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Alle gegen Reeves – Viel Gegenwind auf der Tutanchamun Konferenz

Nicholas Reeves hatte einen schweren Stand. Auf der Tutanchamun-Konferenz am vergangenen Wochenende bekam er viel Gegenwind für seine Theorien über versteckte Kammern in Tutanchamuns Grab. Insbesondere Zahi Hawass ist ein entschiedener Gegner dieser Theorie, wie er wieder einmal auf der Konferenz mit harschen Worten deutlich gemacht hatte.

Hawass vs. den „britischen Wissenschaftler“

Radarscans sind nicht ausreichend, um zu konkreten Ergebnissen zu kommen, wie Hawass auf der Konferenz sagte. In seiner gesamten Karriere haben Radarscans noch nie zu Entdeckungen geführt. Er hätte alle Beweise analysiert, die dieser „britische Wissenschaftler“ gesammelt hat, sie seien nicht wissenschaftlich. Hawass ermahnte natürlich wieder zur Vorsicht gegenüber Theorien ausländischen Archäologen, die ihre „eigene Berühmtheit auf Kosten unserer Altertümer“ hervorheben wollen.


Hawass forderte unverzüglich ein Komitee aus Archäologen, Radarexperten und Experten zur Fernerkundung ein, um die Arbeiten im Grab zu überwachen. Außerdem solle die Medienpräsenz aufhören, denn es gibt nichts, was es wert sei darüber zu berichten.

Reeves nimmt ägyptische Regierung in Schutz

Nicholas Reeves versuchte auf der Konferenz seine Theorie über ein Grab-in-Grab weiter zu untermauern. Für ihn zeigen die Scans eindeutig Hohlräume hinter den Wänden von Tutanchamuns Grabkammer. 18 Monate lang hatte er Beweise gesammelt, bevor er mit seiner Theorie über ein Grab der Nofretete an die Öffentlichkeit gegangen ist. Auch nahm er die ägyptische Regierung in Schutz, die die Untersuchungen bisher sehr gut gehandhabt hätten. Alle bisher geäußerten Vorwürfe seien vielleicht ein bisschen unfair, so Reeves.

Der ehemalige Antikenminister Mamdouh el-Damaty, der sich mit dieser Kritik konfrontieren musste, ist weiterhin von den Radarscans überzeugt. Doch an Reeves Theorie von dem Grab der Nofretete, glaubt er immer noch nicht. Irgendwas ist hinter den Wänden. Aber ob es ein Raum oder eine Galerie ist, wissen wir nicht, so el-Damaty.

Der japanische Radarexperte Prof. Watanabe, der die Scans im letzten Jahr durchgeführt hatte, präsentierte seine Ergebnisse auf der Konferenz. Foto: MSA

Der japanische Radarexperte Prof. Watanabe, der die Scans im letzten Jahr durchgeführt hatte, präsentierte seine Ergebnisse auf der Konferenz. Foto: MSA

Kritische Gegenstimmen auch aus Deutschland

Auch aus Deutschland kamen kritische Gegenstimmen, unter anderem von Dr. Friederike Seyfried, Leiterin des Neuen Museums in Berlin, die der Konferenz zusammen mit ihren Kolleginnen Dr. Gabi Pieke (Museum Mannheim) und Dr. Regine Schultz (Museum Hildesheim) beiwohnte und ebenfalls keine Erkenntnisse aus der Radarmethode ziehen kann. Durch den plötzlichen Tod von Tutanchamun, mussten die Arbeiter das Grab schnell fertigstellen und verschließen. Das sei der Grund, warum hinter der Wand Hohlräume sind, so Seyfried in der Ahram Online.

Keine Hinweise für eine Änderung an Tuts Totenmaske

Auch Reeves angestoßene Diskussion über Tutanchamuns Totenmaske, die ursprünglich Nofretete gehört haben könnte (wir berichteten) wurde von deutscher Seite erst einmal der Wind aus den Segeln genommen. Christian Eckmann, der die Totenmaske nach dem Bart-Unfall (wir berichteten ebenfalls) wieder restauriert hatte, sah keine Anhaltspunkte für eine Wiederverwendung der Maske.

