Foto: Mohamed Gamal Rashed. Ägyptisches Museum Kairo

Das „Eisen des Himmels“ – Tutanchamuns kosmische Klinge

Tonnen von Gold wurden Pharao Tutanchamun mit in sein Grab gelegt. Doch diese Schätze waren nicht das Wertvollste, was er mit auf seine Reise in die Unterwelt nehmen sollte. Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Dolch war von unschätzbarem Wert. Seine Klinge besteht aus dem „Eisen des Himmels“, wie die alten Ägypter das Material ehrfürchtig nannten.

Dolch aus Meteoriteneisen

Schon lange vermuteten die Forscher, dass der Dolch Tutanchamuns, der auf dem rechten Bein der Mumie gefunden wurde, aus Meteoriteneisen besteht. Dank eines Teams aus italienischen und ägyptischen Forschern gibt es nun auch den wissenschaftlichen Beweis dazu. Sie untersuchten im Ägyptischen Museum Kairo die Zusammensetzung der Klinge mit Hilfe der Röntgenfluoreszenz-Analyse.


Meteoriteneisen wird normalerweise an einem hohen prozentualem Anteil an Nickel erkannt, so Daniela Comelli aus der Abteilung für Physik am Mailänder Polytechnikum. Während Eisen auf der Erde ungefähr 4% Nickel enthält, (siehe Kommentare unten) besteht Tutanchamuns Dolch aus fast 11% Nickel. Neben dem hohen Nickelanteil ergab die Analyse noch 0,6% Kobalt, was ebenfalls auf den extraterrestrischen Ursprung hindeutet.

Wo schlug der Meteorit ein?

Doch woher stammt das Material, aus dem Tuts Dolch gefertigt wurde? Die Forscher durchsuchten eine Datenbank mit allen Meteoriten, die in einem Umkreis von 2000km um das Rote Meer einschlugen. Letztendlich blieben noch 20 Eisenmeteoriten übrig, die in Frage kamen. Bei dem „Kharga-Meteoriten“ passte die Zusammensetzung fast genau. Fragmente des Meteoriten wurden im Jahr 2000 ungefähr 200km westlich von Alexandria im Kalksteinplateau bei Mersa Matruh entdeckt. Die Forscher wollen sich aber nicht festlegen, ob der Dolch wirklich aus dem Kharga-Meteoriten hergestellt wurde.

Zeichen der Götter

Vielleicht sahen die alten Ägypter in dem „Eisen des Himmels“ ein Zeichen der Götter. Zumindest gibt es bisher sehr wenige Funde aus Meteoriteneisen. Neben dem Dolch wurden unter anderem noch neun Eisenperlen in einer Nekropole bei Gerzeh entdeckt, die sogar schon um 3200 v. Chr. verarbeitet wurden. Für die Forscher wäre es von äußerstem Interesse, weitere Objekte aus Eisen, u.a. auch aus Tuts Grabschatz zu untersuchen. Damit könnte die Forschung weitere Erkenntnisse über die frühe Eisenverarbeitung im alten Ägypten und im mediterranen Raum gewinnen, so Comelli.

Die alten Ägypter hatten schon um 1400 v. Chr. gute Kenntnisse in der Eisenverarbeitung, wie die Qualität der Klinge belegt. Auch der Griff, der in einem Bergkristall endet und die Scheide aus Gold wurden detailliert ausgearbeitet.

Tutanchamuns Halsschmuck mit einem Pektoral aus extraterrestrischem Impaktglas

Tutanchamuns Halsschmuck mit einem Pektoral aus extraterrestrischem Impaktglas

Alles Gute kommt von oben

Neben dem Dolch wurde Tutanchamun noch eine andere kostbare Grabbeigabe aus dem Weltall mit ins Grab gelegt. Bei einem Meteoriteneinschlag schmilzt das Gestein und erstarrt zu einer glasartigen Masse. Dieses Impaktglas (Impakt = Einschlag) wurde im Skarabäus eines Halsschmucks von Tutanchamun verwendet.

Einen ausführlichen Bericht findet ihr in der Wiley Online Library

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8 Kommentar(e)

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  • Anne Hesmer

    Eine Frage: Ist im Dolch etwas mehr Kobalt und Nickelgehalt drin? Oder weniger? Wenn es nur ein minimaler Unterschied ist,dann ist er aus dem Kharga-Metheoriten. (Ich lebe mit einem Schmied zusammen) Er erklärte mir folgendes: Die Abweichung der Eisenbestandteile kommen durch die Verarbeitung zustande. Das Herausschmelzen des Eisens aus dem Metheoritengestein erzeugt Schlacke. In ihr sind minimale Mengen der Eisenbestandteile vorhanden. Da die Schlacke aber vom Metall abgeschlagen wird,gehen diese Bestandteile mit ihr verloren. Die Hitze der Schmiedeesse ist auch ein weiterer Grund für die Kleine Bestandteilabweichung. Und wenn die Menge des Eisens nicht ausgereicht hatte und beim Schmelzvorgang etwas hinzu gefügt wurde,haben wir einen dritten Grund für die Abweichung. Denn:Jedes hinzufügen und abnehmen der Menge und jeder Schmelz und Schmiedevorgang verändert die Zusammensetzung und sogar die Dichte und Härte des Metalls. Tipp an die Archäologen: Nehmt ein Stück von dem Metheoritengestein und stellt auf der selben alten Weise wie vor 3000 Jahren eine solche Dolchklinge her. Das Ergebnis wird erstaunlich sein. 😉

