Blick auf den Grabhügel von Qubbet el-Hawa

Rettungsgrabung in Qubbet el-Hawa

Erstmals seit 100 Jahren gräbt das »Ägyptische Museum und Papyrussammlung Berlin« in einem Gemeinschaftprojekt mit ägyptischen Archäologen wieder vor Ort in Ägypten. Sie führen in Qubbet el-Hawa Nord eine Rettungsgrabung in einem Gräberfeld des Neuen Reiches durch, erzählt Friederike Seyfried, die Direktorin des Berliner Museums, in einem Interview.

Vermutlich im Jahr 2012 hatten Bewohner des kleinen nubischen Dorfes Gharb Aswan, das in der Nähe des Grabhügels Qubbet el-Hawa liegt, das bisher unbekannte Gräberfeld entdeckt. In den unruhigen Zeiten nach der 2011-er Revolution wurden die entdeckten Gräber natürlich heimlich geplündert, bis der Fund öffentlich bekannt wurde und die Antikenbehörde ab dem Jahr 2014 Sicherungsmaßnahmen ergriff. Im selben Jahr fragte der damalige Antikenminister Mohamed Ibrahim Ali beim Ägyptischen Museum Berlin an, ob man dort an einer Zusammenarbeit interessiert sei.

Absichtserklärung als Startschuss

Diese Anfrage erfolgte vermutlich aufgrund der gegenseitigen Absichtserklärung aus dem Jahr 2013, in welchem die ägyptische Antikenbehörde und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz – Träger des Ägyptischen Museums Berlin – einen „intensiveren wissenschaftlichen Austausch“ vereinbart hatten. Das gegenseitige Verhältnis war in der Vergangenheit mal mehr, mal weniger stark belastet durch die berühmte Büste der Nofretete, deren Rückgabe von ägyptischer Seite immer mal wieder gefordert wird.

Nachdem die Finanzierung des Grabungsprojekts durch die Deutsche Forschungsgesellschaft und den Förderverein des Berliner Museums gesichert war, startete die „Egyptian-German Mission Qubbet el-Hawa North“ ihre Arbeiten. Dabei geht es zunächst einmal darum, die bereits geöffneten Gräber zu sichern, bevor man sich an die Entdeckung neuer Gräber machen kann.

4 Meter Erdreich als Schutz

In der laufenden Grabungskampagne wurde in 4m Tiefe ein verschütteter Vorhof freigelegt, um dort den Zugang zu einem Grab aus der 18. Dynastie mit einer Tür zu sichern. In den Grabungsschichten dieses Vorhofs fand man ca. 120 Keramikgefäße, einen Altar aus Nilschlammziegeln, eine kleine Treppe und Bänke aus Sandstein. All dies diente einmal dem Absolvieren des Totenkultes für den oder die Grabinhaber und hat sich wohl nur deshalb so gut erhalten, weil es verschüttet und von Sand überlagert wurde.

Eine „Rettungsgrabung“ sei dies in zweifacher Hinsicht, meint Friederike Seyfried, denn einerseits müsse man so schnell und so viel wie möglich dokumentieren, bevor noch mehr Gräber beraubt werden könnten, andererseits wachse das nubische Dorf immer weiter in Richtung des Grabungsgeländes. Man wolle daher demnächst eine niedrige Mauer errichten, um das Gelände auch optisch deutlicher abzugrenzen.

Die Nekropole Qubbet el-Hawa Nord sei auch deswegen so interessant für die Forschung, weil viele Personen dort begraben seien, deren Namen man bereits aus Dokumenten oder Inschriften kenne. Es sei ein großer wissenschaftlicher Zugewinn, wenn man nun auch deren Gräber auswerten könne.

Zusammenarbeit und Ausbildung

In der Kooperation mit den Ägyptern legt die deutsche Seite besonderen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit den fünf „Inspektoren“ – so werden die Mitarbeiter der Antikenbehörde genannt. Alle Ergebnisse werden zusammen publiziert und den jungen ägyptischen Wissenschaftlern sollen Forschungsaufenthalte in Berlin ermöglicht werden, um z.B. ihre Kenntnisse im Restaurieren von Papyrus zu vertiefen, wofür es im »Ägyptischen Museum und Papyrussammlung« natürlich eine hohe Kompetenz gibt.

Eventuell könne es in einigen Jahren auch eine Ausstellung zu dieser Grabung in Berlin geben, hofft Friederike Seyfried. Die Beziehungen seien mittlerweile ja recht eng und freundschaftlich, so dass man vielleicht die notwendigen Leihverträge abschließen könnte. Auch für das weitere Fundraising für dieses auf mindestens 12 Jahre angesetzte Projekt wäre es sicher ein immenser Vorteil, wenn man die Grabung in Deutschland auch präsentieren könne.

Ein paar Fotos der Grabung findet ihr unter dem Interview im Blog der Staatlichen Museen zu Berlin.

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