Mumie C4 aus dem Grab KV31 mit Röntgenbild der langen Beinknochen. © Univ. Basel, Egyptology, UBKVP

KV31 im Tal der Könige beherbergt fünf Mumien

Wissenschaftler der Universität Basel [sowie der Universität Zürich und der Amerikanischen Universität Kairo (ergänzt am 8.10.15)] haben die Ergebnisse von Untersuchungen veröffentlicht, die sie an Überresten der Mumien aus dem Grab KV31 im Tal der Könige gemacht haben. Obwohl die Mumien namenlos sind und bisher auch nur wage datiert werden konnten, geben die Untersuchungen doch wichtige Einblicke in die Mumifizierungspraxis von Adligen während der 18. Dynastie und späterer Epochen.

Seit 2009 gibt es das „The University of Basel Kings Valley Project“ (UBKVP). Es untersucht im Tal der Könige dasjenige Seitental, an dessen Ende das berühmte Grab von Thutmosis III. liegt. In diesem Areal liegen einige nicht-königliche Gräber aus der Zeit nach dem Neuen Reich, als das Tal auch von gutsituierten Bürgern als Nekropole genutzt wurde. Größter Erfolg des Basler Projekts war 2011 die Entdeckung eines neuen, unbekannten Grabes (KV64), das einer Sängerin des Amun mit dem Namen Nehmes Bastet gehörte. Insgesamt liegen damit 12 nicht-königliche Gräber im Konzessionsgebiet des Schweizer Teams.


Konzessionsgebiet des »The University of Basel Kings Valley Project« im Tal der Könige. © Univ. Basel, Egyptology, UBKVP

Konzessionsgebiet des »The University of Basel Kings Valley Project« im Tal der Könige. © Univ. Basel, Egyptology, UBKVP

Im Jahr 2010 begann das Team um Missionschefin Susanne Bickel und Grabungsleiterin Elina Paulin-Grothe damit, das Grab KV31 freizulegen und zu erforschen. Von diesem Grab war ursprünglich nur der obere Rand des Grabschachts zu erkennen, weil es komplett mit Sand und Schutt gefüllt war. Giovanni Belzoni soll es im frühen 19. Jh. gefunden haben. Dennoch war über das Grab nichts bekannt, nicht einmal einen groben Grundriss gab es.

Dank der Schweizer Forscher hat sich das nun geändert. Der senkrechte Grabschacht (A) ist 5m tief und endet in einem Raum (B), von dem in südlicher und westlicher Richtung zwei weitere Räume (C+D) abzweigen. In diesen beiden Räumen, insbesondere in Kammer C, fanden sich Teile von fünf verschiedenen Mumien sowie Bruchstücke von Kanopen. Bei der Untersuchung der Mumienteile war es die erste Aufgabe, die verschiedenen Fragmente zu sichten und zuzuordnen, bis man – wie bei einem Puzzle – die fünf Körper so weit wie vorhanden zusammengesetzt hatte.

KV31: Grundriss und Raum C mit Fundstellen. © Univ. Basel, Egyptology, UBKVP

KV31: Grundriss und Raum C mit Fundstellen. © Univ. Basel, Egyptology, UBKVP

Das Grab wurde anscheinend schon in der Antike von Grabräubern heimgesucht. In späteren Epochen wurde es dann wiederverwendet, doch auch diese neuen Gräber wurden wieder geplündert. Dabei gingen die Räuber nicht sehr sorgsam vor sondern rissen die Mumien aus ihren Bandagen und nahmen alles auch nur halbwegs Wertvolle mit. So findet sich keine Inschrift und kein Amulett, nicht einmal mehr ein Stückchen Holz – von Sarkophagteilen ganz zu schweigen – mehr im Grab, denn auch Holz war in vielen Zeiten ein wertvoller Rohstoff.

Es gibt daher auch keinen einzigen Hinweis auf die Identitäten der fünf Mumien. Die Qualität der Keramikfragmente lässt jedoch auf einen hohen sozialen Status schließen. In der Mitte der 18. Dynastie wurden im Tal der Könige auch Mitglieder der Königsfamilien und Mitglieder der königlichen Gefolgschaft begraben. Mit Hilfe von DNA-Analysen möchte man in Zukunft herausfinden, ob die Mumien untereinander oder mit bekannten Königsfamilien verwandt sind.

Alle fünf Toten waren sorgfältig mumifiziert worden. Die Armpositionen entsprechen denen, die im Neuen Reich bis hin zur 3. Zwischenzeit Anwendung fanden: seitlich neben dem Körper bei Frauen und über dem Becken bei Männern. Eine der Mumien hatte die Arme über der Brust gekreuzt, die einzige dazu verbliebene Hand sieht aus, als habe sie einmal etwas gehalten. Dies war die typische Haltung, mit der im Neuen Reich die Pharaonen bestattet wurden. Mit den gekreuzten Armen hielt der Pharao normalerweise Geißel und Krummstab in den Händen. In späteren Epochen ließen sich aber auch Bürgerliche in dieser Position bestatten.

Die Forscher konnten bisher nur Röntgenaufnahmen in situ (also an Ort und Stelle) mit einem kleinen, mobilen Röntgengerät machen. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sollen folgen. Neben den bereits angesprochenen DNA-Tests zur Klärung von Verwandtschaftsfragen könnten auch CT-Scans bei der Bestimmung des Alters und Geschlechts der Mumien helfen. Ebenso wird eine C14-Datierung angestrebt, um sie mit anderen Mumien der 18. Dynastie vergleichen zu können.

Quelle: BioMed Research International

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  • Ulrich Langner

    Ich bin ungern destruktiv, aber – hat BILD mit den Toten gesprochen ?

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