Kopf der Statue des Sekhemka
Mit freundlicher Genehmigung von Save Sekhemka Action Group

Museum versteigert 4500 Jahre alte ägyptische Statue bei Christie’s

Eine der wichtigsten Aufgaben eines Museums ist es, kulturelles Gemeingut zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Museum im Northampton, England, will nun dieses Gemeingut dazu nutzen, um ihr Geldsäckel zu füllen. Sie lassen eine 4500 Jahre alte ägyptische Statue bei dem Auktionshaus Christie’s verkaufen, um den Gewinn in den Ausbau ihres Museums zu stecken.

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Statue des Sekhemka Mit freundlicher Genehmigung von Save Sekhemka Action Group

Statue des Sekhemka
Mit freundlicher Genehmigung von Save Sekhemka Action Group

Die 76cm hohe bemalte Kalksteinstatue eines Beamten namens Sekhemka aus der 5. Dynastie ist in einem bemerkenswert guten Zustand. Der Fundort der Statue ist nicht ganz gesichert, doch wird allgemein Sakkara vermutet. Erworben wurde sie von Spencer Compton, dem zweiten Marquis von Northampton, während einer Reise nach Ägypten in den Jahren 1849-50. Die Statue wurde von einem der späteren Marquis von Northampton dem örtlichen Museum überlassen. Wann genau, ist ebenfalls nicht ganz gesichert, doch sie wurde noch vor Ende der 1890er ausgestellt.


Große Empörung

Der Plan des Museums löste bei Historikern und Ägyptologen große Empörung aus. Es gründete sich sogar eine Gegenbewegung mit dem Namen „Save Sekhemka Action Group„, die auch eine Petition ins Leben gerufen haben, um den Verkauf zu verhindern.

Brandon Eldrid vom Northampton Borough Council verteidigt sich: Der Wert der Statue sei zu hoch, um sie zu versichern und zu schützen. Die Statue sei kein „Kernstück“ und würde nicht helfen, die Geschichte dieses Ortes zu erzählen. Save The Sekhemka Action Group widerspricht diesem Argument. Die Statue sei natürlich ein Teil der Geschichte dieses Ortes, da sie schon seit so vielen Jahren dort sei.

Verkaufserlös für  Erweiterung des Museums – und für den Marquis

Der siebte Marquis von Northampton zeigte sich ebenso entrüstet darüber, ein von seinem Vorfahren gestiftetes Objekt nun von dem Museum verhökert zu sehen. Doch schließlich wurde man sich einig auf eine Art, die dem ganzen noch die Krone aufsetzt: Der Marquis, dessen Vorfahr die Statue als eine Art Souvenir aus Ägypten mitgenommen hat und der laut der Gegenbewegung zu einer der reichsten Männer England gehört, soll 45% des Verkaufserlöses erhalten.

Das Museum plant mit dem Verkaufserlös der Statue unter anderem eine Erweiterung, die 14 Mio Pfund kosten soll. Beim Verkauf der ägyptischen Statue käme aber noch nicht einmal die Hälfte der benötigten Summe zusammen, vor allem da der Marquis nun auch eine stattliche Summe überwiesen bekommen wird.
Zudem hat das Museum laut The Sekhemka Action Group schon alleine für die Ermöglichung der Auktion 40 000 Pfund hingeblättert.

Ist das die Sache wert?

Wenn das Museum die Statue schon nicht mehr haben möchte, wäre es eine ungleich vorbildliche Tat gewesen, sie einfach nach Ägypten zurückzugeben. So wird nun aber – Stand der Dinge jetzt – am 10. Juli die Statue mit einem Schätzwert zwischen 4-6 Millionen Pfund (ca. 5 – 7,5 Millionen Euro) bei Christie’s versteigert werden. Bei so einem Wert wird sie schlimmstenfalls bei einer Privatperson landen. Und damit hätten bei dieser Geschichte eigentlich alle verloren: die Geschichtsinteressierten, die die Statue schlimmstenfalls nie mehr zu Gesicht bekämen, die Museen der Welt, denn manch einer wird es sich nun 2x überlegen, ob er seine Altertümer einem Museum vermacht, und letztendlich auch das Northampton Museum, das zwar nun Geld in andere Projekte stecken kann, aber dessen Ansehen einen gehörigen Schaden genommen hat. Ob all das die Sache wirklich wert ist?

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