Schlechtes Ergebnis nicht wirklich schlecht

Zumindest ist sich Reeves mit (den meisten) anderen Wissenschaftlern in dem Punkt darüber einig, dass Tuts Grab den Forschern die einmalige Gelegenheit gibt, viele Methoden auszuprobieren, die auch in anderen Bereichen der Archäologie eingesetzt werden können. So wäre denn auch ein schlechtes Ergebnis nicht wirklich schlecht, weil man weitere Forschungsmethoden erschlossen hätte.

Kein Loch in der Wand, bis man zu 100% sicher ist

Der Antikenminister Dr. Khaled El-Enany betonte auf der Konferenz noch einmal, dass kein Loch in die Wand gebohrt wird, bis die Experten nicht zu 100% sicher seien. Als nächstes soll das Grab nun von oben durchleuchtet werden…

 

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11 Kommentar(e)

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  • Peter

    Was für ein Blödsinn!

    100% sicher kann man nur sein, wenn nachgeschaut wird.

    Hawass ist es peinlich, dass er nicht darüber nachdachte ob etwas hinter der Wand sein könnte.
    Dazu müsste man aber vielleicht seinen Geist befreien und nach vorne gehen und nicht ständig nach hinten schauen. Unmöglich, dass der überhaupt noch Zutritt zu diesen Veranstaltungen hat.

  • Roland

    Blödsinn, eigentlich zu milde Ausgedrückt!

    Ein Herr Hawass, stellt alle Ägyptologen als nichts hin und sich selber
    als – ja was eigentlich?
    Es gab zu viele Ungereimtheiten, dass man nichts mehr aber auch gar-
    nichts mehr glauben kann.

  • mckracken

    Hawass: Der Mubarak der Archäologie.
    (Zitat von Landeskollegen)

  • Hoefer

    Im bodennahen Bereich der Nord- und Westwand existieren keine Wandmalereien, die stets als ein Argument gegen eine Durchbohrung der Wände angeführt werden. Auch können auf der Gegenseite keine Malereien vorhanden sein, da die Wände – wenn dann – von Seiten der Grabkammer errichtet wurden. Also was soll der Zirkus? Bei modernen Endoskopen reicht ein Loch von deutlich unter 1cm Durchmesser!

  • Amira Shay

    Ja, ich denke, irgendwas ist hinter der Mauer.
    Schon immer fand ich die Anordnung und Größe der Grabkammer seltsam, irgendwie fiel sie aus dem Schema raus.

    Warum wird ein absolutes Abbild in 3D in Lebensgröße von den Wänden gefertigt (wurde hier auch berichtet)?!?!
    Das hätte man auch von anderen Grabkammern machen können, die schöner als die von Tut sind.

    Und Zahi Hawass? Ich denke, er weiß was. Er versucht wahrscheinlich das zu schützen, was er weiß, was sich auch immer dahinter verbergen könnte, und streitet deshalb alles ab. Irgendwo kann ich das nachvollziehen.

    Es gibt mit Sicherheit noch Altertümer zu entdecken, die von diversen Einheimischen geheim gehalten werden, sei es aus Loyalität zum Alten Ägypten oder wegen dem Schwarzmarkt für Altertümer.

    Ich bin gespannt, was sich da noch tut. Die sollten aber mal so langsam in die Hufe kommen…..

