Klimaforschung mit Biss – Mumienzähne erzählen von Dürren im alten Ägypten

Bilder von ausgehungerten Menschen, Berichte über Kannibalismus: Vor etwa 5000 Jahren, als die Epoche der Pyramiden (das Alte Reich) dem Untergang geweiht war, muss eine große Dürre über Ägypten geherrscht haben. Da waren sich viele Wissenschaftler bislang einig. Aber sogar im Laufe der Jahrhunderte soll das Klima in Ägypten immer trockener geworden sein. Dies wollen Wisssenschaftler mit ungewöhnlichen Hilfsmittel herausgefunden haben: mit Mumienzähnen.

Das Niltal muss im Zeitraum zwischen 5500 v. Chr. und 1500 v. Chr. immer mehr ausgetrocknet sein, so ein Autor der Studie, der Geochemiker Christophe Lecuyer. Also genau zu der Zeit, in der Ägypten seine Anfangs- und Blütezeit durchlebte. Lecuyer ist fasziniert von der langen Stabilität des ägyptischen Imperiums, obwohl die Bevölkerung unter den landwirtschaftlichen Folgen der Dürreperioden gelitten haben muss.

Während die Dürreperiode am Ende des Alten Reiches durchaus schon bekannt war, konnten durch Untersuchungen von Mumienzähnen auch eine weitere Zeit der Trockenheit im 6. Jh. vor Christus ausgemacht werden.


Die Klimadaten wurden von Zähnen ägyptischer Mumien aus dem Musée des Confluences de Lyon in Frankreich entnommen. Die Forscher bohrten kleine Mengen aus dem Zahnschmelz mehrer Zähne und untersuchten ihn auf Sauerstoff und Strontium Isotope.
Die Mumienzähne zeigen die Relation zweier Sauerstoff-Isotope (Sauerstoff Atome mit einer unterschiedlichen Anzahl an Neutronen) in der Nahrung und dem Trinkwasser, in diesem Fall dem Nilwasser, sagte Lecuyer. Verlagerungen im Isotopenverhältnis weisen auf ein verändertes Niederschlagsmuster in der Region hin. Die Untersuchungen können keine Momentaufnahme machen, sondern nur Aussagen über einen längeren Zeitraum treffen.

Durch die Isotope können die Forscher auch in Erfahrung bringen, was die Menschen zu der Zeit gegessen haben. Weitere Studien über die ägyptische Ernährung im Laufe der Zeit sollen bald veröffentlicht werden. Eine davon besagt, dass die immer größer werdene Trockenheit keinen Einfluss auf die ägyptische Bevölkerungszahl und Getreideproduktion hatte, so Lecuyer. In einem Zeitraum von fast 4000 Jahren gab es keinerlei Ernährungsumstellungen.

Das Niltal war nicht die einzige Gegend in Nordafrika, in der Dürren auftraten. Die Sahara-Wüste war einst eine fruchtbare Savanne, aber das Klima dort änderte sich vor etwa 5000-7000 Jahren und die Gegend wurde immer trockener, bis sie schließlich zu einer Wüste wurde. Die Menschen, die damals dort gelebt haben, flüchteten vor der Dürre und siedelten in das fruchtbare Land am Nil um.

Die Ergebnisse der Untersuchungen der Mumienzähne wurden am 2. Juni im Journal „Earth and Planetary Science Letters“ veröffentlicht.

Quelle:
NBC News

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