  • Anne Hesmer

    Und eh ich es noch vergesse…eins müsste man beachten. Ob die Klinge von Tut im Holzkohlefeuer oder Steinkohlefeuer oder sogar mit einem Holzkohle-Steinkohlegemisch geschmiedet wurde.. Das spielt in die Abweichung der Eisenzusammensetzung auch mit ein. 🙂

  • Arnulf Jursa

    Ich weiß nicht, woher die Frau Cornelli die Annahme, oder gar das Wissen, nimmt, daß Eisen auf Erden 4% Nickel enthält.
    Eisen enthält grunssätzlich kein Nickel, es sei den, das Eisen ist mit Nickel legiert worden. Auch Eisenerze enthalten kein Nickel. Aber, es gibt natürlich Nickelerze, oder Erze mit einem hohen Nickelanteil, das sind dann aber keine Eisenerze !
    Übrigens, die Verwendung von Meteor-Eisen ist weltweit bekannt und das schon sehr lange vor der Entwicklung des Eisenverhüttungswesens. Man muß also nicht sogleich vermuten, daß die Ägypter die Verhüttung von Eisenerzen schon kannten, auch wenn sich das viele wünschen würden, weil es die pickfeine Bearbeitung von Granit besser erklären würde.
    Ja, und Fau Hesmer, Schmiede-Versuche mit den verschiedensten Arten von Meteor-Eisen wurden schon sehr oft gemacht – bis heute, und speziell in Hauptrichtung Waffen, wie Schwerter, Messer und Pfeilspitzen.
    Jeder Erhitzungsvorgang, Frau Hesmer, entweder zum Zwecke der „warmen Verformung“ des Materials, oder des Härtens, erzeugt an der Oberfläche eine dünne Schlackenschicht. Man kann sie auf allen unbearbeiteten Oberflächen von Walz- und Schmiedeprodukten sehen. Diese hauchdünne Schlackenschicht wird nicht abgeschlagen, sondern bleibt auf dem Material, bis es bearbeitet wird ! Diese Schlackenschicht ist auch ein Oxidationsschutz !
    Mit der Schlacke geht von den Legierungsbestandteilen des erhitzten Matrials auch nichts verloren.
    Die Schlacke beim reinen Schmelzvorgang von Metallen hingegen, zum Zwecke des Gießens oder Legierens, schwimmt an der Oberfläche des Metalls und wird entweder abgeschöpft, oder beim Gießvorgang mechanisch zurückgehalten. Die Schlacke, sie enthält alle natürlichen Verunreinigungen des Materials, die selbst nach sorgfältiger vorheriger Aufbereitung der Erze noch vorhanden sind, wird erst kurz vor der Verwendung entfernt, da sie das Metall-Bad vor der Oxidation durch den Luftsauerstoff schützt.
    Die kurzzeitige Erhitzung von Eisen und Stahl im Holzkohlenfeuer, zum Zwecke der warmen Verformung, erzeugt auch keine zu beachtende Aufkohlung des Eisens oder Stahls. Um eine Aufkohlung an der Oberfläche zu erreichen, wie das bei Einsatzstählen nötig ist, muß der Stahl heiß (ca. 850 – 1050°) in kohlenstoffabgebender Umgebung einige Stunden aufbewahrt (geglüht) werden. Man nennt das Einsetzen.

  • Anne Hesmer

    Hallo Herr Jursa. Ich fände jetzt sehr interessant welchen Beruf sie haben . Schmied? Oder sogar Metallurge? Weil sehr detaillierte Erklärungen. Somit hab ich wieder was dazu gelernt. Wir betreiben hier Waffenschmiedungen für Mittelaltermärkte (Hobby) und manches davon hat als Nachbau in kleinen Museen Einzug gehalten. Und als kleine Hobby-Schmiede fanden wir das schon toll wenn die Arbeitenals Nachbauten gut genug waren um in den kleineren Museen ausgestellt werden zu können. Danke für die wervollen Tipps. Wir lernen gerne was dazu.Schade dass es hier auf dem Blog keine Kontaktdaten der Kommentartoren gibt. Denn wie ich sehe ,gibt’s hier auch Leute ,die sehr wertvolle Tipps geben und man doch Lust bekommt noch mehr von ihnen zu lernen. Und als wir ihr Kommentar gelesen haben fiel uns auf: Mist,die Sache mit den Legierungen hatten wir ja überhaupt nicht bedacht.

