Mit Hilfe modernster Technik erhalten wir tiefe Einblicke in acht Mumien, die zur Zeit in einer Sonderausstellung des British Museum zu sehen sind
Foto: The Trustees of the British Museum

Acht Mumien – acht erstaunliche Einblicke

Für die Ausstellung „Ancient Lives: new discoveries“ kamen acht Mumien des British Museum in den CT Scanner und gewährten uns faszinierende Einblicke, die wir bisher bei noch keiner Mumie gesehen haben. Sie zeigen uns nicht nur tiefe Einblicke in einen mumifizierten Menschen, sondern offenbaren uns neues Wissen über das Leben und den Glauben der alten Ägypter. So kamen „acht Mumien, acht Leben und acht Geschichten“ wieder zum Vorschein.

Auch Amulette wurden in den Mumien-Scans sichtbar. Neben Metallplättchen,die auf den Zehen von Tamuts Mumie gesteckt wurden, liegt auf ihren Füßen noch ein großes Amulett eines geflügelten Sakarabäus, der den Sonnengott Chepre symbolisierte.  Foto: The Trustees of the British Museum

Auch Amulette wurden in den Mumien-Scans sichtbar. Neben Metallplättchen,die auf den Zehen von Tamuts Mumie gesteckt wurden, liegt auf ihren Füßen noch ein großes Amulett eines geflügelten Sakarabäus, der den Sonnengott Chepre symbolisierte.
Foto: The Trustees of the British Museum

Die acht Mumien lebten in der Zeit zwischen 3500 v. Chr. bis 700 n. Chr. und wohnten zu Lebzeiten an verschiedenen Orten in Ägypten. Von der Oase Faijum in Unterägypten bis im Gebiet des 4. Kataraktes, den heutigen Sudan fanden die Mumien ihren Weg in das British Museum. Sechs Mumien wurden von Einbalsamierern, zwei auf natürlichem Weg im heißen Wüstensand Ägyptens mumifiziert. Sechs von den Mumien sind die von Erwachsenen, zwei die von Kindern, die im Alter von ca. 2 bzw. 7 Jahren gestorben sind.

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Mit hochmodernen Scannern wurden tausende Aufnahmen von den Mumien gemacht. Für drei von ihnen wurde ein spezieller „dual energy CT scanner“ benutzt, bei dem zwei Röntgenstrahlen die Mumien durchleuchteten. Dadurch waren selbst so dünne Teile wie Textilien und Haut auf den Bildern zu erkennen. Durch eine spezielle Software entstand ein dreidimensionales Modell der Mumien, die erstaunliche Dinge ans Tageslicht brachten.

Typische Krankheiten – Arteriosklerose und Abzesse

So entstand ein genaues Bild darüber, in welchem Alter und an was sie gestorben sind und an welchen Krankheiten sie zu Lebzeiten gelitten haben. Eine eventuelle Todesursache von einer Frau namens Tamut, Sängerin des Amun, und einem Mann namens Padiament, Türhüter des Tempels, ist eigentlich eine typische Erkrankung des modernen Menschen – Arteriosklerose. Die Arterienverkalkung wird hauptsächlich durch falsches Essen und mangelnde Bewegung verursacht und sorgt für ein erhöhtes Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung. Tamut und Padiament könnten an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall gestorben sein. Bei Tamut ist die Arteriosklerose deutlich an ihrem Oberschenkelknochen sichtbar.

Foto: The Trustees of the British Museum

Foto: The Trustees of the British Museum

Ein anderes, typisches und sehr häufig vorkommendes Leiden der alten Ägypter, waren ihre Zähne. Durch den vielen Sand und dem Steinstaub vom Mahlstein wurden jede Menge kleine Partikel in das Brot eingebacken. Die Zähne wurden dadurch quasi abgeschmirgelt. Schlechte Zahnhygiene tat das Übrige. Von den sechs Erwachsenen hatten vier schreckliche Abzesse im Mund, sie müssen zu Lebzeiten also höllische Zahnschmerzen gehabt haben. Bei einem war der Abzess so schlimm, dass er sogar zu seinem Tod geführt haben könnte. Obwohl die Ärzte der alten Ägypter sogar erfolgreich Amputationen durchgeführt haben, waren sie bei solchen Erkrankungen hilflos. Die Entzündung kann unbehandelt bis zu einer Blutvergiftung oder sogar zum Erstickungstod führen, dann nämlich, wenn die Entzündung bis in den Hals wandert und der Erkrankte keine Luft mehr bekommen kann.

