Ägypten kämpft um seine Altertümer

In dieser Woche häuften sich die Meldungen über Ägyptens Bemühungen, seine gestohlenen Altertümer wieder zurückzuerlangen. Ein besonderer Dorn im Auge sind dem ägyptischen Antikenministerium ausländische Auktionen, in denen die seit der Revolution 2011 gestohlenen Altertümer nach Meinung der Regierung versteigert werden. Doch auch in Ägypten selbst gibt es Bemühungen, die sich insbesondere auf den Raubzug des Mallawi Museums konzentrieren. Die Woche wurde sogar eine gemeinsame Pressekonferenz von Archäologen, Architekten und Aktivisten abgehalten, um auf die prekäre Situation der ägyptischen Altertümer hinzuweisen.

Ausländische Auktionen als neues Ziel

Das Antikenministerium hat bei der Wiederbeschaffung von ägyptischen Altertümern eine Auge auf ausländische Auktionshäuser geworfen. Auktionshäuser aus aller Welt werden von dem Ministerium nun genau beobachtet, wie Ahram Online schreibt. Das Ministerium stoppte die Auktionen zweier isralischer Auktionshäuser, die insgesamt 126 ägyptische Artefakte im Programm hatten. Nun soll überprüft werden, inwieweit es sich um gestohlene Ware handeln könnte. Das nächste Ziel ist nun eBay London, in dem zur Zeit über 800 altägyptische und islamische Artefakte zum Verkauf angeboten werden. Es soll ein offizielles Schreiben an den englischen Außenminister aufgesetzt werden, um die Auktionen zu stoppen und die dort angebotenen Objekte näher untersuchen zu können.


Weiterer Fahndungserfolg in Mallawi

Nach dem Fleischer, der gestohlene Ware an einen verdeckten Ermittler verkaufen wollte (wir berichteten), ist dies nun schon der zweite Dieb des Mallawi-Museums, den man quasi auf frischer Tat, sozusagen mit dem Diebesgut unterm Arm, schnappen konnte. Bei den sichergestellten Objekten handelt es sich um 13 Stücke aus sowohl altägyptischer wie auch aus griechisch-römischer Zeit, die nach ersten Untersuchungen wohl sicher aus dem Mallawi-Raub stammen, darunter eine Statue der Göttin Hathor, eine Sammlung von Terrakotta-Köpfen griechischer Götter, verschiedene Statuen aus Ton und Sandstein sowie Lampen und Werkzeuge aus Stein.

Wie Minister Mohamed Ibrahim in Ahram Online verlauten ließ, zeigt dieser Erfolg, dass man der Aufklärung der Museums-Plünderung noch immer mit aller Kraft nachgehe. Insgesamt sollen nun schon 457 der 1049 Objekte wiederbeschafft sein.

„Save Egypt’s Heritage for its Future“

Laut offiziellen Mitteilungen wurden insgesamt 2000 Artefakte gestohlen. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weitaus höher. Auf der Pressekonferenz mit dem bezeichnenden Titel „Save Egypt’s Heritage for its Future“ wurde dann auch mal wieder Kritik an dem laschen Sicherheitssystem laut, das von teilweise organisierten und schwer bewaffneten Banden ausgenutzt wird. Sogar Kinder werden für die Ausgrabungen vorgeschickt. Alleine 20 Kinder starben dieses Jahr dabei. Auch diese Dunkelziffer ist wahrscheinlich viel höher. Ein anderes Problem sind die Stätten, wo nie wissenschaftlich korrekt ausgegraben wurde, wie um die Sphinx herum, in Abusir oder in Sakkara. Hier werden Artefakte ausgegraben und gestohlen, die nie wissenschaftlich dokumentiert wurden und somit verloren sind, so die Archäologin Monica Hanna, die bei der Pressekonferenz zu Wort kam.

Des Weiteren sind die archäologischen Stätten teilweise zugemüllt oder werden mutwillig zerstört. Diese Woche machten Bilder die Runde, die illegale Ausgrabungen in der Nähe von Gizeh zeigte. Auf der archäologischen Stätte von Gebelein in Luxor rückten Einheimische mit einem Bulldozer an, wie auf Egypt’s Heritage Task Force zu sehen ist.
Doch auch die Regierung gäbe ein schlechtes Vorbild ab, wie der Bau eines Marktes auf zwei antiken Tempeln in Al-Mattareya belegt.

Hanna sieht das Problem bei der fehlenden Beziehung des ägyptischen Volkes zu seinen Altertümern. In den letzten 30 Jahren, vor allem in den letzten 10 Jahren unter Zahi Hawass‘ Leitung, wurden die Ägypter von den Altertümern ferngehalten, so Hanna weiter. Hawass ordnete z.B. an, dass die archäologischen Stätten an Festen und öffentlichen Feiertagen aus Angst vor Vandalismus geschlossen bleiben sollten. Daher fingen die Ägypter an zu glauben, dass die Altertümer nur der Regierung und den Touristen gehörten, aber nicht ihnen selbst. „Sie begannen zu glauben, dass Archäologie eine ausländische Wissenschaft sei, die sie auf National Geographic sehen können, und nicht eine lokale“, so Hanna. Die Organisatoren wollen das Antikenministerium weiter unter Druck setzen, um Ägyptens Altertümer besser zu schützen und gestohlene Altertümer wieder zurückzubeschaffen. Am 24.10. soll die Öffentlichkeit bei einer weiteren Pressekonferenz über den Fall informiert werden.

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