Foto: Andrea Vinkenflügel

Das Grand Egyptian Museum bittet um Spenden – und erntet viel Kritik

Das Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh ist ein Projekt der Superlative. Und das verschlingt natürlich auch jede Menge Kosten. Daher startete das Museum Ende Dezember eine Fundraising Kampagne und bittet um Spenden für weitere Bauarbeiten und für die zukünftige Erhaltung des Museums. Doch es gibt viel Kritik, das ewig währende Loch in der Haushaltskasse des GEM mit dieser Methode stopfen zu wollen.

Japan hatte schon insgesamt $750 Millionen für das GEM geliehen, doch das Geld reicht nicht, denn von anfänglichen $550 Millionen sind die Kosten auf mittlerweile $1 Milliarde (!) explodiert.

Schon 2013 hatte das Antikenministerium eine Fundraising Kampagne gestartet, bei der jeder Tourist optional $1 pro Nacht an das Museum spenden konnte. Doch nach dem das russische Flugzeug im Oktober 2015 abgestürzt ist und der Tourismus erneut einbrach, kam anscheinend nicht genügend Geld zusammen. Zumindest gibt es keine offiziellen Angaben, wieviel und ob überhaupt Geld mit dieser Kampagne zusammengekommen ist.

Werbeanzeigen für Fundraising

So sollen nun also mit Werbeanzeigen des Antikenministeriums um Spenden gebeten werden. Dafür hat man extra zwei Konten bei der Central Bank of Egypt, angelegt, einmal für US$-Spenden und einmal für Euro-Spenden (die Bankverbindungen haben wir leider nicht gefunden). Die Teileröffnung Mitte 2018 soll aber weiterhin bestehen bleiben und auch die Fundraising Kampagne soll nach der kompletten Fertigstellung weiter laufen, um für anfallende Arbeiten am Museum weiterhin genügend Geld zu haben.

Bei manchen kommt die Fundraising Kampagne gar nicht gut an, wie die Al-Monitor schreibt. Archäologen fragen sich, wie die Kosten für dieses Projekt so explodieren konnte. Außerdem wäre dies eine Beleidigung für alle Ägypter und zeigt nur die Unfähigkeit der ägyptischen Regierung, die es mit dem vorhandenen Geld noch nicht einmal geschafft haben, die ersten Bauabschnitte des Museums reibungslos über die Bühne zu bringen, wie Mohammed al-Kahlawi, Generalsekretär der arabischen archäologischen Union der Al-Monitor mitteilt. Außerdem sollte man jetzt nicht in aller Eile die Teileröffnung Mitte des Jahres anpeilen, sondern das GEM in aller Ruhe komplett fertigstellen und erst dann eröffnen, so al-Kahlawi weiter.

Große Geldprobleme

Das Antikenministerium hat wegen der geringen Touristenzahlen große Geldprobleme. Löhne für ihre 37 000 Mitarbeiter in Höhe von 92 Mio. LE  ($5,2 Mio.) sind angefallen, wi der Antikenmnister im November letzten Jahres mitteilte, und die Regierung musste mit 6 Milliarden LE ($338,7 Mio.) einspringen. Der Antikenminister El-Anani hofft mit mehreren Ausstellungen in den Golfstaaten (und einer Wanderausstellung von Tutanchamuns Schätzen, die in den USA begonnen hat und hoffentlich auch nach Deutschland kommt), höheren Ticketpreisen und anderen Anstrengungen, aus der finanziellen Krise rauszukommen.

Wie groß wäre der Erfolg einer Fundraising Kampagne?

Der Erfolg einer Fundraising Kampagne sehen die meisten sehr skeptisch. In 2015 hatte das Antikenministerium schon versucht durch eine Kampagne genügend Geld einzusammeln, um die Statue des Sekhemka aus dem Museum in Northampton zu ersteigern und scheiterte letztendlich kläglich. Es soll keine einzige Spende eingegangen sein. Zumindest in diesem Punkt ist die neue Kampagne erfolgreicher als diese: Der US Tourist John Robert Massi spendete $1000 und wurde wegen seiner Großzügigkeit mit einer privaten Führung über das Gelände des GEM belohnt.

Ob die Spenden der Fundraising Kampagne wirklich reichen würden, steht eh noch in den Sternen. Wenn keine ordentliche Kampagne daraus wird (man findet ja noch nicht einmal jetzt die Bankverbindung), dann sowieso nicht. Außerdem fragt man sich, wie so ein Projekt in einem Land, in dem ein Lehrer 30$ im Monat verdient, auf $1 Milliarde US Dollar anwachsen kann und wo die $750 Mio. der Japaner hingeflossen sind, wenn schon vor Beedingung der ersten Teileröffnung eine Fundraising Kampagne wegen Geldmangels gestartet werden muss.

Ramses im Museum

Wenigstens gibt es weiterhin Anstrengungen, die Teileröffnung in ein paar Monaten über die Bühne zu bringen. Diese Woche wurde mit viel Tam Tam die Statue von Ramses des Großen, die vorher am Ramses Square in Kairo stand, zum GEM transportiert. Wenn Ramses wüsste, dass sein einst stolzes Land, auf die Spenden anderer angewiesen sind, würde er sich im Grabe umdrehen. Aber zumindest dieses Spektakel hätte ihm bestimmt gefallen…

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3 Kommentar(e)

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  • Martin Heinz

    Bis 1973 (?) gab es im Museum zu Kairo einen Laden, in dem echte Stücke verkauft wurden. Wer will sich schon 400 mehr oder wenig identische Uschebtis anschauen? Als man um 1900 das intakte Grab des HekaEmSaf fand, kamen eine Anzahl in Museum und die meisten auf den freien Markt.

  • mckracken

    vielleicht hätte man auch auf den ganzen nichtausstellungs firlefanz verzichten sollen (zig konferenz säle, kinder spielplätze usw. was weiss ich) und das museum um die hälfte kleiner bauen sollen. (oder ein drittel)

    besonders verblödet finde ich immer die kinos oder laufenden fernseher in museen. Glotzen kann ich auch daheim (anstatt mehr zeit mit den tatsächlichen Ausstellungsstücken zu verbringen)

  • Ingrid Müller

    Wieso wundert man sich darüber, dass die Ägypter mit dem Geld für das Grand Egyptian Museum nicht auskommen? Es muss doch schließlich jeder vom Antikenminister bis runter zum letzten Inspektor geschmiert werden. Und rechts und links auch noch ein paar „very important people“. Schließlich ist das erste Wort, das ein ägyptisches Kind lernt, „bakshish!!“ Also Leute, spendet, spendet, spendet, genug sein wird es nie!

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