Missgeschicke bei der Einbalsamierung

Kann ja mal passieren - einem Einbalsamierer blieb sein Haken beim Entfernen des Gehirns hängen. Ein Teil davon sieht man zusammen mit dem noch nicht entfernten Gehirn des Verstorbenen auf dem CT Scan.  Foto: The Trustees of the British Museum

Kann ja mal passieren – einem Einbalsamierer blieb sein Haken beim Entfernen des Gehirns hängen. Ein Teil davon sieht man zusammen mit dem noch nicht entfernten Gehirn des Verstorbenen auf dem CT Scan.
Foto: The Trustees of the British Museum

Im Schädel eines Mannes aus Theben, der um 600 v. Chr. lebte konnte ein schmales Loch in der Nase entdeckt werden, durch die Einbalsamierer mit Hilfe eines Hakens das Gehirn entfernt haben. Doch es kam anscheinend zu einem Missgeschick, denn ein Teil des Hakens wurde auf dem CT Scan sichtbar – ebenso wie Reste des Gehirns, die der Einbalsamierer noch im hinteren Teil des Schädels gelassen hatte.
Bei einer anderen Mumie scheint auch irgendetwas bei der Mumifizierung schief gegangen zu sein. In Kopf und Oberkörper steckten zwei Eisenstangen, die wahrscheinlich den Schädel am Körper befestigen sollte.

Die „Henkersmahlzeit“

Eine Mumie, die die Bezeichnung „Gobelein Man B“ bekam, starb im Alter zwischen 20-35 Jahren. Bei dem Mann war der Verdauungstrakt noch so gut erhalten, dass die Forscher noch seine letzte Mahlzeit vor seinem Tod sehen konnten. Was der Mann genau gegessen hat, könnte aber nur eine Biopsie klären, die in Zukunft erfolgen soll.

Die Frau, die ein Mann war

Bei einer Mumie dachten die Forscher jahrelang, es sei die einer Frau. Immerhin trug sie einen Schurz in einer für uns heute sehr weiblichen Farbe, nämlich in Rosa, und unter den Mumienbinden konnte man die Form von Brüsten erahnen. Verwunderlich war nur, warum dann die Einbalsamierer einen Bart auf der Gesichtskartonage malten. Der Scan brachte die Erkenntnis, dass die Verstorbene den Bart wahrscheinlich auch zu Lebzeiten trug – es handelt sich nämlich um einen Mann! Das üppige Dekolleté hatte die Mumie den „Künsten“ des Einbalsamierers zu verdanken, ebenso wie die Oberschenkel, die mit Füllmaterial „aufgepolstert“ worden waren. Der Mann muss zu Lebzeiten sehr fett gewesen sein und der Einbalsamierer wollte ihn wohl möglichst „lebensecht“ in die Nachwelt schicken.

Das British Museum und die Mumien

Die erste Mumie erreichte das British Museum im Jahr 1756. Der Forschergeist siegte oft gegenüber der Pietät, den Verstorbenen ihre letzte Ruhe zu gönnen und so wurden Mumien in der Regel ausgewickelt. Zu groß war die Neugierde, was sich für Amulette in den Mumienbinden verbargen und wie der Mensch hinter all den Leinenbinden aussah.
Das British Museum wurde aber Vorreiter. Seit nun mehr 200 Jahren hat das Museum keine Mumie mehr ausgewickelt. Dies ist heutzutage, wie man sieht, auch gar nicht mehr notwendig.

Mehr über die Mumien und ihre Geschichte könnt ihr in der Ausstellung „Ancient Lives: new discoveries“ erfahren, die vom 22.Mai – 30. November 2014 im British Museum London zu sehen ist.

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  • Anne Hesmer

    Nobody is perfect. Auch den Balsamierern können Missgeschicke passieren. Aber lustige Sachen. Jetzt so im Nachhinein aus unserer Sicht von heute gesehen. Den Balsamierern waren diese Kleinen Pannen vielleicht peinlich,wenn der Hohepriester bei der Prozedur dabei war. Ja.. Es ist schon erstaunlich was für teils lustige und spanbende Geschichten so eine Mumie erzählen kann. Und das ohne Worte. 😉

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