Der Autor Graham Warren mit seiner Ehefrau und Übersetzerin Renate Warren auf den Spuren von Kathryn Black im Assasif

Interview zur Romanreihe „Die ägyptischen Abenteuer von Kathryn Black“

Graham und Renate Warren – Autor und Übersetzerin der Romanreihe „Die ägyptischen Abenteuer von Kathryn Black“ sowie begeisterte Ägypten-Reisende haben uns ein paar Fragen beantwortet.

Hallo Renate, hallo Graham. Stellt euch doch bitte einmal für unsere Leser vor. Wer seid ihr und was macht ihr, wenn ihr nicht gerade ein Buch schreibt?


Graham: Ich heiße Graham, ich bin fast sechzig Jahre jung, Engländer, und Bewohner des noch Vereinigten Königreichs mit Intentionen, mit Renate nach Deutschland umzuziehen. Das Schreiben beansprucht den größten Teil meiner Zeit, aber Renate und ich reisen auch viel. Außerdem liebe ich die Fotografie und mache Videos von unseren Reisen.
Renate: In England und Ägypten nennt man mich einfachheitshalber Renée, in deutscher Umgebung bin ich Renate. Ich bin Deutsche, ungefähr 58, und lebe seit vier Jahren mit Graham in England, in der schönen Grafschaft Norfolk. Die Übersetzung seiner Bücher, und noch mehr das ständige Nachkorrigieren, nehmen viel Zeit in Anspruch. Ich habe auch begonnen, Bücher englischsprachiger, arabischer Autoren zu übersetzen. Daneben bemühe ich mich, mein Arabisch (Ägyptisch) zu verbessern, lese unendlich viel, kümmere mich leidenschaftlich um unseren Naturgarten und bin im Tierschutz aktiv.

Graham, wie wird man Kinderbuchautor? Rutscht man da so rein oder war das schon immer dein Berufswunsch?

Ich betrachte mich eher als einen Autor von Büchern für junge und jung gebliebene Erwachsene. Schon als Kind und Jugendlicher habe ich viel geschrieben, etwa die Theaterstücke in der Schule. Da ich früh arbeiten gehen musste, war an eine „Karriere“ als Schriftsteller nicht zu denken. Die Bücher, die ich schreibe, sind solche, wie ich sie gerne selber lesen würde: ohne ordinäre Sprache, ohne drastische Schilderungen von Brutalität, ohne aggressive Handlung. Wenn so etwas in meinen Büchern vorkommt, wird es immer durch Humor, ich nehme an, das ist britisch, abgemildert. Es endet immer gut, zumindest für die meisten … Ich liebe das Schreiben, aber vor Kathryn Black hatte ich nicht das Selbstvertrauen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Warum spielen eure Bücher ausgerechnet in Ägypten? Habt ihr einen besonderen Bezug zu dem Land?

Graham: Ich habe mit Kathryn Black vor ca. 7 Jahren in Ägypten angefangen. Damals lebte ich dort, in Luxor, insgesamt neun Jahre. Ägypten ist mir zur zweiten Heimat geworden, und da mich die Geschichte, die Kunst und die Landschaft dieses Landes so faszinieren, war es naheliegend, meine Bücher dort spielen zu lassen. Ägypten spricht zu mir – jedes Mal, wenn ich dort bin. Tempel und Gräber berichten für mich nicht nur von realer Geschichte, sondern sie inspirieren mich zu meinen Geschichten.
Renate: Mein erster intensiver Kontakt mit Ägypten war 2008, als ich dort einen kleinen Film über Straßenhunde gedreht habe, für ein Tierschutzprojekt. Danach war ich fast jedes Jahr ein oder zwei Mal dort. Von 2012 bis 2013 habe ich mit Graham in Luxor gelebt. Seither reisen wir immer wieder nach Luxor, wo wir Freunde haben, eine Tierschutzorganisation und eine Hilfsorganisation für Witwen und Kinder in den Dörfern unterstützen. Ägypten ist auch für mich die zweite Heimat, oder vielleicht muss ich sagen die dritte, zusätzlich zu England und Deutschland. In Zukunft hoffen Graham und ich, die Wintermonate ganz in Luxor verbringen zu können.

Die Abenteuer von Kathryn Black spielen meist an Originalschauplätzen in Luxor. Wie gehst du an solche Geschichten ran? Reist du vor Ort und denkst dir, da könnte das nächste Abenteuer stattfinden oder planst du vorher schon deine Geschichten?

Ägypten schenkt mir quasi meine Geschichten, indem ich die Gräber und Tempel anschaue und bewundere, aber auch gebannt den Alltag, das Straßenleben, das Verhalten der Menschen, das ganz alltägliche Chaos beobachte. Deshalb kommen so viele Originalschauplätze vor. Oft habe ich selber etwas genau an diesen Orten erlebt. Ich schreibe, und während des Schreibens entwickelt sich die Geschichte wie von selbst, ich muss dazu nicht vor Ort sein. Nach jedem Besuch in Luxor bringe ich allerdings neue Gedanken mit nach Hause. Oft sind es nur Kleinigkeiten, wie etwa die veränderte Ausstattung der Bar im Winter Palace. Das taucht dann in einem der nächsten Bücher auf. Ich habe den Verlauf meiner Handlungen grob im Kopf, meist sogar das Ende eines Buches, aber während des Schreibens lasse ich mich treiben und bin oft verblüfft, wohin die Reise geht.