  • Selket

    Hallo ihr beiden,
    aus Datenschutzgründen werden die E-Mail-Adressen hier nicht veröffentlicht aber wir können den Kontakt gerne herstellen, wenn beidseitiges Interesse besteht 🙂
    Die Angabe mit dem 4% Nickel stammt nicht aus dem wissenschaftlichen Artikel, der oben angegeben ist, sondern aus diversen Magazinen, wie z.B. der LiveScience (http://www.livescience.com/54927-king-tut-blade-made-of-meteorite.html). Also zu Frau Comellis Verteidigung sei gesagt, dass der Hinweis ggf. gar nicht von ihr stammt oder falsch verstanden wurde. Und alle (ich eingeschlossen 😉 ) haben das dann einfach mal falsch übernommen. Also vielen Dank für eure Hinweise!

  • Anne Hesmer

    Hallo,Selket. Über solche Blogs wie diesen,findet man halt sehr interessante Leute von denen man doch eine Menge lernen kann. Daher hatte ich gefragt . Wenn das Kontaktinteresse also nicht nur von meiner Seite kommt,würde ich mich freuen noch mehr über Metallverarbeitung und den Legierungen lernen. Wie man zb seine eigenen Legierungen macht und halt das wissenschaftliche drumherum. Denn wir Mittelalter-Schmiede können zwar ein historisches Werkstück nachschmieden. Aber dann gleicht es ja nur vom Erscheinungsbild. Aber wie man jetzt die genaue Metallzusammensetzung hin bekommt damit es auch dem alten Original nahe kommt,haben die wenigsten aus unserer Szene drauf. Und wir wollen aber so authentisch wie möglich die Schmiedeeisernen Objekte herstellen. Und leider kommt man so selten an Leute dran die ein fundiertes Wissen darüber haben. Ich möchte so viel wie möglich lernen.Das ist alles. Weil es mir Spaß macht und ich Metallverarbeitung und die ägyptische Geschichte einfach nur klasse finde. 😀 und bisher habe ich auch von diesem tollen Blog viel gelernt. Was mich persönlich auch in meiner Arbeit am Tutanchamun-Comic weiter gebracht hat. Und wenn man dann auch noch wertvolle Infos von den Kommentertoren bekommt…dann kann ein wissbwgieriger Mensch wie ich nicht anders…. Ich möchte einfach mehr lernen und erfahren 😀

  • Anne Hesmer

    Aya. vielen Dank für diesen Link zur Livescience. Interssant zu sehen,von wo ihr die ganzen Infos her habt. (Und wenn man während der Zusammenfassung die Texte auch noch übersetzen muss…schleicht sich schnell mal ein Tippfehler ein.) 😉 Passiert nicht nur dir,Selket. Mir passiert das auch. Vor allem,wenn ich für eine Mitteilung mehrere Satzbaumöglichkeiten im Kopf habe. Dann kommt ein Kaudawelsch bei raus,wenn ich nicht aufpasse.

  • Stahlknecht

    Liebe Foristen.
    Leider habe ich diese spannende Seite erst heute entdeckt. Zum Thema Metallurgie/Metallkunde/Metallografie könnte ich evt. etwas beisteuern, da ich mich mit diesem Thema seit fast 40 Jahren beruflich, in der Forschung eines deutschen Stahlproduzenten, beschäftige.
    Zum Inhalt:
    Gerade Elemente wie Co, Ni und Cu brennen bei der Verzunderung kaum ab und reichern sich relativ an. Entgegen dem Verhalten von sauerstoffaffineren Elementen wie Si, Cr, Al, usw. welche neben dem Fe in die Oxidation gehen, nicht nur bei der Hochtemperaturoxidation, sondern auch bereits bei Raumtemperatur (20°C). Gerade dieses Verhalten bei geringen Temperaturen führt zur Ausbildung stabilen und dichter Oxidschichten (Cr-Oxid /Cr/Fe-Spinell) welche aufgrund ihren geringen Leerstellendichte sowohl die Diffusion des Sauerstoffs durch das Oxid an das Metall als auch des Metalls durch die Oxidschicht an den Sauerstoff stark verlangsamen. Folge: das Besteckt in der Küchenschublade rostet nicht.
    Zurück zum Co und Ni: Im Nachgang einer RFA, welche eine reine Elementanalyse ist, könnte die Isotopenverteilung besagter Elemente hier für Aufklärung sorgen. Da diese einen recht eindeutigen Fingerabdruck darstellt und häufig Aufschluss zur Herkunft liefern kann.

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