Fischfang- und Vogeljagdszene im Grab des Menna

Aßen die alten Ägypter überwiegend vegetarisch?

Ein französisches Forscherteam hat an Gewebeproben von Mumien untersucht, was diese Menschen zu Lebzeiten wohl überwiegend gegessen haben. Als „Untersuchungsgruppe“ dienten 45 Mumien aus zwei Museen im französischen Lyon. Zwar habe man pro Epoche nur wenige Exemplare gehabt, dafür mit diesen aber einen großen Zeitraum abdecken können, von 3500 v.Chr. bis etwa 600 n.Chr., also bis in die koptische Zeit. Trotz der vielen Opferszenen oder Grabreliefs, auf denen Berge von Fleisch und Fisch dargestellt sind, sollen sich die alten Ägypter überwiegend von Pflanzen ernährt haben, so das angeblich überraschende Ergebnis der Studie.

Kohlenstoffatome enthüllen Nahrungsgewohnheiten

Untersucht wurde das Vorkommen von Kohlenstoff-, Stickstoff- und Schwefelisotopen in Zähnen, Knochen und Haaren. Insbesondere Kohlenstoff wird bei der Photosynthese in Pflanzen eingelagert und erreicht über die Nahrungskette dann auch den Menschen, wenn dieser entweder die Pflanzen direkt oder aber pflanzenfressende Tiere isst. Über die Untersuchung bestimmter, verschieden schwerer Kohlenstoffisotope können die Forscher sogar genauere Aussagen darüber machen, welche Pflanzenarten auf dem Speiseplan standen.

[werbung-gr]


Tierische Proteine lassen sich besonders gut in den Haaren nachweisen. Die Isotopendichte in den Haaren der Mumien stimmen in etwa überein mit denen von heutigen Vegetariern. Dabei soll die Ernährung der alten Ägypter hauptsächlich auf Weizen und Gerste basiert haben, während die in trockenen Gebieten wesentlich besser anzubauende Hirse nur etwa 10% ausgemacht haben soll. Da sich unter den Mumien aus den verschiedenen Epochen kaum Unterschiede zeigten, nehmen die Forscher an, dass sich auch die Ernährungsgewohnheiten im Laufe der Jahrtausende nicht großartig geändert haben, obwohl doch das Niltal zunehmend trockener und damit schmaler wurde. Anscheinend passten sich die alten Ägypter daran an, indem sie entweder ihre Bewässerungstechniken verbesserten oder einfach dichter am Nil siedelten.

Fische standen selten auf dem Speiseplan

Hohe Werte von Stickstoffisotopen schreiben die Wissenschaftler auch eher der immer trockener werdenden Umgebung zu als dem Fischkonsum, der zu noch höheren Stickstoffwerten hätte führen müssen, wenn man den weit verbreiteten Nilbarsch als Ernährungsgrundlage nimmt. Das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese Nahrungsquelle für die am Nil lebenden Ägypter doch in greifbarer Nähe lag und es haufenweise Darstellungen von Männern gibt, die mit Speeren oder Netzen Fische fangen. Aus Sicht der Forscher soll der Fischkonsum jedoch nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

Dennoch bleiben, was die Aussagekraft der Ergebnisse angeht, einige Fragen offen. Sind 45 Mumien aus 4 Jahrtausenden ein repräsentativer Querschnitt durch ein Millionenvolk? Aus welchem Teil Ägyptens stammten die Mumien, vielleicht aus Gegenden, in denen Fische heilig waren und daher nicht gegessen wurden? Handelte es sich um Adlige oder einfache Arbeiter, deren Ernährungsgewohnheiten doch sicher unterschiedlich waren?

Userhat vor Opfergaben

Userhat vor diversen Opfergaben

Immer wieder sonntags

Letztlich sind die Ergebnisse ja auch gar nicht so überraschend. Der bei uns heute übliche hohe Fleisch- und Fischkonsum ist ja durchaus ein Phänomen der jüngsten Vergangenheit. Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es auch bei uns noch den „Sonntagsbraten“, der ja auch nichts anderes bedeutete, als dass es eben nur einmal in der Woche Fleisch gab – und das auch nur für diejenigen, die es sich leisten konnten. Das wird bei den alten Ägypern eher noch ausgeprägter gewesen sein, so dass der Großteil der Bevölkerung wohl eher selten in den Genuss von Fleisch und vielleicht auch Fisch kam.

Die vielen Szenen von Opfergaben oder die überbordenden Nahrungsberge, die auf Reliefs zu sehen sind, sind dabei kein Widerspruch. Schließlich würde man, wenn man jemandem in sein Grab Nahrung für das Jenseits mitgeben wollte, lieber Rinderschenkel, Enten und Fische statt dünner Gerstensuppe in den Stein gemeißelt haben. Schließlich sollte es dem Verstorbenen im Jenseits ja an nichts mangeln.

Quelle: LiveScience

Das könnte Dich auch interessieren

2 Kommentar(e)

Einen Kommentar schreiben
  • werner schwarz

    danke, für den tollen bericht…er ist sehr aufschlussreich…

    mfg

  • Jolly Thews

    Gern geschehen! Ich hatte extra die chemischen Fachausdrücke, wie Kohlenstoff-C12- und -C13-Isotope sowie die Einteilung in C3- und C4-Pflanzenarten weggelassen, damit der Text möglichst verständlich bleibt. Es freut mich, wenn das gelungen ist.

Kommentar schreibenBitte sei höflich. Wir wissen das zu schätzen

Dein Kommentar