Ägypter verkauften sich selbst in die Tempelsklaverei

Für die unterste Schicht der Gesellschaft gab es im alten Ägypten kaum Perspektiven. Viele von ihnen wurden für schwere Frondienste des Pharaos eingezogen. Für einige schien ein lebenslanger Dienst im Tempel die bessere Wahl. Sie zahlten sogar eine monatliche Gebühr, um für den Tempel arbeiten zu dürfen. Dies fand der Forscher Dr. Kim Ryholt von der Universität in Kopenhagen heraus, der über 100 „Sklavenverträge“ des Tempels in Tebtunis (im Faijum) untersucht hat.

Die Verträge stammen aus der Zeit zwischen 190-130 v. Chr. Ob diese Praxis vorher schon üblich war, ist nicht bekannt. Die meisten, die sich lebenslang für den Tempeldienst verpflichteten, waren anscheinend Kinder von Prostituierten, da in 90% der Verträge nicht wie üblich der Vater benannt werden konnte. Warum sich die alten Ägypter selbst in die Sklaverei verkauften, ist nicht ganz sicher. Wahrscheinlich wollten sie dem Frondienst für den Pharao, der aus schweren und manchmal auch tödlichen Arbeiten bestand, wie beispielsweise Kanalbauten, aus dem Weg gehen. Wie Dr. Ryholt betonte, wissen wir aus anderen zeitgenössischen Verträgen, dass Tempelsklaven von schwerer Arbeit ausgeschlossen waren. So konnten sowohl die Menschen als auch der Tempel, der durch die monatlichen Gebühren nette Nebeneinkünfte hatte, davon profitieren.

Quelle:
Sci-News


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  • Carsten Kockjey

    Das man versucht war der körperlich schweren und sicher nicht ungefährlichen Arbeit für den Pharao aus dem Weg zu gehen erscheint logisch.

    Aber ich frage mich wie man als (selbst verkaufter) Sklave monatliche Gebühren aufbringen konnte um diese dann an den Tempel zu entrichten.
    Als Kind einer Prostituierten hat man wohl kaum darauf hoffen können das Mama diesen Obulus über Jahre entrichtet, oder?

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