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Ein Stück Luxor-Geschichte fiel der Abrissbirne zum Opfer

Auf dem Weg zum Luxor Museum sind sicherlich schon viele von uns an dem schönen Gebäude, dem Luxor Palast, vorbeigekommen. Der Luxor Palast lag direkt an der Corniche in Luxor und passte mit seiner prächtigen Fassade so rein gar nicht ins jetzige Stadtbild. Wahrscheinlich war dies der Grund, warum mir das Gebäude immer ins Auge fiel und vielleicht ging es einigen anderen auch so. Jetzt im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht ein einziges Bild von dem Palast aufgenommen habe, denn jetzt ist es nicht mehr möglich.  Letzte Woche kamen die Bagger und rissen das Haus ein.

Der Andraos Palast in Luxor vor seinem Abriss.
Bild: Elvira Kronlob

Tawfik Pasha Andraos – Abgeordneter unter König Faruk

Während der Regierungszeit unter König Faruk konnte der Abgeordnete Tawfik Pasha Andraos und seine Familie ein privilegiertes Leben führen. So war es ihm möglich, 1897 diesen wunderschönen Palast mit Blick zum Nil errichten zu lassen. Andraos war von 1923 bis 1935 Abgeordneter, niemand trat die Wahl gegen ihn an, so dass er drei Amtsperioden hintereinander in der Regierung blieb.

Unverheiratete Schwestern bewohnten den Stadtpalast bis zu ihrem Tode

Bis 2013 wohnten in dem Gebäude noch die beiden Töchter Andraos. Über 60 Jahre lebten Sofia und Louday dort zusammen; geheiratet hatten die Schwestern nie. Die beiden alten Damen gingen lediglich für den Kirchgang auf die Straße und führten ansonsten ein sehr zurückgezogenes Leben, welches am koptischen Weihnachtstag 2013 endete.

Zunächst berichtete man, dass die Schwestern ermordet wurden; ein Tor wäre aufgebrochen gewesen. Später wurde schließlich mitgeteilt, dass die Todesursache jeweils ein natürlicher Tod gewesen sei. Was nun im Endeffekt passiert ist, werden wir wohl nie erfahren.

Im Haus sollen sich früher viele Antiquitäten und Schätze befunden haben. Die Artefakte wurden vor ca. 20 Jahren in ein Magazin in Luxor gebracht.

Die Trauermesse für die beiden Schwestern fand in der Al-Sayeda Al-Adhraa Kirche in Luxor statt. Bestattet wurden sie neben ihren Familienangehörigen auf dem Friedhof Al-Karnak.

Gebäude stand jahrelang leer

Seit 2013 stand der Palast nunmehr leer und verfiel zusehend. Es ist einfach traurig, dass ein Haus mit einem historischen Hintergrund nicht instandgesetzt wurde. Die Kosten für eine Instandsetzung hätte man durch Eintrittsgelder wieder hereinholen können. Zumindest gucke ich mir alte Paläste gerne an. Dieses Gebäude erinnert mich ein wenig an das Schmuckmuseum in Alexandria. Auch dieser Palast in Alexandria wurde instandgesetzt und für die Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben und es war interessant zu sehen, wie Prinzessin Fatima Zahra früher wohnte und gleichzeitig konnte man Schmuck und andere kleine Antiquitäten der königlichen Familie betrachten.

Dr. Waziri vermutet Tempelüberreste aus der pharaonischen Zeit unter dem Gebäude

Dr. Mostafa Waziri, Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer im Ministerium für Tourismus und Altertümer, erklärte, dass sich das Haus auf dem Bezirk des Luxor Tempels befunden hätte. Ebenfalls teilte er mit, dass der Palast Risse im Gemäuer aufwies und einsturzgefährdet gewesen sei, da unterhalb des Gebäudes illegale Grabungen vorgenommen wurden. Laut Dr. Waziri könnten sich unter dem Gebäude Überreste eines Tempels aus pharaonischer Zeit befinden. Ende August 2021 wurde das Haus abgerissen. Wenn der Bauschutt abgetragen ist, sollen die nächsten Monate offizielle Grabungen seitens der Regierung stattfinden. Wir dürfen gespannt sein, ob in der Tat etwas von archäologischem Wert ans Tageslicht kommen wird.  Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass immer wieder durch Zufall Relikte aus der Pharaonenzeit so gefunden werden.

4 Gedanken zu „Ein Stück Luxor-Geschichte fiel der Abrissbirne zum Opfer“

  1. Jedes Mal, wenn ich in Luxor war, habe ich es bedauert, dass man diese schöne Villa so verkommen lässt. Das bezieht sich leider auch auf andere Häuser aus der Kolonialzeit in Luxor und Assuan. Wenn ich auf alten Fotografien von Assuan all die nicht mehr bestehenden Hotels sehe, tut es mir leid, dass ich diese Zeit nicht miterlebt habe. Ägypten versteht einfach nicht, dass genau diese Architektur ein Anziehungspunkt für Touristen aus Europa wäre. Schade…….

  2. Es ist sehr schade, dass solche Gebäude nicht renoviert und erhalten werden. Aber dies findet nicht nur in Luxor statt, sondern Weltweit, dass historische Gebäude durch die Abrissbirne verschwinden.
    Einziger Lichtblick ist, dass eventuell Funde aus pharaonischer Zeit ausgegraben werden.

  3. Ich kann mich auch an diese Villa erinnern.
    Sehr schade darum. Ein Stück Stadtgeschichte geht verloren.

  4. Einheimische haben mir kurz nach der Tat erzählt, daß die beiden alten Damen tot in einer Blutlache gefunden wurden.
    Der Mord war eigentlich klar, wohl wegen den Schätzen, die man im Haus vermutete.
    Bezeichnend sind die illegalen Grabungen unter dem Haus (sicherlich nur mit stillem Einverständnis von Sicherheitskräften möglich) die das Haus unterminierten und den Abriss erst möglich machten.
    Von einem natürlichen Tod zu sprechen, entspricht auch dem damaligen Verhalten von DDR-Behörden.

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