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Größtes Open-Air Museum kurz vor der Eröffnung

Ägypten trifft die letzten Vorbereitungen für die feierliche Eröffnung des Großen Prozessionsweges in Luxor, auch El-Kebash Road genannt, der den Luxor-Tempel und den Karnak-Tempel verbindet. Die ägyptische Regierung und die Tourismusbehörde, beide im Kampf um Touristen noch nie um Superlative verlegen, nennen Luxor mit diesem Projekt das größte Open-Air Museum der Welt.

Der 2,7 km lange Prozessionsweg, den es schon in antiker Zeit gab und der nun quer durch Luxor wieder aufgebaut wurde, war ein in der Bevölkerung zunächst sehr umstrittenes Projekt, weil auf der gesamten Länge die Wohnhäuser, Kirchen und Moscheen abgerissen werden mussten, die in den letzten Jahrhunderten darauf gebaut worden waren. Es wurde eine regelrechte Schneise durch die ganze Stadt geschlagen, um diesen alten Prozessionsweg wieder frei zu machen (wir berichteten).

Bau der Sphingenallee 2012 quer durch Luxor

Der insgesamt 2700 m lange Weg wurde mit großen Sandsteinplatten ausgelegt und rechts und links mit mehr als 1200 Sphinx-Statuen bestückt. Tourismus- und Antikenminister Khaled El-Enany betonte kürzlich allerdings, dass entlang des Weges auch andere architektonische Elemente aus unterschiedlichen Epochen zu bewundern sein sollen.

Kahlschlag durch die Stadt. Ein Blick von der Mitte der geplanten Sphingenallee nach links und rechts (Jan. 2019)

Die Einweihung des Prozessionsweges soll im November mit einem Festival gefeiert werden. Laut Mustafa el-Saghir, dem Direktor des Karnaktempels und oberstem Aufseher des Projekts, haben Experten eine Vision entwickelt, wie man mit einem Fest im altägyptischen Stil diesen Prozessionsweg angemessen „wiederbeleben“ kann (vermutlich mit einer Parade nach antikem Vorbild). Auch entlang des Nils soll es Feiern geben, die von Einheimischen und allen Archäologie-Interessierten besucht werden könnten. Mustafa Waziri, Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer, hatte schon im August verlauten lassen, dass es auch eine Prozession von Booten auf dem Nil und in den Morgenstunden von Heißluftballons geben solle, die mit ägyptischen Flaggen und Bannern zur Feier des Tages geschmückt sein werden.

Die Geschichte der Ausgrabung dieser Sphinx-Allee begann 1949 mit dem ägyptischen Archäologen Zakaria Ghoneim, der den Anfang des alten Weges entdeckte. In den folgenden Jahrzehnten wurden an beiden Tempeln immer mehr Überreste gefunden. Im Jahr 2005 entstand dann die Idee, mit dieser antiken Straße Luxor zum größten Open-Air Museum der Welt zu machen. Mit der Revolution von 2011 und der nachfolgenden Geldknappheit musste das Projekt zunächst gestoppt werden und wurde erst 2017 wieder aufgenommen.

Durch die Ausgrabungsarbeiten wurden auch eine Reihe weiterer Entdeckungen gemacht, wie ein Nilometer aus der 25. Dynastie, Weinpressen, Blumenkübel, antike Mauern und Werkstätten mit z.B. großen Öfen (wir berichteten).

4 Gedanken zu „Größtes Open-Air Museum kurz vor der Eröffnung“

  1. Die Sphingen-Straße ist ein Schlag ins Gesicht der Einwohner. So befürchte ich Sabotage an den Antiken.

  2. Der Meinung bin ich allerdings auch. Bei aller Liebe zu Ägyptens Altertümern, in diesem besonderen Fall geht die Sache dann doch zu weit. Auch die geplante Prozession mit Götterstatuen ist meiner Meinung nach zu viel des Guten. Solche Veranstaltungen sind bestens geeignet, für Verstimmung in der muslimischen Bevölkerung zu sorgen und Unmut zu schüren. Um zukünftigen Problemen vorzubeugen, sollte man auf derartige Paraden, die zudem ungemein kostspielig sind, besser verzichten und Eröffnungsfeiern grundsätzlich eher im kleinen Rahmen abhalten. Ein paar schöne Reden reichen dafür völlig aus.

  3. Das sehe ich nicht so. Ägypten ist wahrscheinlich eines der letzten Länder, in denen man solche archäologischen Großprojekte noch durchführen kann. Die Bewohner der betroffenen Häuser wurden ja nicht mitabgerissen sonder über mehrere Jahre in andere Stadtteile umgesiedelt. Außerdem verwehre ich mich vor einem Kniefall vor der Religion. Die Organisatoren waren ja Muslime denke ich. Und immer alles klein halten um nur nicht aufzufallen kann auch keine Lösung sein, speziell in einer Zeit wo man händeringend nach Touristen sucht.

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