Hölzerne Miniaturen von Bauwerkzeugen mit Hieroglyphen und der Kartusche Hatschepsuts auf dem rechten Stück. Foto: Anthropology Museum, Universität Winnipeg

Miniaturwerkzeuge Hatschepsuts schlummerten 100 Jahre lang in Kanada

In einer Sammlung ägyptischer Artefakte, die seit etwa 100 Jahren im kanadischen Winnipeg beheimatet ist, entdeckte man kürzlich die Kartusche der Königin Hatschepsut auf hölzernen Miniaturwerkzeugen. Ein Absolvent der Winnipeg-Universität fand nun heraus, dass diese höchstwahrscheinlich eine Beigabe zu einer Art Grundsteinlegung des berühmten Terrassentempels der Königin in Deir el-Bahari waren.

Insgesamt 450 Objekte umfasst die A.E. Hetherington Collection der Universität Winnipeg, die Anfang des 20.Jh., vermutlich durch die Egypt Exploration Society, von London aus in die kanadische Stadt verkauft wurde. Aber erst im Jahr 2011, als die Society for the Study of Egyptian Antiquities (SSEA) eine Studie über die ägyptischen Sammlungen verschiedener Institutionen durchführte und dafür auch die Kollektion in Winnipeg fotografierte, wurde auf den beiden hölzernen Werkzeugminiaturen die Kartusche mit den drei Zeichen für Maat-Ka-Re, dem Thronnamen der Königin Hatschepsut, entdeckt.


Luther Sousa mit den beiden Objekten aus der Hetherington Collection. Foto: Naniece Ibrahim, Universität Winnipeg

Luther Sousa mit den beiden Objekten aus der Hetherington Collection. Foto: Naniece Ibrahim, Universität Winnipeg

Diese Spur griff daraufhin Luther Sousa auf, der erst kürzlich an der Universität Winnipeg seinen Abschluss gemacht hatte. Er übersetzte auch die anderen Hieroglyphen auf den Artefakten und verglich sie mit ähnlichen Stücken aus dem Garstang Museum für Archäologie an der Universität in Liverpool. Da in den Inschriften neben der Kartusche Hatschepsuts auch der Name des Ortes erwähnt wird, an dem ihr Totentempel steht, ist sich Sousa sicher, dass die beiden Miniaturwerkzeuge für eine Art Gründungsfeier zu Beginn der Bauarbeiten am Tempel hergestellt wurden.

Ähnlich wie bei unseren modernen Grundsteinlegungen grub man damals eine Grube und legte kulturelle oder religiöse Gaben, oder Dinge mit einem Bezug zum geplanten Bau, hinein. Diese beiden hölzernen Miniaturen sind 15 bzw. 30 cm lang und stellen Werkzeuge dar, die beim Bau verwendet wurden. Es handelt sich um eine Hacke und eine Bauwippe, die auf der Baustelle zum Transport schwerer Gegenstände benutzt wurde.

Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari

Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari

Dadurch, dass Hatschepsut ihren Namen auf diese Bauwerkzeuge schreiben ließ, verkündete sie den Göttern, den Lebenden und den Toten, dass sie – Maat-Ka-Re – diesen Totentempel erbauen ließ. Das sollte man bis in alle Ewigkeit wissen. Und irgendwie ist dieser Plan ja auch tatsächlich aufgegangen, denn aufgrund Luther Sousas Entdeckung verkünden diese kleinen Holzwerkzeuge heute aller Welt, wer vor 3500 Jahren den prachtvollen Bau im Tal neben dem Tal der Könige erstellte.

Luther Sousa, der Ägyptologie auch an der Amerikanischen Universität in Kairo studiert hat, erklärte, dass der Egypt Exploration Fund u.a. auch die Grabungen des Schweizers Henri Édouard Naville finanzierte, der in den 1890er Jahren den Totentempel der Hatschepsut freigelegt und umfassend dokumentiert hatte. Warum der Egypt Exploration Fund dann so viele Artefakte nach Kanada verkauft habe, wisse heute keiner mehr. In all den Jahren habe in Winnipeg aber niemand das Fachwissen gehabt, alle Gegenstände der Sammlung umfassend zu erforschen, so dass nun er das Glück gehabt habe, diese Entdeckung zu machen.

Val McKinley, Kurator der Hetherington Collection, freut sich über diese bemerkenswerte Entdeckung und hofft, sie möge andere Studenten inspirieren. Die Forschung an den Artefakten soll nun interdisziplinär fortgesetzt werden, so dass auch Studierende anderer Fachrichtungen sich mit den Stücken der Sammlung befassen können. Bis zum Ende der wissenschaftlichen Untersuchungen werden die Stücke daher vermutlich nicht öffentlich ausgestellt werden.

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