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Rätsel um die verschollene Armee des Kambyses gelöst?

Über die Armee des Kambyses gibt es eine Legende, die Stoff für Filme, Bücher und die wildesten Spekulationen lieferte. Nachdem das Orakel des Amun in der Oase Siwa den Untergang des persischen Königs Kambyses II. (530 – 522 v. Chr.) prophezeite, wollte dieser sich mit einer 50 000 Mann starken Armee an dem Orakel rächen. Doch auf deren Weg durch die Wüste kam ein gewaltiger Sandsturm auf und begrub die Armee unter sich. Seither haben viele Forscher und Hobbyarchäologen versucht Antworten auf die Frage zu finden, ob die Geschichte des griechischen Geschichtsschreiber Herodot über die Armee des Kambyses der Wahrheit entspricht. Der Zufallsfund eines niederländischen Archäologen könnte das Rätsel nun gelöst haben.

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Blöcke mit Namen und Titel eines Rebellen

Das Team um Olaf Kaper von der Universität Leiden stieß während seiner Ausgrabungen in Amheida in der Oase Dachla auf mehrere Blöcke mit Namen und Titel eines Rebellen, der sich gegen die persischen Besatzer aufgelehnt haben soll: Petubastis III. Hier muss also einst eine wichtige Festung des Rebellen gewesen sein, schlussfolgert Kaper. Die Armee des Kambyses könnte also gar nicht gegen das Orakel der Oase Siwa zu Felde gezogen sein, sondern gegen Petubastis, der die Armee des Kambyses vernichtend niederschlug. Der Rebell könnte seinen Angriff gegen die persischen Besatzer von Amheida aus koordiniert haben, eroberte von dort aus weite Teile Ägyptens zurück und ließ sich anschließend in Memphis als neuer Pharao krönen.

Dareios als Legendenerzähler

Die Legende über den Sandsturm könnte Kambyses Nachfolger Dareios im Umlauf gebracht haben, der die ägyptische Rebellion zwei Jahre nach Kambyses Niederlage blutig niederschlug. Anstatt die schmachvolle Niederlage seines Vorgängers einzugestehen, könnte er die Mär von dem gewaltigen Sandsturm erzählt haben. Herodot griff die Geschichte schließlich 75 Jahre nach dem Geschehen auf und veröffentlichte sie in seinen Historien.

50 000 Soldaten gegen ein Orakel?

Kaper hält die Geschichte Herodots auch aus anderen Gründen für unglaubwürdig. Ein Sandsturm könnte nie so heftig ausfallen, dass sie ein ganze Armee vernichten könnte. Außerdem hält er die Größe der Armee schlichtweg für falsch. Die Zahl von 50 000 Soldaten wäre sehr hoch für einen Durchmarsch durch die Wüste. Eine Armee in kleineren Gruppen aufgeteilt wäre viel effektiver. Und warum sollten 50 000 Mann ein kleines Orakel in Siwa angreifen? Da hätten sich die Soldaten wohl eher auf die Füße getreten, wie er vergangene Woche auf einer internationalen Konferenz in Leiden bemerkte, von der „Der Spiegel“ berichtete. Das dritte Gegenargument bezieht sich auf den Ausgangspunkt der Expedition. Die Armee des Kambyses soll von Theben aus nach Siwa losmarschiert sein, was nicht gerade der ideale Ausgangspunkt ist. Normalerweise wäre Memphis die bessere Wahl oder ein Marsch entlang der Mittelmeerküste. Die Angabe Herodots, dass die Armee sieben Tage von Theben aus brauchte würde aber stimmen. Nur halt für die Dachla Oase und nicht für Siwa.

Viele Fragezeichen

Letztendlich bleiben aber noch viele Fragezeichen. Vor allem, da wir kaum etwas über den Rebellen Petubastis III. wissen. Es ist nicht gesichert, ob Petubastis III. wiklich gegen Kambyses zu Felde zog, noch ob er überhaupt in dieser Zeit gelebt hat. Während die deutsche Wikipedia von einer Regierungszeit von 680 bis 665 v. Chr. spricht,  gibt die englischsprachige Wikipedia eine Stelle aus The Cambridge Ancient History als Quelle an, in dem von einem Dokument die Rede ist, das auf das Jahr 522 v. Chr., sein erstes Regierungsjahr, datiert ist.

Eins scheint aber sicher: Die Geschichte von der 50 000 Mann starken Armee des Kambyses, die gegen das Orakel von Siwa zu Felde ziehen wollte, ist eine Legende – auch wenn in jedem Märchen immer ein Fünkchen Wahrheit steckt.

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