Bild: Raffaella Bianucci, Universität von Turin

Mumifizierung im alten Ägypten begann 1500 Jahre früher als bisher angenommen

Bisher waren die Forscher davon überzeugt, dass sehr alte, im Wüstensand entdeckte Mumien, durch Trockenheit und Hitze natürlich mumifiziert wurden. Doch eine neue Studie zeigt erstaunliche Erkenntnisse: Die alten Ägypter kannten schon vor 6000 Jahren die Kunst der Mumifizierung- 1500 Jahre früher als bisher gedacht.

Die Forscher untersuchten eine 6000 Jahre alten Mumie, die heute im Museum Turin ausgestellt ist. Sie stellten fest, dass die Einbalsamierer mehrere Zutaten für die Erhaltung des Körpers verwendeten, die auch schon 2500 Jahre später benutzt wurden als die Einbalsamierungskunst im alten Ägypten ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Die Mumie wurde schon vor über einen Jahrhundert entdeckt. Der genaue Standort ist unbekannt, man vermutet aber sie wurde im südlichen Teil der antiken Stadt Gebelein gefunden. Es handelt sich bei der Mumie um einen 20-30 Jahre alten Mann, der um das Jahr 3700 – 3500 v. Chr. in Fötusstellung im Wüstensand bestattet wurde. Im Jahr 1901 wurde sie von Ägyptischen Museum in Turin erworben.

Eine „unbehandelte“ Mumie

Weder der damalige Händler, noch das Museum selbst haben die fragile Mumie für weitere Konservierungen behandelt, weshalb sich diese perfekt für die Forschung geeignet hat. In früheren Untersuchungen konnten Jana Jones von der Macquarie University in Sydney nur auf Mumienbinden zugreifen, die ungefähr genauso alt wie dieder  Turiner Mumie waren. Auch hier fanden sie schon Hinweise auf Einbalsamierungsprozesse, den entgültigen Beweis brachte erst die Mumie.

Ähnliches Einbalsamierungsrezept wie viele Jahrhunderte später

Die Forscher entnahmen Leinenfragmente von dem Torso und dem rechten Handgelenk der Mumie sowie von einem geflochteten Korb, der zusammen mit der Mumie begraben wurde, Chemische Analysen und mikroskopische Unterschungen ergaben, dass der Stoff von Pflanzenölen und tierischen Fetten durchdrungen war. Die Ägypter verwendeten Zucker oder Gummi, Koniferenharz und aromatische Pflanzenextrakte. Antibakterielle Stoffe sorgten dafür, dass der Körper nicht zerfiel. Die Zutaten wurden in ähnlichen Zusammensetzungen in den Balsamierungsflüssigkeiten in späteren Epochen gefunden.

Schon vor 6000 Jahren ausgeprägter Glauben an ein Leben nach dem Tod

Die Mumie ist älter als die ältesten Belege einer Schrift im alten Ägypten (ungefähr 3400 v. Chr.). Der Einbalsamierungsprozess wurde also wahrscheinlich mündlich von Generation zu Generation überliefert, so Jones in der LiveScience. Die neuen Forschungen belegen nicht nur das frühe Stadium des Einbalsamierungsprozesses, sondern auch dass die Mumifizierung schon an mehreren Orten in Ägypten praktiziert worden sein muss. Der Fundort der Leinenbinden, die 2014 untersucht wurden, lag über 200km von dem Ort entfernt, an dem wahrscheinlich die Turiner Mumie entdeckt wurde.

Auch zeugen die Ergebnisse von einem tiefen religiösen Empfinden der Ägypter schon in der prädynastischen Zeit. Schon vor 6000 Jahren gab es einen ausgeprägten Glauben an ein Leben nach dem Tod, daher wollten sie ihre Körper so gut es geht erhalten, so Jones. Und das entsprechende Wissen dazu besaßen schon damals.

Die Forschungsergebnisse wurden im Journal of Archaeological Science veröffentlicht.

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