  • Anne Hesmer

    Den Hawass kennen wir nur so…. leider ist er sehr verbohrt was seine Ansichten und Erfahrungen angeht. Jedenfalls kommt er für mich so rüber. Und es ist auch bekannt dass er sehr schnell aus der Haut fahren kann. Da kommt ein Archäologe daher… auch noch ein Ausländer-ein Brite-der eine Theorie aufstellte dass Tuts Grab nicht so klein ist ,wie es scheint. Sondern dass da hinter was ist. Dann gibt es die scans . Diese scheinen auch noch die Tatsache zu belegen, dass da was ist. Aber so ist nunmal die Archäologie. .. zu 30% Vermutungen aufstellen, zu 40%buddeln, zu 20% Überlegungen anstellen und zu 10% das Ganze auswerten und analysieren. Wobei letzteres zu dem eigentlichen Wissen führt . Welches dann auch noch zu kategorieren ist . 100%iges wissen und ein „ungefähr so könnte es gewesen sein“. Archäologie ist komplex und wie eine Wundertüte. Und manchmal entwickeln sich auch Methoden weiter. Aber Hawass‘ Angst verstehe ich auch.“Was ist,wenn bei den Bohrungen etwas schief geht und das Grab und Mumie komplett zerstört werden ? Bei evtl fallenden Steinen? „Ich denke,dass das seine Angst ist,die er hinter seinen barschen Worten und“ da gibt’s nix,was erwähnenswert wäre“ zu verstecken versucht. Und er kann dann wohl nicht anders,als aus der Haut zu fahren. Wobei seine Forderung zur Überwachung der Arbeiten am Grab sind ok. Besser Vorsicht als Nachsicht. Und da er nicht ganz dagegen ist,dass weitere Untersuchungen kommen wie der Scan von oben ,können wir wohl davon ausgehen dass auch er neugierig ist,ob und was da ist,auch wenn er seine Neugier nicht zeigt? 😉

  • Anne Hesmer

    Shit,Tippfehler. .“kategorisieren“ sollte da hin.nicht kategorieren … wenn man eine Formulierung zeitgleich in verschiedenen Sätzen denkt… „^^

  • Sinuhe20

    Hallo,

    dazu sollte man wissen, dass es noch eine zweite Reihe von Radarscans im März gab, durchgeführt von Technikern des National Geographic. Diese haben keinerlei Hohlräume gezeigt, auch keinerlei Anzeichen, dass es zugemauerte Durchgänge in den Wänden gibt. Die Radardaten sind im Gegensatz zu denen von Watanabe (die nur er selbst interpretieren kann) frei zugänglich und wurden von verschiedenen Experten begutachtet, die alle zum selben Ergebnis kommen. Die Zweifel von Hawass sind also schon berechtigt.

    Hier nachzulesen: http://news.nationalgeographic.com/2016/05/160509-king-tut-tomb-chambers-radar-archaeology/

    Viele Grüße
    Sinuhe20

  • Selket

    Hallo Sinuhe,
    ja, das stimmt. Obwohl diese Daten ebenfalls (wahrscheinlich eher unfreiwillig) nicht frei zugänglich sind. Hier ist der neue Bericht dazu http://blog.selket.de/aus-der-forschung/scans-aus-den-usa-sollen-keine-geheimen-kammern-in-tutanchamuns-grab-zeigen

  • Meritaton

    Ich stimme Hoefer voll und ganz zu. Warum dieser Riesenaufwand mit weiteren Radarmessungen und neuen Scans? Ich bin sicher, dass sich genügend „Experten“ finden lassen, die das Knowhow haben, ein winziges Loch zu bohren, ohne dass in irgendeiner Weise eine Beschädigung der Wand entsteht. Dann könnte man eine Kamera einführen und hätte endlich die 100prozentige Gewissheit.

    Ich persönlich glaube nicht an Nofretetes Grab, aber spannend ist es trotzdem. So lange man keine Gewissheit hat, ist es halt eine Glaubensfrage, wie so vieles in der Ägyptologie.

  • Peter B.

    Falsch!
    Es ist sogar mehr als wahrscheinlich, dass da ein weiteres Grab hinter der Wand ist.
    Dazu sind die ungereimtheiten die entdeckt wurden zu viele.
    Und wenn national Geogra. etwas schreibt glaube ich es auch nicht.
    Denen ist wichtig die Rechte zu bekommen und zu vermarkten.
    Wenn die es gekauft haben wird es schon maechtig was zu berichten geben.

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