, die anschließenden Meldungen über Kleopatras Tod in die von ihm gewünschte Richtung zu beeinflussen.

Tyldesley selbst glaubt dennoch eher an die Selbstmordthese. Kleopatra könnte ein Messer oder einen Dolch benutzt haben. Manche Geschichten erzählen auch von einer in Gift getränkten Haarspange, mit der sie sich gestochen haben soll.

Vor einigen Jahren hatte der deutsche Historiker Christoph Schäfer, der 2006 bereits die führende moderne Biografie von Kleopatra vorgelegt hatte, eine weitere Todesart ins Spiel gebracht: einen pflanzlichen Gifttrunk. Dieser könnte nach seiner Ansicht Schierling, Eisenhut und Opium enthalten haben.

Solange Kleopatras Mumie nicht gefunden ist, und es somit keine wissenschaftlichen Untersuchungen gibt, werden die Theorien und Gerüchte weiter ins Kraut schießen. Schließlich fördern Schlagzeilen mit dem Namen Kleopatra immer Auflage und Quote…

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