Ob Cheops' Baumeister es so gemacht haben? Foto: Andreas Fischer für Uni Kassel

Neue Theorie zum Verschluss der Pyramidengrabkammer getestet

Der Zugang zur Grabkammer des Cheops in seiner berühmten Pyramide, dem letzten erhalten gebliebenen Weltwunder, war mit tonnenschweren Felsblöcken aus Granit verschlossen. Doch wie wurde das vor 4500 Jahren auf engstem Raum gemacht? Ein Wissenschaftler der Uni Kassel hat die Machbarkeit seiner Theorie mit einem 1:1 Nachbau-Modell nun bewiesen.

Ähnliche Konstruktion in Meidum

Prof. Uwe Dorka vom Institut für konstruktiven Ingenieurbau forscht schon seit Jahren auch zu Bauwerken der Antike. So entwickelte er z.B. für griechische Tempel ein Erdbeben-Sicherungssystem. Seine Theorie dazu, wie die altägyptischen Baumeister der Cheopspyramide das Problem mit den schweren Verschlussblöcken lösten, beruhe durchaus auf archäologischen Befunden, betont Dorka. In einer älteren Pyramide in Meidum waren ähnliche mit Kupferblechen beschlagene Rundbalken gefunden worden, wie jene, die er nun in seinem Experiment verwendete. Die Kupferbleche sollten den Holzbalken schonen und für eine gleichmäßige Reibung sorgen.


Prof. Dorka hatte mit seinem Team die Fallsteinkammer, also den Übergang von der sogenannten „Großen Galerie“ zur Grabkammer innerhalb der Cheops-Pyramide, in ihren Abmessungen maßstabsgetreu nachgebaut. Drei Granitblöcke – jeder 2,5 Tonnen schwer – hängte er hintereinander an Hanfseilen auf, die über dicke Rundbalken liefen, welche untereinander durch eine komplizierte Seilkonstruktion verbunden waren. Die Rundbalken selbst drehten sich dabei nicht – so leistungsfähige Drehlager hatte man damals nämlich noch nicht. Vielmehr wurde mit der Reibung gearbeitet, welche die dicken Seile beim Rutschen über die Kupferbleche erzeugten.

Nur 2 Mann für 7,5 Tonnen

Mit nur zwei Personen konnten die drei Blöcke im Experiment am vergangenen Freitag langsam und ohne große Kraftanstrengung gleichzeitig abgesenkt werden. Nach Dorkas Ansicht war dieses Verschließen nämlich ein rituell bedeutsamer Akt, der nicht mit einer Hau-Ruck-Methode vollzogen wurde, indem man bspw. die Blöcke einfach herunterkrachen ließ. Seiner Meinung nach wurden sie langsam und mit an Zauberei grenzender Leichtigkeit an ihren endgültigen Platz befördert.

Ob man in der Cheops-Pyramide tatsächlich mit dieser Technik gearbeitet hat, lässt sich nicht sicher sagen. Das Experiment der Kasseler Wissenschaftler beweist aber, dass es mit den damals vorhandenen Techniken und Materialien möglich war, die zusammen 7,5 Tonnen schweren Blöcke langsam und zielsicher abzusenken. Alle Ingenieurskunst der alten Baumeister war aber letzlich doch umsonst: Die Grabkammer wurde schon in der Antike beraubt.

Ein kurzes Video, das die Balken- und Seilkonstruktion zeigt, und in dem das Knirschen der Seile deutlich zu hören ist, hat die Uni Kassel auf ihre Facebookseite gestellt.

Nachtrag:
Inzwischen gibt es auch einen kurzen TV-Beitrag aus der Sendung Hessenschau.

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