Auf dem Gelände der Zeche Zollern

Ein Besuch der Ausstellung „Unterwelten“ in Dortmund

Das Ruhrgebiet ist nun nicht gerade eine Hochburg der Ägyptologie. Daher freue ich mich immer darüber, wenn eine Ausstellung in der Nähe meines Heimatortes irgendwie mit dem Land am Nil zu tun hat. So wie die Unterwelten Ausstellung, die zur Zeit auf der Zeche Zollern in Dortmund zu besichtigen ist.

Die Unterwelten-Ausstellung wird sehr stimmungsvoll präsentiert

Die Unterwelten-Ausstellung wird sehr stimmungsvoll präsentiert

„Über Unterwelten. Zeichen und Zauber des anderen Raums“ heißt die Sonderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (LWL) mit vollen Namen und sie handelt über die Vorstellung des „Oben“ und „Unten“ und den Glauben an eine Welt, die in anderen Sphären existiert als die unsere. Dementsprechend düster sind die Räume der hohen Industriehalle. Die Fenster sind zugehangen und an der Decke baumeln Banderolen mit schemenhaften weißen Gestalten. Schon am Anfang der Ausstellung, wenn man vom grellen Tageslicht eintritt in die dunklen Räume der Ausstellung, begrüßen drei Monitore den Besucher, in der Unterweltsszenen aus über 100 Filmen gezeigt werden (ich habe aber nur Nosferatu, Beetlejuice, Terminator und Alien erkannt 😉 ) und man kann hier schon erahnen, was einen erwartet.
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Was erwartet die Menschen nach dem Tod?

Ein großer Teil der Ausstellung behandelt die Frage aller Fragen, die Menschen schon seit jeher beschäftigt und aus der ganze Religionen entstanden sind: Was erwartet die Menschen nach dem Tod? So führt die Ausstellung im ersten Teil durch das Reich der Ägypter, Griechenland, das Christentum, den Islam, das Judentum und schließlich durch den Buddhismus und Hinduismus. Jede Religion und ihre Vorstellung von „der anderen Welt“ wird kurz anhand von Originalstücken oder Replikaten erklärt. Aus Ägypten liegt in einem Schaukasten unter einem großen Bild aus Sethos I. Grab, eine gut erhaltene Mumie aus der Ptolemäerzeit, sowie einige Uschebtis und zwei Statuen von Isis und Osiris. An der Wand hängt die Reproduktion eines „Jenseitsführers“ (Totenbuch) des Amun-em-wija (19. Dynastie), auf dem sich neben dem „obersten Verantwortlichen für die Schiffe des Pharaos“ Götter und Dämonen ein Stelldichein geben.


Die Mumie aus der Unterwelten-Ausstellung stammt aus der Ptolemäischen Epoche

Die Mumie stammt aus der Ptolemäischen Epoche (332-31 vor Christus). Über ihrem Kopf zwei Statuen von Isis und Osiris
Foto: LWL-Industriemuseum

Unterwelten heute

Der zweite große Teil der Ausstellung behandelt alles, was sich im Diesseits unter der Erde befindet. Dazu gehört natürlich, wie sollte es im Ruhrpott anders sein, der Bergbau und die Gefahren unter Tage und was sonst noch so alles unter unseren Füßen verläuft und abgebaut werden kann, wie z.B. Strom, Gas, Kanäle oder Verkehrsadern unter der Stadt. Ein sehr bedrückendes Thema sind hier sicherlich die Schutzräume aus dem 2. Weltkrieg, für die Stollen unter der Stadt genutzt wurden. Hier stellten die Kuratoren im Vorfeld der Ausstellung einigen Personen die Frage „Was würden Sie mitnehmen?“, deren Antworten von einer Büchse Bohnen bis zu einem Gewehr gingen. Auf Monitoren können Zeitzeugen gehört werden, die von ihren Erlebnissen in den Schutzräumen erzählen.

„Wie fühlt sich das an?

Generell legen die Kuratoren sehr viel Wert auf Interaktivität und eine moderne Präsentation der Ausstellungsstücke. Überall befinden sich Monitore mit Einspielern passend zu Thema. Die Beschreibungen an den Objekten sind gut verständlich und unter den Vitrinen befinden sich zum Teil Schubkärtchen, auf denen weiterführende Informationen stehen. Für Belustigung sorgte eine Plattform, die uns mit den Worten „Wie fühlt sich das an?“ einlud, sich auf ihr zu stellen. Hier hängen Kopfhörer, auf denen per Knopfdruck Originaltöne einer Straßenbahn, Bohrung, Sprengung und einem Vibrationsfahrzeug zu hören sind. Der Clou daran: die Plattform vibriert passend zu den Geräuschen. So fängt die Sprengung mit einem kurzen Countdown an und obwohl wir wussten, was kommen wird, wären wir bei der Sprengung fast von der Plattform gefallen, so sehr haben wir uns erschrocken. Auch so kann ein Museumsbesuch viel Spaß machen 😉

Industriekultur und Rhabarber-Prosecco

Nach der Besichtigung kann man sich im Restaurant Pferdestall bei einem leckeren Rhabarber-Prosecco stärken

Nach der Besichtigung kann man sich im Restaurant Pferdestall bei einem leckeren Rhabarber-Prosecco stärken

Nach der Besichtigung, die bei uns gut anderthalb Stunden gedauert hat, kann man noch durch das ehemalige Gelände der Zeche Zolle streifen und einen Einblick in die Welt der Industriekultur erhalten. Hier stehen überraschend prächtige Gebäude (die teilweise auch von Innen besichtigt werden können), in denen die Menschen früher (schwer) gearbeitet haben. Ein Besuch im Museumsrestaurant Pferdestall lohnt wegen dem besonderen Ambiente und dem leckeren Rhabarber-Prosecco 😉

Fazit

Der Besuch der Ausstellung „Unterwelten – Zeichen und Zauber des anderen Raums“ hat uns sehr gut gefallen. Obwohl viele Objekte Repliken sind, hat uns das durch die sehr gut gemachte Präsentation nicht weiter gestört. Die abgedunkelten hohen Räume der ehemaligen Industriehalle sind sehr stimmungsvoll und passen wunderbar zum Thema aber während meine Begleitung es teilweise zu dunkel fand, störten mich an einigen Stellen die Lichter, die zu stark an den Objekten blendeten (wie beim Totenbuch). Die Objekte und Beschilderungen sind an vielen Stellen sehr tief angelegt, was für Kinder und kleine Menschen (wie mich) sicher vom Vorteil ist, großen Menschen aber doch abverlangt, sich in großen Teilen mit gebückter Haltung durch die Vorstellung zu bewegen.

Den Besuch der Ausstellung und überhaupt der Zeche Zollern kann ich nur uneingeschränkt weiterempfehlen. Wir hatten einen informativen Nachmittag, der zudem noch richtig Spaß gemacht hat.

Unterwelten – Zeichen und Zauber des anderen Raums
29. März 2014 bis 2. November 2014
Zeche Zollern in Dortmund
Grubenweg 5
44388 Dortmund

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