Drama am Nil (Teil 2) – Ramses III. von mehreren Angreifern getötet

Pharao Ramses III. erlangte nicht nur wegen seiner Bautätigkeit einige Berühmtheit (u.a. sein Totentempel in Medinet Habu), sondern insbesondere auch wegen eines Frevels, der bis dahin einzigartig in der Geschichte Ägyptens war. Der Pharao wurde das Opfer einer großen Haremsverschwörung. Angeführt von seiner Nebenfrau Tiye, die lieber ihren eigenen Sohn auf dem Thron Ägyptens sehen wollte.
Erst in den vergangenen Jahren fanden Forscher Belege dafür, dass dieses durch Gerichtsakten belegte Komplott den Pharao höchstwahrscheinlich das Leben kostete.

Der ehemalige Leiter der ägyptischen Altertümer Zahi Hawass untersuchte zusammen mit der Radiologin der Kairoer Universität Sahar Saleem die königlichen Mumien der 18. bis 20. Dynastie und konnte neue Erkenntnisse über das Attentat an Ramses III. gewinnen.


Schwere Verletzungen nach Attentat

Die Mumie des Pharaos weist einige Verletzungen auf, die nur durch das Attentat entstanden sein konnten. Schon länger war bekannt, dass seine Kehle aufgeschlitzt wurde, was offensichtlich zu seinem Tod geführt hatte (siehe auch „Drama am Nil – Ramses III. wurde die Kehle durchgeschnitten„). Jetzt fanden Hawass und Saleem heraus, dass ein Attentäter Ramses III. zusätzlich einen Zeh abgehackt hatte. Der Angreifer attackierte den Pharao wahrscheinlich mit einer Axt von vorne, während ein anderer ihn von hinten mit einem Dolch oder Messer die Kehle durchgeschnitten hatte.

Ramses III. von mehreren Angreifern getötet

Füße und Hals liegen anatomisch gesehen sehr weit voneinander entfernt. Auch die Form der gebrochenen Zehenknochen weisen darauf hin, dass sie von einer anderen Waffe als am Hals verletzt wurden, so Saleem zu der LiveScience.
An dem großen Zeh sind keinerlei Anzeichen von Heilung zu sehen, der Pharao muss also direkt verstorben sein, sagt Saleem weiter.

Damit der Pharao im Jenseits vollständig war und seinen Zeh auf magische Weise zurückerhielt, ersetzten die Einbalsamierer ihn durch eine Prothese aus Leinen. Die Prothese blieb lange Zeit unbemerkt, weil die Füße Ramses III. mit einer dicken Leinenschicht und Unmengen von Harz an dem Körper festgeklebt waren. Als im späten 19. Jh. ein Mitarbeiter des Ägyptischen Museums Kairo die Mumie Ramses III. entwickelte, war es ihm nicht möglich, die dicken Leinenschichten an den Füßen zu entfernen. Heute sind solche Methoden glücklicherweise nicht mehr notwendig. Genaue Einblicke in die Mumien geben mittlerweile hochauflösende CT-Scanner.

Die Ergebnisse der Scans von Ramses III. und der anderen Mumien sind in dem Buch „Scanning the Pharaohs: CT Imaging of the New Kingdom Royal Mummies“ (American University in Cairo Press, 2014 (und nicht 2016 wie die LiveScience schreibt) erschienen.

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3 Kommentar(e)

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  • Anne Hesmer

    Oh..Das mit dem Zeh ist mir neu.. Ich hatte dieses Thema auch verfolgt. U.a. auch über Spiegel usw . Es wurde immer gesagt dass Prinz Penawere der alleinige Mörder sein soll. Jetzt wirds echt interessant. Da ja auch die Gerichtspapyri noch erhalten sind und nur er als Mörder erwähnt wird,(so wie es in den veröffentlichten Zusammenfassungen erwähnt wird) stellt sich mir die Frage:Wer sind der/die Komplize (n) des Prinzen. Diener? Wachen? Oder von Tiye angeheuerte Leute. Und..was bezweckte der Täter mit der Annahme des Zehs?

  • mckracken

    So ein Harem hat auch seine Nachteile wie man sieht…

  • Anne Hesmer

    Jepp. .. Muss ich dir recht geben. Aber Prinz Penawere hatte nicht wirklich was davon. Und Königin Tiye auch nicht. Soweit ich weiß wurde ja Penawere verurteilt. Und hat sich laut gerichtsakte erhängt. Ich würde zu gerne mal die komplette Übersetzung dieser Gerichtspapyri einsehen.

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