Die neu entdeckte Barke in Abusir. Foto: MSA/Czech Institute of Egyptology

4500 Jahre alte Barke in einem bemerkenswerten Zustand entdeckt

In Abusir haben Archäologen des ägyptologischen Instituts in Prag eine sensationelle Entdeckung gemacht. Bei Reinigungsarbeiten stieß das tschechische Team auf eine 18m langes Barke in einem bemerkenswerten Zustand. Sie ist bisher die einzige, die in ihrem ursprünglichen Zustand, wie man sie vor 4500 Jahren erbaut hatte, gefunden wurde.

Einzigartig in der Ägyptologie

Die Arbeit der Tschechen vom ägyptologischen Instituts in Prag begann im Jahr 2009 an einer 52,60 x 23,80m großen Mastaba mit dem Namen AS 54. Überraschend stießen die Archäologen in der Ausgrabungssaison 2015 südlich der Mastaba auf diese Barke. Obwohl das Schiff extrem fragil ist, werfen die ungefähr 4500 Jahre alten Planken ein neues Licht auf den Schiffsbau im alten Ägypten. Die hölzernen Planken werden mit Holzstiften zusammengehalten, die auch heute noch, 4500 Jahre später, in ihrer ursprünglichen Position sitzen.


Der heiße Wüstensand hat zudem die Stränge aus Pflanzenfasern erhalten, mit denen die Plankenfugen bedeckt waren. Einige Seile, die einst die Barke zusammengehalten haben, sind ebenfalls noch intakt und liegen in ihrer ursprünglichen Position, was in der Geschichte der Ägyptologie bisher einzigartig ist. All diese einzelnen Dinge sind für die Archäologie von großer Bedeutung, da die antiken Barken bisher nur in einem sehr schlechten Zustand oder auseinandergebaut gefunden wurden. Die zwei berühmtesten letzterer Variante sind die von Pharao Cheops, von denen eins im Barkenmuseum an den Pyramiden zu sehen ist und das andere in dem gerade entstehenden Grand Egyptian Museum zusammengebaut wird.

Noch in diesem Jahr wollen die Tschechen zusammen mit Experten des Institute of Nautical Archaeology der Texas A&M Universität die Techniken, die in der Schiffsrumpfkonstruktion zum Einsatz kamen, studieren.

Wem gehört die Barke?

Obwohl die Barke fast 12m südlich von der Mastaba AS 54 liegt, lassen Ausrichtung, Länge und die Keramiken, die im Inneren gefunden wurden, eine Verbindung zwischen der Barke und der Mastaba vermuten. Sowohl Mastaba als auch die Barke wurden am Ende der 3. Dynastie oder am Anfang der 4. Dynastie, um ca. 2550 v. Chr. erbaut.

Eine in der Mastaba gefundene Steinschale trug den Namen Pharao Hunis, was auf eine hohe Position des Grabinhabers schließen lässt. Der Name des Besitzers, der im bisher noch nicht lokalisierten Hauptschaft begraben wurde, konnte aufgrund des schlechten Erhaltungszustands des kreuzförmigen Baus bisher noch nicht identifiziert werden.

Seit der frühdynastischen Zeit wurden die Barken, über deren Sinn und Zweck sich die Experten bis heute streiten, neben königlichen Bauten und Gräbern der königlichen Familie begraben. Dieser Fund sei jedoch höchst ungewöhnlich, wie Dr. Miroslav Bárta, der Leiter der Mission betont, denn die Mastaba liegt nicht im unmittelbaren Umfeld einer Pyramide, wie es bei Gräbern der königlichen Familie eigentlich üblich ist. Doch sowohl die Größe der Mastaba als auch die in ihrem Umfeld vergrabene Barke lassen darauf schließen, dass der Grabherr zu der Elite Ägyptens gehörte und enge Verbindungen zum Königshaus hatte. Vielleicht wurde hier sogar Pharao Huni selbst begraben, eine Theorie, die Bárta schon vor ein paar Jahren aufgestellt hat.

Eine Nicht-königliche Barke ist bisher zumindest noch nicht entdeckt worden. Und wo eine ist, könnten vielleicht noch weitere liegen…

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