Die Leiden eines jungen Mannes – Mumien-Scan bringt seltene Krankheit ans Tageslicht

Die Forscher staunten nicht schlecht, als sie im Sarkophag einer Priesterin namens Kareset die Mumie eines Mannes fanden. Noch dazu hatte dieser an einer sehr seltenen Krankheit gelitten, die sein kurzes Leben zu einem Martyrium gemacht haben muss, wie Untersuchungen der Mumie im Museum von Zagreb, Kroatien, ans Tageslicht brachten.

Eine Erklärung, warum im Sarkophag einer Frau die Mumie eines Mannes lag, war schnell gefunden: Wahrscheinlich haben findige Händler des 19. Jahrhunderts einfach die Mumie des Mannes in den Sarkophag gesteckt, um den Verkaufspreis zu steigern.


Für die Untersuchungen wurde die Mumie einer Kernspintomographie unterzogen, was bei einer Mumie sehr ungewöhnlich ist, denn der Körper enthält keinerlei Flüssigkeit mehr. Doch neueste Techniken lassen jetzt auch die Scans von ausgetrocknetem Gewebe zu. Durch Kernspintomographien lassen sich Organe viel besser darstellen als bei anderen Möglichkeiten der Radiologie.

Der Mann lebte vor ca. 2900 Jahren und starb schon in den frühen 20ern an einer seltenen Krankheit namens Hand-Schüller-Christian-Syndrom. Dabei kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung der so genannten Histiozyten-Zellen aus dem Knochenmark, die sich in Geweben und Organen ausbreiten und diese beschädigen. Diese Art von Krebserkrankung ist sehr selten und tritt unter 560 000 jungen Erwachsenen (meist bei Männern) nur einmal auf. Was die Ursachen dieser Krankheit sind, wissen die Forscher nicht. Heute kann sie durch eine Chemotherapie behandelt werden, in antiker Zeit verlief sie immer tödlich.

Die Krankheit verursachte schwerwiegende Schäden im Körper des jungen Mannes. Sie zerstörte Teile des Skeletts und hinterließ böse Wunden an Rückgrat und Schädel. Der Schädel sieht auf den Scans so aus, als ob ein großes Loch in ihm klaffen würde. Ein Teil seiner Augenhöhle war ebenfalls zerstört. Obwohl einige Wunden in ihrem Ausmaß auch von der Einbalsamierung stammen könnten, muss der Mann vor seinem Tod wahnsinnige Schmerzen gehabt haben. Auch sein äußeres Erscheinungsbild war entstellt – insbesondere in der letzten Phase seiner Krankheit.

Die Scans zeigen zudem die Sella Scurcia, eine Vertiefung der Schädelbasis, wo die Hirnanhangdrüse sitzt, in einem flachen Zustand, der wahrscheinlich ebenfalls von der Krankheit ausgelöst wurde. Der Mann könnte daher auch an der Diabetes Insipidus (führt zu einer extrem hohen Harnausscheidung) gelitten haben. Er hätte dann die ganze Zeit ein extremes Durst- und Hungergefühl gehabt und hätte dazu noch ständig uriniert, was seinen Zustand zusätzlich verschlechterte.

Für die Wissenschaft ist die Krankheit des Mannes von großer Bedeutung. Einige Forscher glauben, dass es wegen der kurzen Lebenserwartung kaum Krebsfälle in antiker Zeit gegeben hat. Andere wiederum sind der Meinung, dass Krebs viel häufiger die Todesursache gewesen ist, als bisher angenommen wird, aber es halt sehr schwierig ist, Krebs bei Menschen aus antiker Zeit festzustellen.

Die Mumie ist mittlerweile die dritte aus dem alten Ägypten, an der das Hand-Schüller-Christian-Syndrom festgestellt werden konnte. Krebs schien damals also genau so weit verbreitet zu sein wie heute, so das Fazit der Wissenschaftler.

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