Bild mit freundlicher Genehmigung: AcrossBorders Projekt, Julia Budka

Ein Ägypter in Nubien – Das Grab des Chnummose auf der Insel Sai

Ein Blick in den nördlichen Sudan, das frühere Nubien: Nördlich des dritten Nilkatarakts auf der Insel Sai, gegenüber der heutigen Stadt Abri, wurde das 3400 Jahre alte Grab eines Goldarbeiters entdeckt. Dieser stammte jedoch nicht aus Nubien, sondern höchstwahrscheinlich aus Ägypten und ließ sich in einem aus mehreren Kammern bestehenden Grab bestatten. Hier fanden die Archäologen neben Grabbeigaben noch mehr als ein Dutzend weiterer Menschen. Sie alle fanden in dem von Ägypten annektierten Land ihre letzte Ruhe.

Auf der Insel Sai ließen sich wie in anderen Teilen Nubiens die Ägypter nieder, gründeten Siedlungen, bauten eine Verwaltung auf und fanden Arbeit. Der Mann, dessen Grab (Grab 26) von dem Team des AcrossBorders Projekts bereits im Jahr 2015 entdeckt und in dem die Arbeiten jetzt abgeschlossen wurden, arbeitete als „Oberster Goldarbeiter“ in der dortigen Goldmine.


Ein Ägypter in Nubien bestattet?

In dem Grab wurde auch ein Goldring entdeckt. Bild mit feundlicher Genehmigung: AcrossBorders Projekt, Julia Budka

Zumindest lassen einige Grabbeigaben, wie Skarabäen, Gefäße aus Ton und Fayence, ein Goldring, ein Uschebti und die Überreste von Totenmasken darauf schließen, dass der Mann Ägypter war. Einige der Grabbeigaben trugen zudem Hieroglypheninschriften und sein Name, Chnummose (Chnum-mes), klingt ebenfalls sehr ägyptisch.

Die menschlichen Überreste des Grabinhabers Chnummose, daneben die einer Frau – wahrscheinlich seiner Ehefrau.
Bild mit freundlicher Genehmigung: AcrossBorders Projekt, Julia Budka

DNA-Analysen

Bild mit freundlicher Genehmigung: AcrossBorders Projekt, Julia Budka

Neben den Überresten von Chnummose, der wahrscheinlich sogar mumifiziert worden ist, lag eine Frau – vermutlich seine Ehefrau. Die anderen hier entdeckten Verstorbenen sind vielleicht Familienangehörige, worüber DNA-Analysen Aufschluss geben sollen. Die aus den Knochen der Menschen gewonnenen Proben liegen bereits in der Abteilung Archäogenetik des Max-Planck-Instituts Jena, wie Julia Budka, Universitätsprofessorin für Ägyptische Archäologie und Kunstgeschichte in München, der LiveScience berichtet.

Die Verstorbenen im Grab 26

Wie viele Menschen der 18. – 20. Dynastie im Grab 26 bestattet wurden, kann man nicht mit Gewissheit sagen, da das Grab durch Überflutungen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Sowohl der Erhaltungszustand der hölzernen Sarkophage als auch der hier Bestatteten ist sehr schlecht.  Neben Chnummose und der Frau fanden die Archäologen in einer weiteren Kammer noch die Überreste von mindestens neun Erwachsenen und zwei Kleinkindern (davon eines noch ein Fötus). Hier fanden die Archäologen ebenfalls Grabbeigaben, darunter auch den Goldring. Leider hat eine eingestürzte Decke viele Grabbeigaben zerschmettert.

Wurden die Ägypter auf der Insel Sai mumifiziert?

Die Archäologen konnten nicht mehr feststellen, ob und wie viele der Menschen in dem Grab ursprünglich mumifziert gewesen sind. Budka wartet noch auf einen Bericht der biologischen Anthropologen, die vielleicht Licht ins Dunkeln bringen können. Spuren von Bitumen, eine natürlich vorkommende Teermasse die für die Mumifizierung verwendet wurde, könnte auf die Mumifizierung aller Personen im Grab 26 hindeuten, so Budka.

Die ägyptische Siedlung der Insel Sai

Bild mit feundlicher Genehmigung: AcrossBorders Projekt, Julia Budka

Die Siedlung auf Sai wurde in der 18. Dynastie gegründet. Die Forscher des AcrossBorders Projekts kamen während ihrer Ausgrabungen auf erstaunliche Ergebnisse. So importierten die Ägypter anfangs Waren des täglichen Bedarfs, wie Kochgeschirr und Vorratsgefäße noch aus Ägypten. Erst einige Zeit später ließen die Ägypter die Waren vor Ort herstellen.

Zudem stießen die Archäologen ebenfalls im Grab 26 auf das Pyramidion eines hohen Beamten aus der Zeit Ramses II. Den Mann namens Hornacht kannten die Forscher schon von Inschriften, die schon in früheren Grabungskampagnen auf der Insel Sai entdeckten wurden.

Mehr über die vergangenen Ausgrabungen und aktuellen Forschungen der Insel Sai könnt ihr auf Julia Budkas Blog http://acrossborders.oeaw.ac.at/ lesen.

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