Deine Bücher sind sehr fantasievoll geschrieben. Wie kommst du immer auf deine Ideen. Gab es reale Vorbilder für Kathryn oder andere Personen aus dem Buch?

Graham: Ja, ich schreibe reine Fantasy, aber oft mit realem historischem Hintergrund. Schon als Kind habe ich mir Geschichten ausgedacht, die ich damals leider nicht aufschreiben konnte. Meine Fantasiefiguren waren meine Freunde. Die Ideen kamen und kommen noch heute wie von selbst, ich habe mehr davon, als ich in meinen Büchern verarbeiten kann. Keine Ahnung, wo die Quelle für Fantasie sitzt … Meine Charaktere sind frei erfunden, aber alle tragen Anteile von echten Personen in sich. Viel ist auch von mir selbst, und Renate, in ihnen enthalten. Die authentischste Person ist vielleicht Kairo, der ein lebendes Vorbild in Luxor hatte. Leider ist diese Person inzwischen verstorben, er war ein guter Freund von mir. Auch Aggie, die grässliche Großmutter von Kate, hat ein sehr reales Vorbild, was man fast nicht glauben kann …
Für mich sind meine Charaktere sehr, sehr real, aber nur in meinem Kopf.
Renate: Ich staune immer wieder, woher Graham seine Ideen nimmt. Auch in unserem gemeinsamen Alltagsleben kommen ständig Geschichten aus seinem Kopf. Er ist unglaublich kreativ, und das nicht nur beim Schreiben.

Mal eine Frage für alle Autoren oder diejenigen, die es gerne werden wollen: Wenn man jetzt nicht gerade J.K. Rowling heißt, kann man von dem Verkauf der Bücher leben?

Stimmt, ich habe keinen berühmten Namen, was mir auch nicht wichtig ist. Ich schreibe, weil es meine Leidenschaft ist. Es ist kein Broterwerb, dazu ist der Büchermarkt zu gesättigt. Ich freue mich über jedes verkaufte Buch, sei es in Deutschland, sei es in England, sei es anderswo in der Welt. Davon leben? Nie und nimmer! Es ist ein kleines Taschengeld, das durch den Bücherverkauf hereinkommt, aber gerade in letzter Zeit gehen die Verkaufszahlen in England wunderbar nach oben! Für angehende Autoren: Man verdient Pfennigbeträge pro Buch, da sollte man sich keine Illusionen machen.

Was sind/waren die größten Hürden die Bücher zu schreiben bzw. zu veröffentlichen?

Graham: Die größte Hürde war anfangs das Selbstvertrauen, mit dem eigenen Buch an die Öffentlichkeit zu gehen. Die nächste Hürde war, den Anfängerstil und die Anfängerfehler zu überwinden. Das ist ein jahrelanger Prozess. Und die größte Hürde derzeit ist, einen Verleger zu finden, der in dem Meer von Manuskriptangeboten ausgerechnet meines gut genug findet. Bis es so weit ist, publiziere ich als „self-publisher“.
Renate: Mir geht es ähnlich. Die Übersetzung von Grahams erstem Band war fürchterlich, ich war Anfängerin. Inzwischen ist Übersetzen meine Leidenschaft geworden, und ich bin dankbar, dass mir dieses neue Betätigungsfeld im Leben in den Schoß gefallen ist. Das Problem, den Wald vor lauter Bäumen, sprich, vor lauter Übersetzen die eigenen Schreibfehler nicht zu sehen, besteht immer noch. Dabei war ich selber mal Lektorin …
Ich hoffe ebenfalls, irgendwann einen deutschen Verleger zu finden, der Interesse an der deutschen Übersetzung hat.

Bisher gibt es vier Bücher mit Kathryn Black und ihren Freunden, das fünfte ist bereits geplant. Auf wie viele Abenteuer können sich große und kleine Fans der Reihe noch freuen?

Graham: In dem Maße, wie meine Charaktere heranwachsen und reifer werden, wird auch mein Schreiben weiterbestehen. Ich habe, wie gesagt, unendlich viele Geschichten im Kopf. Sie müssen aber spannend bleiben, es darf sich nichts wiederholen. Leser lieben Abwechslung, aber auch den Wiedererkennungseffekt der handelnden Personen. Da Kathryn und ihre Freunde im ersten Band dreizehn Jahre alt waren, im entstehenden fünften Band sechzehn sind, besteht noch viel Raum für ihre persönliche Entwicklung und für meine schriftstellerischen Ambitionen. Es wird weitere Bücher geben!
Renate: Wenn ich Graham so zuhöre, wie er seine Charaktere im Kopf lebendig werden lässt, weiß ich, dass noch viele Kathryn-Black-Abenteuer folgen werden. Ich übersetze sie – alle!

Vielen Dank für das Interview!

Alle die gerne mehr über Kathryn Black und ihre Abenteuer lesen wollen, hier die offizielle Website: http://www.kathrynblack.de

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