In dieser Mumienkartonage befanden sich tatsächlich die skelettierten Überreste einer Katze
© Manchester Museum, The University of Manchester

Hunderte von Tiermumien entpuppten sich als Fälschung

Seit der Spätzeit Ägyptens waren Tieropfer gang und gäbe. Mit ihren Opfer richteten sich die Menschen mit ihren Gebete an die Götter und erhofften sich Gehör für ihre Sorgen und Wünsche. Die Priester machten daraus ein einträgliches Geschäft und verkauften den Pilgern massenhaft mumifizierte Opfertiere. Dass dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zu ging, war schon vorher bekannt. Bisher unbekannt war die Dimension, in der gefälschte Tiermumien unter das Volk gebracht wurde.

Die Universität Manchester hat über 300 Tiermumien aus mehreren Museen in England einer Computertomografie unterzogen. Bei gerade einmal ein Drittel aller Mumien fanden die Forscher Tierskelette. Ein weiteres Drittel enthielt immerhin teilweise Überreste von Tieren. Das letzte Drittel bestand nur aus Federn, Eierschalen, Nester sowie Hölzer und Erdklumpen.

© Manchester Museum, The University of Manchester

© Manchester Museum, The University of Manchester

Trotz der Menge glauben die Forscher aber nicht unbedingt an eine arglistige Täuschung seitens der Priester. Die Ägypter haben schätzungsweise mehr als 70 Millionen Tiermumien vom 800 v. Chr. bis in die römische Epoche geopfert. Die Nachfrage war so hoch, dass die vermutlich eigens dafür eingerichteten Zuchtstätten einfach nicht mehr hinterherkamen. Für die Ägypter waren Teile von Tieren, wie Federn oder Eier vielleicht genauso wirksam beim Gebet, wie ein komplett mumifiziertes Tier. Zumindest würde das erklären, warum die „Fake“-Mumien genauso sorgfältig eingewickelt waren wie die richtigen Tiere.


Ab dem 08. Oktober 2015 präsentiert das Manchester Museum die Ergebnisse ihrer Forschungsberichte in einer in der Größe bisher einmaligen Ausstellung „Gifts for the Gods“. Vorab strahlte die BBC eine Dokumentation über das Projekt aus, die hoffentlich auch bald in Deutschland zu sehen sein wird.

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