Shunet el-Zebib. Foto: Friedrich Graf

Abydos: Pharao Chasechemuis »Haus des Ka« für Touristen geöffnet

Was Antikenminister Khaled El-Enany im November letzten Jahres als eine Maßnahme zur Stärkung des Tourismus angekündigt hatte, ist nun Wirklichkeit geworden: In Abydos ist eine antike Stätte aus dem alten Reich zumindest für kurze Zeit zur Besichtigung freigegeben worden. Es handelt sich um den Talkomplex des letzten Pharaos der 2. Dynastie, Chasechemui, dessen Grab sich ebenfalls in Abydos befindet.

Die Öffnung des »Shunet El Zebib« genannten Komplexes für Touristen erfolgte wohl selbst für die Ticketbüros in Abydos etwas zu plötzlich, denn es gibt derzeit gar keine Tickets dafür. Im Moment muss man dafür am berühmten Abydos-Tempel von Sethos I. erst mal einen örtlichen Antikeninspektor rufen lassen und mit diesem dann zusammen nach Shunet El Zebib fahren.


Bis es im Oktober eigene Tickets gibt, soll das Prozedere nach unseren Freunden von Ägypten individuell, die ja auch die entsprechenden Reiseführer (zuletzt »Ägypten – Das Niltal von Kairo bis Abu Simbel«) herausbringen (und übrigens auch eine sehr gute Facebook-Seite haben), wie folgt sein:

  • Am Eingang des Tempels von Sethos I. bittet man, den örtlichen Antikeninspektor (arab.: mufatisch) zu verständigen.
  • Im Beisein des Inspektors erwirbt man ein zusätzliches (=zweites) Ticket für den Tempel von Sethos I., da dieses übergangsweise als Ticket für Shunet el-Zebib gilt.
  • Im Anschluss fährt man zusammen mit dem Inspektor und einem Polizisten zum Ort des Interesses (wer ohne Taxi vor Ort ist, mietet dafür am besten ein TukTuk).
  • Der Inspektor führt persönlich durch die Anlage, da sie aufgrund der verbauten Lehmziegel leicht beschädigt werden kann (nichts anfassen, keinesfalls auf Lehmziegelmauern klettern!) und in der Umgebung weiter geforscht wird.

Dass der Inspektor mitkommt und einen dann auch noch persönlich durch die große Anlage führt, liegt daran, dass diese in einigen Teilen bereits einsturzgefährdet ist. Daher möchte man hier Touristen nicht alleine herumlaufen lassen.

Karte von Abydos nach Auguste Mariette. Shunet El Zebib oben rechts. Bild: Internet Archive Book Images, gemeinfrei.

Shunet El Zebib, übersetzt die »Rosinenscheune«, ist eine riesige Lehmziegelstruktur südwestlich des Gräberfeldes des Mittleren Reiches. Sie besteht aus zwei rechteckigen, ineinander liegenden Mauern von beeindruckenden Ausmaßen. Die äußere Mauer ist 137 x 77m lang, 5m dick und 12m hoch. Die innere Mauer ist 123 x 56m lang, 3m dick und immerhin noch 8m hoch.

Aufgrund dieser sehr wehrhaften Struktur wurde früher vermutet, es könne sich um ein Militärgebäude handeln. Heute ist man sich aber sicher, dass es sich um den Talkomplex des Grabes von Pharao Chasechemui handelt, um sein »Haus des Ka«, eine Art Vorläufer des Taltempels, der bei den Grabanlagen späterer Dynastien eine wichtige Rolle spielte.

Shunet el-Zebib. Foto: Friedrich Graf

Die Außenmauer des Lehmziegelkomplexes hat eine Folge von Nischen und Vorbauten, womit die Fassade eines königlichen Palastes dieser Zeit imitiert wird. Innen ist heute nur ein großer, leerer Hof. Man weiß nicht, ob hier früher einmal kultische Gebäude zum Gedenken an den verstorbenen König standen. Nur eine kleine Kapelle in der südöstlichen Ecke der Anlage kann man heute noch ausmachen.

Es gibt allerdings keine Bemalungen, Inschriften oder sonstige Dekorationen zu bewundern. Der Komplex ist also nur durch seine enormen Ausmaße und die beeindruckenden Lehmziegelmauern einen Besuch wert. Das sollte jeder wissen, der beim nächsten Abydosbesuch einen Ausflug nach Shunet El Zebib plant! Wie es zu dem Namen »Rosinenscheune« kam, haben wir bisher leider nicht herauskriegen können.

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