Die vier Figuren/Uschebtis aus dem Grabschatz Tutanchamuns werden dann vielleicht auch vom Luxor-Museum ins neue Grand Egyptian Museum gebracht

Das ganze Tutanchamun-Paket. Alle 5000 Stücke im neuen Museum

Die amerikanische Handelskammer in Ägypten organisierte unlängst die Reise einer Delegation internationaler Medienvertreter zum teilweise fertiggestellten Grand Egyptian Museum (GEM) auf dem Gizeh-Plateau. Man wolle damit den Tourismus nach Ägypten befördern, hieß es. Bei dieser Reise gab es einige durchaus interessante Informationen zum neuen und zum alten Museum.

Im bereits fertigen Konservierungszentrum des Museums arbeitet man derzeit mit Hochdruck an der Restaurierung von Ausstellungsstücken. Dr. Tarek Sayed Tawfik, Generaldirektor des GEM, hat die Vision, dass das Museum mehr sein soll, als nur ein Gebäude, in dem antike Artefakte gezeigt werden. Er möchte, dass die Besucher auch erfahren, wie und warum diese Stücke produziert wurden. Diese Hintergrundinformationen würden das GEM erst so besonders machen.


5000 mal Tutanchamun

Uschebti aus dem Grab des Tutanchamun, gestiftet von General Min-Nacht. Foto: Jon Bodsworth

Besonders und einzigartig wird allerdings auch sein, dass das GEM die unglaubliche Anzahl von 50.000 Ausstellungsstücken haben wird. 30.000 davon wurden noch nie öffentlich gezeigt. Viele von ihnen wurden bisher als zu fragil eingestuft, um überhaupt bewegt zu werden. Auch an der Konservierung solcher Stücke arbeitet man derzeit in der Museumswerkstatt.

Eine der Hauptattraktionen des neuen GEM soll die Ausstellung aller 5.000 Grabbeigaben Tutanchamuns sein, die sich 1922 bei der Entdeckung durch Howard Carter in den vier Räumen des Grabes befanden. Nur etwa ein Drittel davon war bisher im Ägyptischen Museum am Tahrirplatz ausgestellt. In zwei langen Galerien werden nun auf etwa 7.000 Quadratmetern alle 5.000 Stücke ausgestellt werden. Nach Möglichkeit will man sie in der gleichen Reihenfolge anordnen, in der sie auch im Grab lagen.

Was Tut aß und was er anzog

Aber die Besucher sollen noch viel mehr über Tutanchamun erfahren können. So wird ein Schild ausgestellt, das mit einem Gepardenfell verziert ist, und das Tut tatsächlich benutzt hat. Aber auch Speisen und Getränke, die ihm mit ins Grab gegeben wurden – Getreide, Früchte, Öl, Bier und Wein – sowie Kleidungsstücke und Werkzeuge sollen den Besuchern die persönliche Seite des berühmten Pharaos näher bringen.

All die goldenen Schätze habe man bereits irgendwo sehen können, sagte Direktor Tawfik dem Smithsonian Magazine, aber hier könne man auch dem Menschen Tutanchamun nahe kommen – sehen, was er aß, was er anzog, und man könne ahnen, welche Schwierigkeiten er im Leben gehabt haben muss. Er war sehr jung auf den Thron gekommen und stand vermutlich ständig unter Druck. Er hatte keinen Erben zeugen können und musste die Totgeburten zweier Töchter erleiden. Auch diese beiden Föten werden ausgestellt sein.

Tutanchamun als Gott Nefertem auf einer Lotusblüte. Foto: Jon Bodsworth, gemeinfrei

Was das GEM sonst noch bietet

Aber natürlich habe das GEM viel mehr zu erzählen, als nur die Geschichte Tutanchamuns, erklärt Dr. Tawfik. In einem großen, luftigen Treppenhaus, das zum obereren Stockwerk führt, werden über 100 Statuen und architektonische Bauelemente ausgestellt werden, darunter auch Stücke, die erst vor wenigen Jahren entdeckt wurden, wie eine maßstabsgetreue Sitzstatue von Amenophis III. aus Granit.

Aber es werde auch chronologische Ausstellungsräume geben, in denen die Epochen von der Vorgeschichte bis zur griechisch-römischen Zeit dargestellt werden. Und wenn die Besucher genügend Zeit mitbrächten, könnten sie sich tief in die jeweilige Epoche hineinarbeiten.

Und das Ägyptische Museum in Kairo?

Aber auch im bisherigen Ägyptischen Museum am Tahrirplatz soll es einige Veränderungen geben, erläuterte Sabah Abdel Razek, die derzeitige Direktorin des alten Museums. In den Räumen, in denen bisher die Tutanchamunstücke beheimatet waren, sollen nun neue, aufregende Stücke gezeigt werden, darunter z.B. atemberaubend schöne Goldartefakte aus der antiken Hafenstadt Tanis, die in der 3. Zwischenzeit Ägyptens Hauptstadt war.

Diese Stücke aus Tanis seien zusammen mit den Schätzen aus dem Grab von Juja und Tuja sicher gleichwertig zur bisherigen Tutanchamun-Sammlung, meint Abdel Razek. Außerdem werde es weitere wunderbare Artefakte im alten Museum geben, z.B. lebensechte Mumienportraits aus der Faijum-Gegend, die aus der römischen Zeit stammen. Aus dem Alten Reich werde es dafür eine aufregende Statue von Pharao Chefren geben, dem 4. König der 4. Dynastie, der eine der drei großen Pyramiden in Gizeh baute. Durch diese neuen Stücke werde es für die Besucher des Ägyptischen Museums sogar ein Vorteil sein, dass die Tutanchamun-Stücke ins neue GEM ausgelagert wurden, ist sich die Direktorin sicher.

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2 Kommentar(e)

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  • Ahan

    Das ist wirklich endlich eine gute Lösung, die Funde und Grabbeigaben von Tut alle zusammen auszustellen. Ich suche schon lang nach einer umfassenden Beschreibung der einzelnen Stücke und ihrer wahrscheinlichen Verwendung. Bisher habe ich nur bei Carter eine, wenn auch unzureichende, Beschreibung gefunden.
    Kann mir jemand einen Tipp geben ?

  • jhonny

    was mich am meisten interessiert:
    wird man in dem neuem Museum ein Fotografier Ticket kaufen können?

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