Zwei Paviane rechts und links neben einem Udjat-Auge (oben). Foto: Anne Austin

Mumie mit aufwändigen Tattoos in Deir el-Medina

An einer etwa 3000 Jahre alten Mumie entdeckte Anne Austin, Bioarchäologin an der kalifornischen Stanford Universität, eine Reihe von ungewöhnlichen Tätowierungen, die Gegenstände darstellen. Es handelt sich angeblich um die ersten tätowierten Darstellungen von Tieren und Pflanzen auf einer ägyptischen Mumie aus der dynastischen Zeit. Die Tattoos hatten vermutlich eine religiöse Bedeutung.

Anne Austin entdeckte die Tätowierungen, als sie für das Französische Institut für orientalische Archäologie (IFAO – Institut français d’archéologie orientale) verschiedenene Mumien aus Deir el-Medina untersuchte. In diesem Dorf, nahe dem heutigen Luxor, wohnten die Arbeiter und Künstler, die in den benachbarten Tälern die Königsgräber herstellten.


Infrarot macht Unsichtbares sichtbar

Infrarotbilder zeigen sonst unsichtbare Tattoos. Foto: Anne Austin

Infrarotbilder zeigen sonst unsichtbare Tattoos. Foto: Anne Austin

Nachdem Austin zuerst dachte, die Zeichnungen am mumifizierten Torso einer Frau aus der Zeit zwischen 1300 und 1070 v.Chr. seien aufgemalt, stellte sie bei näherer Betrachtung fest, dass es sich doch um Tätowierungen handelte. Insgesamt fand sie schließlich über 30 solcher Tattoos an dieser Mumie.
Einige davon waren mit bloßem Auge nicht zu erkennen, da die Haut durch die Mumifizierungsharze sehr dunkel geworden war. Austin benötigte daher Infrarotbilder, um auch an diesen Stellen die Tätowierungen finden zu können. Später wurden die Bilder digital gestreckt, um die Verformungen durch den Trocknungsprozess bei der Mumifizierung auszugleichen.

Horus-Augen gegen den »bösen Blick«

Unter den Tattoos sind viele sogenannte Horus- oder Udjat-Augen, denen eine magische Schutzwirkung zugesprochen wurde. Diese fanden sich vor allem an Hals, Nacken, Schultern und Rücken der Toten. Von welcher Seite man diese Frau zu Lebzeiten auch angesehen habe, stets hätte mindestens ein göttliches Augenpaar zurückgeschaut, sagte Austin dem Wissenschaftsjournal »nature«. Andere Tattoos zeigten Lotusblüten an den Hüften, Kühe an den Armen und Paviane auf dem Nacken der Mumie.

Zwei tätowierte Kühe auf dem Arm der Mumie. Foto: Anne Austin

Zwei tätowierte Kühe auf dem Arm der Mumie. Foto: Anne Austin

Zwar habe man in der Vergangenheit auch auf anderen ägyptischen Mumien bereits Tätowierungen gefunden, aber das seien stets Muster aus Strichen und Punkten gewesen. Dass hier Tiere und Pflanzen dargestellt seien, habe man so noch nicht gesehen, sagte Emily Teeter, Ägyptologin an der Chicago Universität. Sie und ihre Kollegen seien sprachlos gewesen, als sie von dieser Entdeckung erfuhren.

Vermutlich kultische Bedeutung der Tattoos

Die Darstellungen hatten vermutlich eine magische oder religiöse Bedeutung. Kühe wurden bspw. im Kult der Göttin Hathor verehrt. Die Symbole auf dem Hals und den Armen sollten der Frau vermutlich magische Kräfte geben, während sie vielleicht bei Ritualen für die Göttin musizierte oder sang.

Einige der Tätowierungen waren blasser als andere und vermutlich zu einem früheren Zeitpunkt gestochen worden. Vielleicht erhielt die Frau mit zunehmendem Status immer neue Tattoos. Das Erstellen dieser Tätowierungen muss zeitaufwändig und an manchen Körperstellen auch äußert schmerzvoll gewesen sein, meint Austin. Dass die Frau sich diesem Prozess so häufig unterzog, kann als Beleg dafür gesehen werden, dass es sich eben nicht nur um bloßen Schmuck handelte, sondern dass die Bilder eine wichtige Funktion erfüllten.

Anne Austin hat in Deir el-Medina bereits drei weitere tätowierte Mumien gefunden und glaubt daran, dass mit moderner Technologie auch an anderen Mumien Tattoos entdeckt werden könnten. Zwar kann mit der Infrarottechnik nicht durch die Binden einer Mumie geblickt werden, aber laut Marie Vandenbeusch, Kuratorin am Britischen Museum in London, habe es im 19. Jh. ja eine Vorliebe der Europäer gegeben, ägyptische Mumien auszuwickeln. Dadurch habe man nun einige Mumien, an denen man solche Untersuchungen anstellen könne.

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  • Anne Hesmer

    Das find ich aus der Sichtweise eines Gothic „krass“. Mal so ausgedrückt. Als beobachtende Zeichnerin fallen mir somit immer mehr Dinge auf ,die in der Mode und Art zu schminken in der Gothic-Szene gleichermaßen auftauchen, was auch die Menschen im alten Ägypten getragen haben. Und das mit den Tattoos ist der Oberhammer. Klar,dass die „modernen Menschen“ sich eher aus der Laune heraus Bilder auf die Haut stechen lassen. Und manchmal total schräge Motive wählen. Aber das sind halt die Geschmäcker . Ich bin auch der Meinung, dass die Tattoos eher unterstützend zu den Amuletten die Person schützen sollten. Ich finde so ein Tattoo ist auch gleich was ganz anderes,persönlicheres,wenn es eine für den Träger tiefe Bedeutung hat,als wenn es bloß „nur“ ein Bild ist. ich selbst habe leider noch keine. Aber da ich sie selber entwerfe und jetzt hier mal historische Originale sehe…sie sind sich ähnlich. Meine Entwürfe sind auch ägyptischen Ursprungs. „^^ Wenn Anne noch an den ausgewickelten Mumien der Pharaonen Tattoos entdeckt… bin ich gespannt. Und wie aufwendig diese dann sind? Sehr interessant. Zudem diese Infrarotbilder den Mumien nicht schaden:-D:-D

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